Langlebig und extrem gefährlich

Hantaviren können für viele Erkrankte tödliche Folgen haben

Auf einem Kreuzfahrtschiff sind mehrere Menschen am Hantavirus gestorben. Was ist das für ein Virus? Was macht ihn so extrem gefährlich?

Hantaviren können für viele Erkrankte tödliche Folgen haben

Hantaviren gibt es auf allen Kontinenten. Der Name leitet sich ab vom Fluss Hantan zwischen Nord- und Südkorea. Während des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 waren mehr als 3000 Soldaten schwer an dem Virus erkrankt.

Von AFP/Markus Brauer

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff „Hondius“ wird eine nach Deutschland ausgeflogene Kontaktperson im Universitätsklinikum Düsseldorf auf das Hantavirus getestet. Der Erreger wird in der Regel von Nagetieren auf den Menschen übertragen.

Bei dem in Südamerika vorkommenden Virustyp, der als Ursache der Erkrankungen auf der „Hondius“ vermutet wird, ist auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Einen Impfstoff gibt es nicht, verfügbare Medikamente können nur die Symptome bekämpfen. Ein Überblick:

Das Virus

Hantaviren gibt es auf allen Kontinenten. Der Name leitet sich ab vom Fluss Hantan zwischen Nord- und Südkorea. Während des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 waren mehr als 3000 Soldaten schwer an dem Virus erkrankt.

Weltweit existieren zahlreiche Hantavirus-Typen, die sich in ihrer geografischen Verbreitung sowie im Krankheitsbild unterschieden. Sie werden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin in erster Linie über Nagetiere übertragen. Nur bei einem in Südamerika vorkommenden Virustyp, dem bei Passagieren von der „Hondius“ in der Schweiz und in Südafrika nachgewiesenen Andesvirus, ist demnach „in seltenen Fällen und bei engem Kontakt“ eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung möglich.

Übertragung

Bei der Übertragung des Hantavirus auf den Menschen dienen in der Regel infizierte wilde Nagetiere wie Mäuse oder Ratten als Zwischenwirt. Der Erreger ist in ihrem Speichel, Urin und Kot enthalten.

Menschen können sich durch den Biss eines infizierten Nagers, aber auch durch Körperkontakt, das Berühren von Ausscheidungen oder das Einatmen von kontaminiertem Staub infizieren. Dies kann etwa im Wald, bei Feld- und Gartenarbeiten oder in seit langem leerstehenden Gebäuden passieren.

Das RKI betont, dass die Viren in der Umwelt mehrere Wochen überdauern können und daher für eine Ansteckung kein direkter Kontakt mit infizierten Nagern notwendig ist. Hantieren im Keller oder Schuppen oder Umschichten von Feuerholz können beispielsweise zum Kontakt mit Hantaviren führen.

Nach Angaben des RKI können Ansteckungen auch durch den Kontakt von verletzter Haut mit kontaminierten Materialien, mit Staub oder durch den Verzehr von Lebensmitteln erfolgen, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere verunreinigt sind.

Inkubationszeit

In Deutschland ist eine Hantavirus-Erkrankung meldepflichtig. Im Süden und Westen Deutschlands dient laut RKI die Rötelmaus als Zwischenwirt, in Nord- und Ostdeutschland wird die Brandmaus mit den Infektionen in Verbindung gebracht.

Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise zwei bis vier Wochen, in Einzelfällen vergehen auch nur fünf oder bis zu 60 Tage bis zum Auftreten von Symptomen.

Symptome

Die Beschwerden bei einer Hantavirus-Infektion beim Menschen können unterschiedlich stark ausfallen. In der Regel treten zuerst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, in manchen Fällen ist die Erkrankung tödlich.

Infektionen mit südamerikanischen Andesviren unterscheiden sich nach Angaben des RKI deutlich von den in Deutschland vorkommenden Hantaviren: „Während hierzulande überwiegend mildere Verläufe mit Nierenbeteiligung auftreten, können die südamerikanischen Hantaviren ein schweres pulmonales Krankheitsbild mit rascher Verschlechterung und hoher Letalität (Sterblichkeit) verursachen“, erklärt das Institut.

Krankheitstytpen

Die zwei häufigsten durch Hantaviren ausgelösten Krankheiten sind das sogenannte Hantavirus-induzierte (kardio-)pulmonale-Syndrom (HPS oder HCPS) und das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), bei dem auch Nierenprobleme bis hin zu Nierenversagen auftreten.

Letzteres wird durch europäische und asiatische Virenstämme verursacht, das HPS oder HCPS hingegen durch Hantaviren aus Nord- und Südamerika. Infektionen mit den amerikanischen Virenstämmen können mit Komplikationen wie Lungenödemen und akutem Lungenversagen einhergehen.

Todesrate

Die menschlichen Erkrankungen verlaufen unterschiedlich schwer. Während die in Mitteleuropa auftretenden Puumala-Virus-Infektionen in weniger als 1 Prozent der klinisch auffälligen Fälle tödlich verlaufen, beträgt die Letalität bei Infektionen mit dem in Ostasien auftretenden Hantaan-Virus und mit dem auf dem Balkan zu findenden Dobrava-Virus bis zu 15 Prozent und bei den amerikanischen Hantaviren (Sin-Nombre-Virus, Andes-Virus und andere) etwa 30–40 Prozent.

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC liegt die Todesrate bei Menschen, die nach einer Hantavirus-Infektion Atemwegsprobleme entwickeln, durchschnittlich bei 38 Prozent. Laut der kanadischen Gesundheitsbehörde werden weltweit jährlich rund 200 Lungenerkrankungen durch das Hantavirus gemeldet, die meisten in Nord- und Südamerika.

Ein prominenter Fall ist der von Betsy Arakawa Hackman, der Frau von Hollywood-Star Gene Hackman. Die 63-Jährige starb im Februar vergangenen Jahres laut Autopsiebericht an einer Hantavirus-Infektion. Ihre Leiche wurde zusammen mit der ihres Mannes in ihrem Haus in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico gefunden. Der an Alzheimer leidende Schauspieler war den Ermittlungen zufolge eine Woche nach seiner Frau an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben.