Auch wenn Merz mit Trump einigermaßen gut kann, kommt der Kanzler aus Washington mit ziemlich leeren Händen zurück, kommentiert Rainer Pörtner.
Gemeinsamer Auftritt im Oval Office: Kanzler Friedrich Merz (li.) war am Dienstag zu Besuch bei Präsident Donald Trump.
Von Rainer Pörtner
Zum dritten Mal war Friedrich Merz bereits als Kanzler in Washington. Nach seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump ist zunächst klar: Die beiden können gut miteinander. Sie haben eine politische Arbeitsbeziehung entwickelt, die zumindest dazu führt, dass Trump – hinter verschlossenen Türen – den Ausführungen und Argumenten des deutschen Regierungschefs zuhört. Das ist nicht sehr viel. Aber doch deutlich mehr, als es einer ganzen Reihe anderer europäischer Regierungschefs zurzeit gelingt.
Merz wird jetzt kritisiert, weil er Trump bei dessen Spitzen gegen Briten und Spanier während des medienöffentlichen Treffens im Oval Office nicht direkt widersprochen hat. Aber diese Zurückhaltung war klug. Offener Widerspruch hätte die Situation leicht eskalieren lassen. Wenn der Kanzler, wie er sagt, im vertraulichen Teil der Gespräche Klartext geredet hat, dann konnte er damit mehr erreichen als mit einem Showdown vor laufenden Kameras.
Schwer beschädigte transatlantische Freundschaft
Der Kanzler versteht sich als Transatlantiker. Er versucht, so viel von der transatlantischen Freundschaft zu retten wie möglich. In der Sache hat er von Trump dennoch nicht viel bekommen bei den drängendsten Themen der Europäer: Ukraine, Zölle und Zukunft des Iran. In der Substanz blieb der Besuch mager. Deshalb verstärkt auch diese jüngste Merz-Visite die Einsicht: Mehr als je zuvor müssen die Europäer dafür sorgen, dass sie sich allein behaupten können.