Haschisch, Koks, Pillen: So groß ist das Drogenproblem

Es wird im Chefbüro genommen, aber vor allem auch auf der Straße. Kokain ist längst keine Droge für Reiche mehr.

Von Jan Georg Plavec

Stuttgart - Stuttgart ist high, Tag für Tag. Drogen gehören für einen nicht unerheblichen Teil der Stadtbevölkerung zum Alltag. Es wird gekifft, gekokst und gespritzt, dazu die Tabletten. Und der Trend zeigt nach oben. Heutzutage wird in Stuttgart doppelt so viel Kokain und Crystal Meth und anderthalbmal so viel Speed konsumiert wie vor zehn Jahren. Das zeigen von der EU zusammengetragene Abwasserdaten.

Im Vergleich der untersuchten deutschen Großstädte belegt Stuttgart einen Spitzenplatz. Nur in Hamburg, Berlin und Dortmund wurden zuletzt höhere Kokainrückstände gemessen. Noch scheint der ansteigende Drogenkonsum in Stuttgart beherrschbar. Anderswo in Deutschland läuft es weniger gut, wie der starke Anstieg der Drogentoten bundesweit seit dem Tiefststand 2012 zeigt.

Dank der regelmäßigen Messungen weiß die Stadtverwaltung ziemlich genau, wie es seither weiterging. Die Cannabis-Rückstände etwa sind seit der Legalisierung von Cannabiskonsum kaum angestiegen. Im Herbst wird außerdem mehr gekifft und gekokst. Der Cannabiskonsum ist jeden Tag in etwa gleich hoch, Kokain wird vermehrt am Wochenende genommen.

Koks, Schnee, Charlie oder wie auch immer es noch genannt wird, galt lange Zeit als Statussymbol der Oberschicht, als sogenannte Managerdroge. Betrachtet man aber die Ergebnisse für Baden-Württemberg in Bezug auf Einkommen, Bildung und Personengruppen, dann wird deutlich: In der Bevölkerung gab es 2023 mehr von Kokainmissbrauch Betroffene mit Hauptschulabschluss als mit höheren Bildungsabschlüssen, mehr mit einem jährlichen Einkommen unter 15 000 Euro als darüber und deutlich mehr Betroffene, die arbeitslos waren als solche mit Job.

Während die Konzentration der Drogenrückstände steigt, verzeichnen die ambulanten Suchthilfen in Stuttgart laut ihrem Jahresbericht keinen Anstieg bei entsprechenden Beratungen. Der Anteil der Hilfesuchenden mit Drogenproblem lag 2024 sogar unter dem Wert von 2023.