Ehemalige Bundesministerin

Hat mich getroffen: Künast findet Namen ihres Vaters in NSDAP-Akten

Wer in den digital aufbereiteten NSDAP-Mitgliederakten Namen von Familienangehörigen entdeckt, erschrickt häufig. Es kann auch Anstoß sein, eigene Geschichte aufzuarbeiten.

Hat mich getroffen: Künast findet Namen ihres Vaters in NSDAP-Akten

Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen), ehemalige Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Archivbild).

Von red/dpa

Auch der Vater der ehemaligen Bundesministerin Renate Künast taucht als NSDAP-Mitglied in digital aufbereiteten Mitgliederakten auf. „Er ist am 1. Mai 1933 in der Partei aufgenommen worden, also wenige Wochen nach der Machtübernahme“, sagte die Grünen-Politikerin dem „Spiegel“. „Es war kein Schock, aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem. Wenn aus einer unbeantworteten Frage Gewissheit wird, geht das Nachdenken wieder los“, sagte Künast, die bis zum Frühjahr 2025 dem Bundestag angehörte. Sie rede darüber mit ihrem Mann und Freunden.

„Nach dem Krieg war es auch bei uns wie in vielen Familien: Das war ein Schweigekartell“, sagte sie weiter. Oft habe sie früher gehört: Man habe nichts gehört und wenn, hätte man ja nichts ändern können. Sie habe das als Jugendliche aufgeregt. „Ich wollte und will damit anders umgehen. Das hat mich geprägt, mich einzumischen.“ Deshalb habe sie auch kein Problem, über die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters öffentlich zu reden. „Wissen, was war, ist Voraussetzung für Aufarbeitung, sonst kommt nur Verstellung dabei raus.“

Digital aufgearbeitete Mitgliedskarten

Mitte März hatte das US-amerikanische Nationalarchiv begonnen, eine historische Familienforschung über das Internet zu ermöglichen. Auf der Suche nach der eigenen Verwandtschaft kann sich jeder ohne vorherige Anmeldung durch Millionen Einträge klicken. Die „Zeit“ und der „Spiegel“ haben die Mitgliedskarten der NSDAP digital aufbereitet.

Die Mitgliedschaft in der Partei zeige vorerst nur, dass jemand eingetreten sei und sage wenig darüber aus, wie sich die Person im Nationalsozialismus verhalten habe, hatte Historiker Martin Winter bei Veröffentlichung der Daten vor gut zwei Monaten gesagt. Allerdings habe man durch den Beitritt auf jeden Fall eine Zustimmung signalisiert. Umgekehrt bedeute es aber auch nicht, dass jemand ohne Treffer im Archiv nichts mit dem Nationalsozialismus zu tun gehabt habe.