Neu im Kino

Hausmädchen trifft Hausdrache

„The Housemaid“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Freida McFadden. Regisseur Paul Feig setzt das Psychospiel mit zwei prominenten Hauptdarstellerinnen um.

Hausmädchen trifft Hausdrache

Hinter der einladenden Fassade von Hausherrin Nina (Amanda Seyfried) lauern Abgründe.

Von Martin Schwickert

Als sich das eiserne Tor zum Anwesen öffnet, setzt Millie (Sydney Sweeney) noch schnell eine Brille auf, die sie ein wenig seriöser aussehen lassen soll. Die junge Frau bewirbt sich bei der schwerreichen Familie Winchester als Dienstmädchen. Die blondierte Hausherrin Nina (Amanda Seyfried) begrüßt sie freudig und führt die Bewerberin durch die luxuriöse Behausung. Millie ist beeindruckt. Der Kontrast zu ihrer eigenen Existenz könnte kaum größer sein. Anders als es der frei erfundene Lebenslauf in der Bewerbung vermuten lässt, wurde Millie gerade auf Bewährung aus der Haft entlassen. Sie hat kein Dach über den Kopf, hangelt sich von einem Gelegenheitsjob zum nächsten und schläft nachts in ihrem Auto. Sie braucht diese Anstellung um die Bewährungsauflagen zu erfüllen – und sie bekommt den Job zu ihrer eigenen Überraschung.

Aber anders als an dem Tag des Bewerbungsgesprächs, als das Haus in blitzsauberem Zustand präsentiert wurde, erwartet Millie an ihrem ersten Arbeitstag ein heilloses Chaos in der Küche. Sie macht sich an die Aufräumungsarbeiten und wird am nächsten Morgen von Nina mit einem Tobsuchtsanfall empfangen. Sie behauptet die neue Haushälterin habe ihr Manuskript für die Rede beim Elternabend weggeworfen und unterstreicht die Vorwürfe, indem sie mit Tassen und Tellern um sich wirft. Als der Ehemann Andrew (Brandon Sklenar) mit Tochter Cece (Indiana Elle) dazukommt, kann er die Situation durch eine geduldige Intervention beruhigen. Und das war nur eine kleine Kostprobe von dem, was Millie in Paul Feigs „The Housemaid“ während der kommenden zwei Kinostunden erwartet. Immer krasser werden die Ausbrüche und Angriffe der Hausherrin, die ihre Angestellte auf manische Weise schikaniert.

Aber Millie ist fest entschlossen den Job nicht aufzugeben. Zudem beginnt der schmucke Andrew ihr schöne Augen zu machen, was Ninas Eifersucht weiter befeuert. „The Housemaid“ ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Vielschreiberin Freida McFadden, der es dank BookTok international zu Millionenauflagen gebracht hat und in Deutschland unter dem Titel „Wenn sie wüsste“ erschienen ist. Zwei weitere Folgewerke sind bereits erschienen und warten darauf im Kino zu einem Franchise ausgebaut zu werden.

Hart an der Grenze zum Edel-B-Movie

Regisseur Paul Feig, der sich mit handfesten Frauen-Komödien wie „Brautalarm“ (2011) und dem schwarzhumorigen Thriller „Nur ein kleiner Gefallen“ (2018) einen Namen gemacht hat, inszeniert seine Adaption mit popkulturellem Gusto hart an der Grenze zum Edel-B-Movie. Dabei kann er auf zwei prominente Hauptdarstellerinnen zurückgreifen.

Sydney Sweeney, die sich durch die TV-Serien „Euphoria“ und „White Lotus“ weit nach oben gearbeitet hat und im letzten Jahr mit ihrer umstrittenen Jeans-Werbung die sozialen Medien in Wallung brachte, präsentiert sich hier zunächst als überraschend passive Heldin. Ihre Millie lässt die Tiraden ihrer Arbeitgeberin ebenso über sich ergehen lässt, wie sie die Annäherungen des schwerreichen Hausherren begrüßt. Ihrer zurückgenommenen Performance als scheinbar unbedarfte Protagonistin und Identifikationsfigur steht Amanda Seyfried mit einer grandios übersteuerten, toxischen Verve gegenüber. Lichtjahre entfernt vom braven „Mamma Mia“-Image oszilliert Seyfried im besten Rampensau-Modus zwischen perfider Intrigantin, cholerischer Aggressorin und bemitleidenswerter Psychotikerin.

Die Story bietet einige Wendungen, die nicht immer so überraschend sind, wie sie sein wollen, und einen ganz großen Twist, der die innerfilmische Wahrheit gründlich auf den Kopf stellt. Danach darf dann auch Sweeney ihre Krallen ausfahren und den konventionellen, erotisch unterfütterten Thriller in Richtung feministischer Selbstermächtigung katapultieren. Dabei nimmt der Plot wenig Rücksicht auf die Gesetze der Logik und hält einer gedanklichen Zweitprüfung nach dem Kinobesuch nur wenige Minuten stand.

Die Prise Selbstironie macht den Film bekömmlich

Im Augenblick des Sehens ist „The Housemaid“ dennoch über weite Strecken unverschämt unterhaltsam, auch weil Feig eine gute Portion Selbstironie in die Inszenierung einstreut und nie einen Zweifel am popkulturellen Fast-Food-Charakter des Unternehmens aufkommen lässt.

The Housemaid. USA 2025. Regie: Paul Feig. Mit Sydney Sweeney, Amanda Seyfried, Brandon Sklenar. 131 Minuten. Ab 16 Jahren

Hausmädchen trifft Hausdrache

Beim Bewerbungsgespräch scheint die Welt noch in Ordnung.

Hausmädchen trifft Hausdrache

Putzen, kochen, Hausarbeiten sind Millies neue Aufgaben in dem betuchten Haushalt.

Hausmädchen trifft Hausdrache

Weitere Szene aus „The Housemaid“

Hausmädchen trifft Hausdrache

Weitere Szene aus „The Housemaid“