Nach Stuttgart-Besuch

„HeidiFest“ auf RTL – „Rocky Horror Picture Show“ mit Heidi Klum?

Dirndl, Stars und Schlager: Nach ihrem Stuttgart-Auftritt polarisiert Heidi Klum mit einer Wiesn-Show aus dem Hofbräuhaus. Sogar von „Tierquälerei“ ist die Rede.

„HeidiFest“ auf RTL – „Rocky Horror Picture Show“ mit Heidi Klum?

„HeidiFest“ im TV: Tom Kaulitz und Heidi Klum auf dem roten Teppich. Gemeinsam mit ihrer Familie und geladenen Gästen eröffnet Klum die Oktoberfest-Saison.

Von Michael Maier

Nach Stuttgart, wo Heidi Klum bei Breuninger gastierte und ihre Jugendliebe wiedergetroffen hatte, nun München: Zwei Tage vor dem offiziellen Fassanstich auf der Theresienwiese ließ es Heidi Klum bereits krachen. Am Donnerstagabend lud das deutsche Supermodel zum zweiten „HeidiFest“ ins ehrwürdige Münchner Hofbräuhaus. Und wer dabei war oder es im TV verfolgte, dem dürfte schnell klar geworden sein: Das Spektakel ist ein Phänomen, über das man reden muss – ob man will oder nicht. Erstmals übertrug nicht ProSieben, sondern RTL die Wiesn-Show – und das in voller Länge zur Primetime von 20.15 bis 22.30 Uhr, parallel kostenlos auf RTL+.

Mit Namen wie Naomi Campbell und Nicole Scherzinger mangelte es jedenfalls nicht an Promis, wobei das Thema Schlager das Publikum bekanntlich so polarisiert wie kaum ein anderes. „Rocky Horror Picture Show“, kommentierte ein User im Facebook-Profil von TV-Moderator Uwe Hübner, der zu Bewertungen aufgerufen hatte. Andere dort fanden es „ziemlich unterhaltsam“ oder sogar „klasse“, wobei insgesamt die negativen Stimmen klar überwiegen.

Kritik an missglückten Playback-Einsätzen

Geschimpft wurde unter anderem über das „Potpourri aus ständig wechselnden Stilrichtungen“ oder über die missglückten Playback-Einsätze von Kultsänger Markus Mörl („Kleine Taschenlampe brenn'“). Die Anwesenheit des von Heidi Klum frisch adoptierten Hündchens „Fritz“ wurde von bestimmten Communitys gar als „Tierquälerei“ kritisiert.

RTL-Ikone Heidi Klum

Für Heidi Klum ist es ein symbolisch aufgeladener Wechsel: 1992 gewann sie beim selben Sender einen Modelwettbewerb und legte damit den Grundstein für ihre internationale Karriere. 34 Jahre später kehrt sie zurück – diesmal nicht als Kandidatin, sondern als Gastgeberin einer eigenen großen Primetime-Show. RTL-Geschäftsführerin Inga Leschek war enthusiastisch: „Mit Heidi Klum kommt eine der größten Entertainment-Persönlichkeiten der Welt zu RTL.“

90er-Nostalgie mit Heidi Klum

900 geladene Gäste im Hofbräuhaus, 24 Musik-Acts – und was für welche. Das Line-up des „HeidiFest 2026“ las sich wie eine Zeitreise durch die letzten fünf Jahrzehnte Unterhaltungsgeschichte, zusammengeworfen in einen Kessel aus Bier, Blasmusik und Bühnennebel.

Schlager-Legenden wie Vicky Leandros, Achim Petry und Ireen Sheer teilten sich die Bühne mit 90er-Eurodance-Größen wie 2 Unlimited, Dr. Alban, Corona, Gala, Snap!, Whigfield und Jenny from Ace of Base. Dazu gesellten sich Popgrößen wie Sarah Engels, Isi Glück und Liz Mitchell von Boney M.

Den vielleicht kuriosesten Programmpunkt des Abends bildete allerdings die angekündigte Weltpremiere: „The True Voices of Milli Vanilli“ mit Linda Rocco, Jodie Rocco und Charles Shaw – also jene Stimmen, die einst im Hintergrund für das berühmte Fake-Duo sangen, traten nun ganz offiziell gemeinsam auf. Surrealer geht's wohl kaum.

Klum-Familie und Promis auf Wiesn-Fest

Neben der Musik sorgte natürlich auch Heidis Familienaufgebot für Gesprächsstoff: Ehemann Tom Kaulitz war ebenso dabei wie Tochter Leni Klum, Sohn Henry Samuel und Mama Erna Klum – das ganze familiäre Wiesn-Paket eben. Und weil's scheinbar nicht ohne Tokio Hotel geht, ließen sich auch Gustav Schäfer und Georg Listing die Sause nicht entgehen. Promi-Gäste wie Bruce Darnell, Anna Ermakova, Caro Daur und Pamela Reif rundeten den Star-Auflauf ab.

Insgesamt schalteten 780.000 Zuschauerinnen und Zuschauer das „HeidiFest“ ein – gerade einmal 10.000 mehr als 2025 bei ProSieben. Der Gesamtmarktanteil lag laut dem Mediendienst dwdl bei 4,0 Prozent. Mit einer Verbesserung auf 280.000 Zuschauer in der Kerngruppe zwischen 14 und 49 Jahren zeigte sich RTL dennoch einigermaßen zufrieden.

Das „HeidiFest“ ist ein TV-Produkt, das auf maximale Zugänglichkeit setzt – auf wiedererkennbare Melodien, auf Stars aus verschiedenen Generationen, auf das gute alte „Wir-feiern-gemeinsam“-Gefühl. Die Mischung aus Schunkeln, Nostalgie-Acts und Blasmusik ist so berechenbar wie Wiesn und Wasen selbst. Man weiß, was man bekommt – Schlager, Stimmung, Sauerkraut. Ob man das goutiert oder nicht, liegt wirklich im Auge des Betrachters. Man kann es auch als eine Art kollektives Lagerfeuer der TV-Community sehen. Als Wiesn- und Wasen-Warm-Up vor dem offiziellen Oktoberfest-Start mag das Format funktionieren. Prost, Heidi!

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„HeidiFest“ im Münchner Hofbräuhaus: Die echten Stimmen hinter dem Pop-Duo Milli Vanilli, Linda Rocco (l-r), Charles Shaw und Jodie Rocco.