Der Iran-Krieg treibt die Preise und damit die Inflation nach oben. Doch nicht nur Erdöl und Erdgas werden zur Mangelware, auch andere wichtige Produkte, die aus den Golfstaaten kommen, werden langsam knapp.
Erdölfässer mit den saudiarabischen Flaggensymbolen bedruckt.
Von AFP/Markus Brauer
Das Problem sind nicht nur Öl und Gas: Der Krieg in Nahost und die Blockade der Straße von Hormus haben Folgen für die Lieferketten vieler Produkte, was wiederum die Befürchtung von Kettenreaktionen befeuert. Welche Bereiche besonders betroffen sind:
Helium für Halbleiter
Die Angriffe auf Ras Laffan in Katar, die weltweit größte Produktionsstätte von Flüssigerdgas (LNG), haben auch die Herstellung von Helium beeinträchtigt. Das Edelgas wird etwa bei der Fertigung von Halbleitern für die Kühlung verwendet. Katar produziert ungefähr ein Drittel des weltweiten Heliums. Andere wichtige Hersteller sitzen in den USA oder Russland.
Das Gas findet auch in anderen Bereichen Verwendung, etwa in der Medizintechnik, der Rüstungsindustrie und der Weltraumforschung. Es kam zum Beispiel beim ersten kommerziellen Flug der europäischen Trägerrakete Ariane 6 im vergangenen Jahr zum Einsatz.
Düngemittel
Die Länder der Golfregion sind wichtige Hersteller von Düngemitteln. Hier wird fast ein Viertel des weltweiten Ammoniaks und Schwefels produziert und ein Drittel des Harnstoffs.
Die Harnstoff-Preise sind nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit Mitte Februar um mehr als 40 Prozent gestiegen. Sollte das so weitergehen, hätte das „negative Auswirkungen auf die Ernteerträge“ und die Lebensmittelpreise im nächsten Jahr, wie die OECD mitteilte.
Schwefel
Schwefel wird nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt, wie die französische Beobachtungsstelle für mineralische Ressourcen in der Industrie (Ofremi) erklärt. 70 Prozent des Schwefels, der hauptsächlich als Abfallprodukt der Erdölraffination gewonnen wird, dient zur Herstellung von Schwefelsäure.
Sie ist unentbehrlich für die Produktion von Phosphatdünger, aber auch für Batterien, E-Autos und die Gewinnung von Kupfer und Nickel. „Ersatzmöglichkeiten? Quasi keine“, erklärt Ofremi.
Ausgangsmaterialien für Kunststoffe
Der Krieg beeinträchtigt auch die Lieferketten für Naphtha und Ethylen, die etwa in der Plastikproduktion gebraucht werden. Die Stoffe entstehen als Beiprodukte beim Raffinieren von Erdöl und dienen als Ausgangsstoffe für Polymere, aus denen Kunststoffe, Synthetikfasern und chemische Produkte hergestellt werden. Die Golfstaaten sind zudem wichtige Exporteure von Polyethylen, das in Verpackungsmaterialien bis hin zu Rohrleitungen enthalten ist.
Aluminium
Zwischen acht und neun Prozent der weltweiten Aluminiumherstellung entfallen nach Angaben des Branchenverbands International Aluminium Institute auf die Golfregionan. Die Produktionsstätten der Region seien auf Importe von Rohstoffen wie Aluminiumoxid angewiesen und hätten recht geringe Vorräte, erläutert die Rohstoffspezialistin Ewa Manthey von der ING-Bank. Das mache sie störanfällig bei Problemen der Schifffahrt.
Ein weiteres Problem: „Sobald die Elektrolyseanlagen abgeschaltet sind, kann es sechs bis zwölf Monate dauern, bis sie wieder in Betrieb genommen werden können“, ergänzt. „Die Versorgungsengpässe könnten auch dann bestehen bleiben, wenn sich die geopolitische Lage verbessert.“
Energieintensive Industrien
Industriezweige wie die Chemieindustrie sind auf Rohstoffe angewiesen und zudem sehr energieintensiv. Die chemische Industrie reagiert besonders empfindlich auf steigende Gaspreise, die einen großen Anteil der variablen Kosten der Unternehmen ausmachen.
Der Chemiekonzern BASF verteuerte im Zuge des Iran-Kriegs bereits viele Vorprodukte etwa für die Kosmetikindustrie oder die Wasch- und Reinigungsmittelproduktion.
„Je länger die Krise andauert, desto stärker werden die Auswirkungen spürbar sein“, sagt Axel Eggert, Generaldirektor von Eurofer. Der Verband vertritt die Interessen der Stahlhersteller, die ebenfalls viel Energie benötigen.