Ein 76-Jähriger ist am Samstag im Stuttgarter Rotwildpark ums Leben gekommen. Ein schwerer Ast war von einem Baum herabgefallen und traf den Spaziergänger. Seine Frau wurde leicht verletzt. Die Familie steht unter Schock.
Nach dem tödlichen Unglück ist der Fuß- und Radweg, der am Schnitzhaus vorbei Richtung Bernhardsbach führt, gesperrt.
Von Christine Bilger
Stuttgart - Am Sonntagmorgen warnt ein Schild – auf Deutsch und Englisch – im Rotwildpark vor der Gefahr: „Achtung! Akute Astbruchgefahr“ steht darauf. Es ist der Tag nach einem tödlichen Unglück, bei dem ein 76 Jahre alter Mann ums Leben kam. Seine Familie steht unter Schock: Er war zusammen mit seiner 75-jährigen Ehefrau und seinem Sohn unterwegs. Ein Astbruch ist die Ursache - auf einer Lichtung an einem Weg im Rotwildpark zwischen dem Parkplatz Solitudetor und dem Bärenschlössle. Die Familie hatte sich offenbar am Rande der Lichtung beim historischen Schießhaus niedergelassen, als der Ast abbrach.
Die Feuerwehr barg den Toten
Der Unfall geschah gegen 16.10 Uhr am Samstag. Zu dieser Zeit sei der Notruf in der Leitstelle eingegangen, sagt der Feuerwehrsprecher Daniel Anand. Als die Rettungskräfte ankamen, sei es jedoch schon zu spät gewesen. „Der Mann war bereits tot“, sagt der Sprecher. Die Feuerwehr barg den Toten. Dazu mussten Astteile entfernt werden, die herabgefallen waren. Entgegen erster Meldungen war kein ganzer Baum umgefallen, so der Feuerwehrsprecher. Lediglich ein Teil sei abgebrochen. Die 75-jährige Ehefrau sei bei dem Unglück nur leicht verletzt worden.
Die Absperrungen am Tag darauf sollen Besucherinnen und Besucher des beliebten Naherholungsgebietes davon abhalten, in den betroffenen Bereich zu gehen, falls noch weitere Äste von dem vermutlich morschen Baum oder anderen Bäumen herabfallen. Nach Informationen unserer Redaktion war der Weg zu der Lichtung, auf der das Unglück geschah, am Samstag nicht gesperrt gewesen. Der Weg führt von der geraden Hauptverbindung, die beim Bärenschlössle an den Seen endet, zum historischen Schießhaus, das auch als Schnitzhaus bekannt ist: Dort trifft man sich regelmäßig zum Holzschnitzen in der Natur.
Auf Videoaufnahmen vom Unfallort ist der Baum zu sehen, von dem der Ast offenbar stammte. Er hat noch Äste mit grünem Laub. An der Abbruchstelle des heruntergefallenen Astes sieht man dunkles Material im Inneren des Baumes. Zum Zustand des Laubbaumes haben Polizei und Feuerwehr noch keine Erkenntnisse mitgeteilt. Das sei nun Gegenstand der weiteren Ermittlungen.
Der Unfall erinnert an einen Fall aus dem Jahr 2013, der aber nicht tödlich endete. Damals stürzte Ende Oktober ein etwa sieben Meter hoher Baum um und traf auf eine Parkbank am Bärensträßle im Rotwildpark, auf der zwei Frauen saßen. Sie wurden schwer verletzt. Eine war sogar zunächst ohne Bewusstsein. Beide überlebten den gefährlichen Zwischenfall im Spätherbst aber. Der Baum war damals untersucht worden – sowohl vor als auch nach dem gefährlichen Zwischenfall. Die zuständigen Forstleute hatten damals festgestellt, dass von ihm keine Gefahr anzunehmen war. Zum einen hatte der Baum noch grünes Laub, sah also gesund aus. Zum anderen stand er 15 Meter von der Bank entfernt.
Regelmäßige Baumkontrollen
Das Forstamt bestätigte damals, dass Bäume regelmäßig auf ihre Standfestigkeit untersucht werden, wenn sie in der Nähe der viel genutzten Wege im Wald stehen. Rein rechtlich besteht grundsätzlich keine Verkehrswegesicherungspflicht im Wald. Das hat der Bundesgerichtshof im Jahr 2012 entschieden. Rund um viel frequentierte Orte muss aber schon darauf geachtet werden. Die Vorsichtsmaßnahmen trifft das Forstamt im Wald, der im Rotwildpark dem Land gehört. Entlang von Straßen müssen Bäume regelmäßig kontrolliert werden.
Dennoch kommt es auch an Straßen immer wieder zu Zwischenfällen. In Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) starb Mitte März ein 55 Jahre alter Autofahrer, weil ein Baum auf seinen Wagen fiel. Der Baum, der auf einem Grünstreifen am Straßenrand stand, stürzte zwischen Kleinhegnach und Neustadt auf die Fahrbahn. Der Mann wurde schwer verletzt und in seinem Auto eingeklemmt.
Im Mai 2020 war ein Baum im Stuttgarter Osten auf ein Auto gefallen. Der Wagen war zum Glück leer, er war an der Waldebene Ost geparkt. Ende November 2016 war eine Gruppe, die zu einem Junggesellinnenabschied gehörte, beinahe von einem Baum getroffen worden, der am Feuersee im Stuttgarter Westen umstürzte. Die Trauerweide hatte Wurzelfäule – diese sei für Fachleute nicht zu erkennen. Der Baum war erst wenige Monate zuvor kontrolliert worden.