Johnny Somali

Influencer in Südkorea zu Haftstrafe verurteilt

Ein US-amerikanischer Livestreamer ist in Südkorea zu einer Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er mit provokanten Aktionen an einer Gedenkstatue für Empörung gesorgt hatte.

Influencer in Südkorea zu Haftstrafe verurteilt

YouTuber Johnny Somali, gebürtig Ismael Ramsey Khalid, muss in Südkorea ins Gefängnis.

Von Katrin Jokic

Der 25-jährige Johnny Somali, mit bürgerlichem Namen Ismael Ramsey Khalid, muss für sechs Monate ins Gefängnis. Die Behörden in Seoul hatten den Influencer bereits im November 2024 wegen öffentlicher Ruhestörung angeklagt. Das berichtet unter anderem die BBC.

Auslöser war ein Video, in dem Khalid während eines Aufenthalts in Südkorea eine Statue küsste und vor ihr anzügliche Tänze aufführte. Die Skulptur erinnert an die sogenannten „Trostfrauen“ – Frauen, die im Zweiten Weltkrieg zur Prostitution für japanische Soldaten gezwungen wurden. Seit den Vorfällen durfte Khalid das Land nicht mehr verlassen.

Ein Gericht in Südkorea befand ihn nun in mehreren Punkten für schuldig, darunter öffentliche Ruhestörung und die Verbreitung sexueller Deepfakes. Laut übereinstimmenden Medienberichten erklärte das Gericht, der Angeklagte habe wiederholt Straftaten gegenüber der Öffentlichkeit begangen, um Einnahmen über YouTube zu erzielen und dabei bewusst gegen koreanisches Recht verstoßen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich eine Haftstrafe von drei Jahren gefordert. Das Gericht verhängte jedoch eine deutlich mildere Strafe und verwies dabei auf das Fehlen schwerwiegender Schäden für konkrete Opfer.

Zusätzlich wurde Khalid untersagt, nach seiner Entlassung mit Organisationen zu arbeiten, die mit Minderjährigen oder Menschen mit Behinderungen zu tun haben.

Der YouTuber ist für provokante Inhalte bekannt und wurde bereits von mehreren Plattformen gesperrt. Auch in anderen Ländern fiel er durch aggressives Verhalten auf. So wird ihm vorgeworfen, Menschen in Japan und Israel belästigt zu haben. In Japan sorgte er unter anderem mit geschmacklosen Kommentaren zu den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki für Empörung. Zudem wurde er dort zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er in einem Restaurant den Betrieb gestört hatte.

In Israel wurde Khalid Anfang 2024 bei einer Demonstration kurzzeitig festgenommen, nachdem er eine Polizistin unangemessen angesprochen hatte. Auch in Südkorea kam es während der laufenden Ermittlungen zu weiteren Zwischenfällen: In sozialen Netzwerken kursierten Videos, in denen der YouTuber Passanten provozierte und zu körperlichen Auseinandersetzungen herausforderte.

Die Statue, an der Khalid seine umstrittene Aktion ausführte, steht stellvertretend für das Schicksal von schätzungsweise 200.000 Frauen aus verschiedenen asiatischen Ländern, die während des Zweiten Weltkriegs zur Prostitution gezwungen wurden. Viele von ihnen stammten aus Korea, andere aus China, den Philippinen, Indonesien oder Taiwan. Die Gedenkfiguren sind in Südkorea weit verbreitet und gelten als Symbol für die Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte. Immer wieder führen sie auch zu diplomatischen Spannungen mit Japan.

Khalid selbst hatte sich nach Veröffentlichung des Videos entschuldigt und erklärt, er habe die Bedeutung der Statue nicht verstanden. Viele Beobachter äußerten jedoch Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieser Aussage.