Ideenklau bei Instagram?

Influencerin Yules aus Stuttgart keilt gegen Kollegin

Hat eine Reise-Influencerin bei Kollegin Yules abgekupfert? Zwei Creator aus Stuttgart streiten darüber, wie viel Inspiration erlaubt ist – und ab wann Ideen geklaut sind.

Influencerin Yules aus Stuttgart keilt gegen Kollegin

Reise-Influencerin Yules aus Stuttgart wirft einer Creator-Kollegin vor, Ideen für TikTok- und Instagram-Videos geklaut zu haben.

Von Jörg Breithut

Nach vier Jahren ist Yules der Kragen geplatzt. Zu oft habe die Stuttgarterin mit anschauen müssen, wie ihre Videos abgekupfert werden. In einem Video bei TikTok und Instagram beklagt sich die Reise-Influencerin nun öffentlich darüber, dass eine Creator-Kollegin aus dem Kessel ihre Ideen geklaut habe und ihren Followern ganz ähnliche Videos präsentiere.

Am Karfreitag hat die 30-Jährige ein Video online gestellt, bei dem sie erst einmal tief durchatmen muss. „Ich habe jetzt vier Jahre lang geschwiegen“, sagt Yules in dem Clip. Eigentlich wolle sie immer noch nichts dazu sagen, aber schweigen wolle sie nun auch nicht mehr. „Deswegen lasse ich einfach Fakten sprechen“, sagt die Influencerin, die mit bürgerlichem Namen Yulia Slavinskaya heißt.

Mit ihren Clips erreicht Yules ein Millionenpublikum. Knapp 450.000 Follower hat sie bei TikTok, rund 370.000 bei Instagram. Etwa zwei Millionen Mal ist einer der bekanntesten Clips abgespielt worden, der Yules zeigt, wie sie mit Ed Sheeran scharfe Currywurst in Stuttgart probiert. Auch mit Anke Engelke hat Yules bereits geplaudert zum Auftakt der Deutsche-Bahn-Werbeserie. Meistens geht es in ihren Videos aber um Reisetipps und Restauranttests. Und genau bei diesen Tipps fühlt sich Yules kopiert – und zwar von einer der Influencerin Jasmin Rasmussen, die ebenfalls in Stuttgart wohnt.

Ausflug zur Keksbäckerei: Ist die Idee geklaut?

Auf ihrem Account UnterwegsMitJasmin präsentiert Rasmussen ihren etwa 120.000 Fans bei TikTok und rund 260.000 Followern bei Instagram ein ganz ähnliches Programm. Sie kostet Schnitzel-Bowls in Stuttgart, reist mit genügend Bargeld nach Thailand und schaut sich eine Keksbäckerei in Amsterdam an. Wenn es nach Yules geht, dann hat Rasmussen viele Ideen bei ihr abgekupfert.

Mit ihrem Kritikvideo will Yules nachweisen, dass ihre Ideen systematisch plagiiert werden. Sie zeigt unter anderem alte Clips, in denen sie dieselbe Keksbäckerei besucht, teuren Aperol Spritz trinkt, fünf Reisetipps für Amsterdam auflistet und sich in einem Auto-Themenhotel in ein Bett mit Auto-Karosserie-Design wirft.

Kurz darauf folgen Gegenschnitte mit Videos von Rasmussen, die auch fünf Reisetipps gibt für Amsterdam und ebenfalls teuren Aperol Spritz im gleichen Café trinkt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an Ein Beitrag geteilt von Yules food, fits & travel (@thisisyules)

Teilweise verwendet Rasmussen fast wortgleiche Aussagen, wie etwa: „Rätsel: In welcher Stadt bin ich heute“, „Das ist der teuerste Aperol Spritz meines Lebens“ oder „Bares ist Wahres“, als es um Bargeld bei den Thailand-Tipps geht. Yules sagt in dem Video, dass es über einen langen Zeitraum aus ihrer Sicht immer wieder sehr enge Überschneidungen mit ihrer Arbeit gegeben habe. „Das macht wütend.“ Zwei Millionen Mal ist der Clip bei Instagram bereits angeschaut worden.

Rasmussen reagiert gelassen auf die Vorwürfe. „Ich nehme die Kritik an“, teilt sie bei Instagram mit. „Es war nie meine Absicht, dass es so wirkt, als wäre es kopiert.“ Allerdings sei sie überrascht von der harschen Kritik. Anhand von ein paar Videos die „gesamte Arbeit als Kopie zu bezeichnen und die anderen über 985 Beiträge außen vor zu lassen, finde ich nicht richtig“, schreibt Rasmussen.

Tatsächlich ist Yules längst nicht die einzige Influencerin, die über die niederländische Keksbäckerei berichtet. Tausende Bilder und Videos über Van Stapele kursieren in den sozialen Netzwerken. Auch ihre Reisetipps für Thailand-Touristen sind alles andere als exklusiv. Das sieht auch Rasmussen so, die sagt, dass es immer wieder Überschneidungen gebe, wenn man „in derselben Nische unterwegs ist“.

Yules wählt den offenen Konflikt

Yules lässt sich damit nicht abspeisen. Sie habe Rasmussen zuvor mehrmals angeschrieben, um die Sache zu klären, sagt sie. Doch da es trotz der Versuche, den Konflikt direkt zu klären, immer wieder neue Videos gegeben habe, die an Yules Clips angelehnt gewesen seien, habe sie „weitere Gespräche als für nicht mehr sinnvoll erachtet“. Eine öffentliche Auseinandersetzung habe Yules nicht gewollt – und dennoch den offenen Konflikt über TikTok und Instagram gewählt.

Rasmussen hat auf eine Anfrage unserer Redaktion nicht geantwortet, zeigt sich in einer Instagram-Story aber enttäuscht, dass der Konflikt im Netz ausgetragen wird.. „Ich finde es schade, dass das Ganze gerade so öffentlich und negativ geworden ist, weil ich grundsätzlich für ein respektvolles Miteinander auf Social Media stehe.“ Sie wolle sich nun wieder auf ihre eigenen Inhalte konzentrieren.

Auch Yules scheint es erst einmal bei einem Kritikvideo zu belassen. „Ich möchte mich zum jetzigen Zeitpunkt öffentlich nicht weiter zu dem Thema äußern und die Angelegenheit nicht weiter in der Öffentlichkeit austragen“, teilt die Influencerin auf Anfrage unserer Redaktion mit.