Ärger für AfD-Spitzenmann

Jetzt auch Vorwürfe wegen Frohnmaiers Büroleiter

In der Vetternwirtschaftsaffäre hat Markus Frohnmaier alle Hände voll zu tun. Jetzt muss er sich für sein eigenes Personal rechtfertigen – allerdings aus einem anderen Grund.

Jetzt auch Vorwürfe wegen Frohnmaiers Büroleiter

Im aktuellen Wahlkampf gibt sich Markus Frohnmaier betont gemäßigt.

Von Eberhard Wein

In der so genannten Vetternwirtschaftsaffäre steht der baden-württembergische Spitzenmann Markus Frohnmaier schon unter Druck. Seine Ehefrau, sein Adoptivvater und seine Schwester sind bei anderen AfD-Bundestagsabgeordneten beschäftigt oder waren es. Jetzt gerät auch die Besetzung seines eigenen Wahlkreisbüros in den Fokus. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ beschäftigt Frohnmaier dort kein Familienmitglied, aber ein ehemaligen Aktivisten der rechtsextremen „German Defence League“ (G-DL).

Auf einer Internetseite der islamfeindlichen und gewaltbereiten Organisation werde der Mann im Jahr 2011 als „Divisionsleiter Karlsruhe“ gelistet. Jetzt sei Daniel S. Leiter des Weil der Städter Wahlkreisbüros, berichtet das Blatt. Im aktuellen Wahlkampf gibt sich Frohnmaier betont gemäßigt.

Frohnmaier: „War nie Mitglied der German Defence“

Die Anstellung des G-DL-Aktivisten kommt nach dieser Darstellung nicht von ungefähr. Denn womöglich kennen sich die Männer aus gemeinsamen Zeiten. Auch Frohnmaier soll auf der inzwischen abgeschalteten Internetseite der German Defence gelistet gewesen sein. Unter seinem zweiten Vornamen Cornel sei er als Gruppengründer und Ansprechpartner für „Allgemeines“ genannt worden, berichtete schon vor zehn Jahren die „Badische Zeitung“. In einem Rechercheteam zusammen mit dem Politmagazin „Frontal 21“ hatte die Zeitung laut eigener Darstellung eine direkte Verbindung zu Frohnmaiers Facebook-Account nachweisen können.

Auch im AfD-Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz aus dem Jahr 2019 wird Frohnmaier mit der German Defence League in Verbindung gebracht. Er selbst wies den Vorwurf allerdings schon 2016 zurück. Gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ betonte er jetzt erneut, niemals Mitglied der G-DL gewesen zu sein. Auch Daniel S., der seit 2019 in Frohnmaiers Büro arbeitet und 2024 für die AfD erfolglos bei der Böblinger Kreistagswahl angetreten war, erklärte, kein Mitglied der Gruppierung gewesen zu sein.

Nach wie vor enge Russlandkontakte?

Die German Defence League wurde 2010 gegründet und orientiert sich an der britischen Organisation English Defence League. Sie agiert als loses Netzwerk mit etwa 100 festen Anhängern und wird seit 2013 vom Verfassungsschutz beobachtet. Die GDL protestiert gegen Islamisierung, organisiert Straßenmärsche und rekrutiert ihre Mitglieder auch im Hooligan-Milieu. Zudem verfügt sie über Kontakte zur Identitären Bewegung. In der Vergangenheit kam es auch zu Krawallen und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Salafisten.

Wie die „Süddeutsche Zeitung“ weiter berichtet, unterhält Frohnmaier zudem weiterhin Kontakte in prorussische Netzwerke. Das hatte er zuletzt mehrfach zurückgewiesen. Doch ein früherer Vorsitzender des von ihm 2016 mitgegründeten Vereins „Deutsches Zentrum für Eurasische Studien“ soll laut der Zeitung bis vor Kurzem als „Koordinierungsreferent“ in der AfD-Bundestagsfraktion gearbeitet haben. Der Verein war für seine Nähe zu prorussischen Akteuren und dubiose Wahlbeobachtungsreisen bekannt und wurde inzwischen aufgelöst. Zu den aktuellen Personalvorwürfen äußerte sich Frohnmaier laut Bericht nicht.