Kampf um Flächen in der Region

Auf wenig Raum ist vieles unterzubringen. Die Region Stuttgart erklärt Raumplanung spielerisch in einer Ausstellung.

Von Christian Milankovic

Stuttgart - Auf dem Papier sieht es nicht nach einem unlösbaren Problem aus – ist aber bei einem näheren Blick doch eine vertrackte Sache. Der Fachmann spricht von Raumplanung, wenn der Frage nachgegangen wird, welcher Nutzung wie viel Platz eingeräumt werden soll. Dass man sich diesem vorderhand eher sperrigen Thema auch spielerisch nähern kann, zeigt der Verband Region Stuttgart aktuell in einer sehenswerten Ausstellung im Stadtpalais am Stuttgarter Charlottenplatz.

Die Region Stuttgart erstreckt sich über die Fläche der Landeshauptstadt und der Landkreise Göppingen, Esslingen, Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr. Auf 3654 Quadratkilometer summiert sich die Fläche und damit auf eine Größe, die knapp anderthalb Mal der des Saarlandes entspricht. Wer sich aber im Detail mit den zahlreichen Nutzungsanforderungen befasst, dem schrumpft das Flächenangebot unter den Fingern weg. In der Ausstellung „Auf die Fläche, fertig, los!“, die noch bis Sonntag, 10. Mai, zu sehen ist, wird das an einem Exponat besonders deutlich.

Der Aufbau ist simpel: Auf einem großen Monitor sind Kacheln mit den fünf Nutzungsarten Mobilität, Wohnen, Wirtschaft, Klima und Landschaft zu sehen. Über Druckknöpfe kann der Nutzer nach eigenem Belieben die Flächen neu zuteilen, Areale einer Nutzung entziehen und sie einer anderen zuschlagen. Am Schluss wird abgerechnet: Bekommt ein Aspekt ein starkes Übergewicht, leiden die anderen. Die Nahversorgung ist nicht mehr sichergestellt, wenn die Landwirtschaft hinten runterfällt; gibt es zu viele Äcker und Wiesen, fehlt es der Wirtschaft an Entwicklungsmöglichkeiten. Liegt der Fokus zu stark auf der Erholung, wird das Wohnangebot zu knapp. Über eine Ampellogik wird dem Hobby-Planer signalisiert, ob er sich noch im grünen Bereich bewegt.

Auf weiteren Monitoren und Schaubildern bekommen die Besucher eine Vielzahl von Fakten über die Region geliefert. Beim Thema Mobilität ist eindrucksvoll visualisiert, wie stark die Pendlerströme ausgeprägt sind, beim Aspekt Wohnen wiederum , wie stark der Neubau hinter den Bedürfnissen hinterherhinkt. Das Ziel der Ausstellungsmacher, komplexe Sachverhalte möglichst eingängig zu präsentieren, wird erreicht.

„Es ist schwierig, die verschiedenen Themen unter einen Hut zu bringen“, sagte Regionaldirektor Alexander Lahl. Raumplanung sei nie einfach und kreise um die Frage: „Wie gestalten wir die Region miteinander?“ Rainer Wieland, Vorsitzender der Regionalversammlung, lobte die Ausstellung, der es gelingt, „Raumplanung, die nie einfache Lektüre und immer trockener Stoff ist“, anschaulich zu machen. Und für Christian Schneider, Ministerialdirektor und Amtschef im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg, gibt die Schau „einen Einblick in den Maschinenraum der Planung“. Dass der Kampf um die Fläche zäh sein kann, hat sich in der Vergangenheit gezeigt, als die Region Pläne für Standorte vorstellte, an denen Windkraftanlagen oder Freiflächen-Photovoltaikanlagen möglich sein soll. Auch bei der Frage, wo neue Verkehrswege entstehen können, sei es Straße oder Schiene, wird schnell Widerspruch laut.

Die Schau, die auch Teil der Langen Nacht der Museen am 21. März ist, soll nach dem Gastspiel im historischen Gebäude am Charlottenplatz auf Tour gehen und in weiteren Städten und Gemeinden in der Region zu sehen sein.