Der von Trump als neuen Chef der US-Notenbank Fed nominierte Kevin Warsh hat heute mit der Anhörung im Bankenausschuss des US-Senats seinen ersten wichtigen Test. Alles Wichtige im Überblick.
Kevin Warshs Nominierung als Fed-Chef sorgt für Spannungen: Politische Blockaden, Ermittlungen und Machtkämpfe um die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Von Matthias Kemter
Der von Präsident Donald Trump nominierte Kevin Warsh muss sich heute einer kritischen Anhörung des Bankenausschusses des US-Senats stellen. Die Sitzung ist angesetzt für 10 Uhr ET (16 Uhr deutscher Zeit). Warshs Vermögensverhältnisse, frühere Berufsverbindungen und seine Positionen zur Geldpolitik stehen im Mittelpunkt.
Die Anhörung und die politischen Hürden
Die heutige Anhörung gilt als erste große Prüfung für Warshs Nominierung. Er hat angekündigt, die Unabhängigkeit der Notenbank zu verteidigen und sich dem Kampf gegen die Inflation verpflichtet zu zeigen. Dennoch sieht er sich in der Senatsbefragung mit kritischen Fragen zu Vermögen, Geschäftsbeziehungen und auch zu Berichten über frühere Kontakte konfrontiert. So monierte bereits zuvor Senatorin Elizabeth Warren eine mangelnde Transparenz in den Offenlegungsformularen Warshs.
Auch politisch drohen Blockaden. Der republikanische Senator Thom Tillis hat erklärt, die Bestätigung zu blockieren, solange eine Untersuchung gegen den amtierenden Fed‑Chef Jerome Powell läuft. Er hält die Personalie Warsh zwar für eine qualifizierte Nominierung, betonte aber, dass "der Schutz der Unabhängigkeit der Federal Reserve vor politischer Einmischung nicht verhandelbar sei". Hintergrund ist die Anfang 2026 von der Trump-Administration eingeleitete Untersuchung über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der Renovierung von Fed-Gebäuden. Der Fall gilt als politisch motiviert.
Es droht eine Patt-Situation
In der vergangenen Woche forderten bereits alle elf demokratischen Ausschussmitglieder, die Anhörung von Warsh zu verschieben, bis die "haltlosen Untersuchungen" gegen Fed-Chef Powell und Fed-Gouverneurin Lisa Cook beendet sind. Sie betrachten Warshs Nominierung als "Bestandteil der umfassenderen Bestrebungen der Trump-Regierung, die Kontrolle über die Fed zu erlangen".
Wer ist Kevin Warsh?
Kevin Warsh, 55 Jahre alt, war von 2006 bis 2011 Mitglied im Board of Governors der Federal Reserve und fungierte dort als Verbindungsmann zu Wall Street. Zuvor arbeitete er als Investmentbanker bei Morgan Stanley. In seiner Zeit bei der Fed half er bei der Koordination des Verkaufs von Bear Stearns (Investmentbank) an JPMorgan. Gleichzeitig fiel die Entscheidung, Lehman Brothers nicht zu stützen. Er trat 2011 zurück, nachdem er sich öffentlich gegen einen Plan zu Anleihenkäufen über 600 Milliarden US‑Dollar ausgesprochen hatte. Privat ist Warsh mit Jane Lauder verheiratet und steht damit in Verbindung zur Familie Estée Lauder. Sein Vermögen wird auf über 100 Millionen Dollar geschätzt.
Symbolfigur Powell
Jerome Powell könnte über das reguläre Ende seiner Amtszeit Mitte Mai hinaus Fed-Chef bleiben, sollte die Bestätigung seines Nachfolgers Kevin Warsh im Senat bei einem 12:12-Ergebnis ausstehen. Powell hat angekündigt, bis zum Abschluss der Untersuchung im Amt zu bleiben. Selbst bei einer erfolgreichen Nominierung Warshs könnte das für eine heikle Konstellation sorgen. Bisher war es üblich, dass abgewählte Fed-Chefs anschließend auch als einfaches Mitglied zurücktreten. Jerome Powell hat dies allerdings nicht vor, so lange die "Untersuchungen nicht vollständig, transparent und endgültig abgeschlossen sind". Da Powells Amtszeit als einfaches Mitglied noch bis zum 31. Januar 2028 weiter läuft, würde Powell damit verhindern, dass die Trump-Regierung einen weiteren wichtigen Sitz im Rat besetzen kann. Vergangene Woche drohte Trump damit Powell zu entlassen, wenn er dies tun sollte.
Was das für die Zinsen bedeutet
Auch wenn der Fed‑Vorsitz eine mächtige Position ist, kann der Vorsitzende nicht allein über Zinssenkungen entscheiden. Das geldpolitische Gremium besteht aus zwölf stimmberechtigten Mitgliedern. Beobachter verweisen darauf, dass Warsh zwar die Agenda beeinflussen kann, aber Konsens innerhalb des Ausschusses nötig ist. Zuletzt signalisierten Fed‑Vertreter Zurückhaltung bei frühen Zinssenkungen, da Unsicherheit über Inflationsrisiken, unter anderem infolge geopolitischer Spannungen, besteht.