Die Kosten für ein bestimmtes Krebsmittel haben die deutschen Krankenkassen allein im Jahr 2025 mit mehr als zwei Milliarden Euro belastet. Laut Recherchen von „Spiegel“ und ZDF ist das deutlich zu viel.
Ein Fläschen des Krebsmedikaments Keytruda, das Pembrolizumab enthält, ein zur Immuntherapie eingesetzten monoklonalen Antikörper.
Von Markus Brauer/KNA
Das umsatzstärkste Medikament der Welt, das Krebsmittel Keytruda, wird laut Berichten von „Spiegel“ und ZDF zu einem deutlich überhöhten Preis verkauft. Das habe der internationale Krankenversicherungsverband AIM für ein gemeinsames Rechercheprojekt ausgerechnet.
Demnach bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen derzeit 2039,27 Euro für 100 Milligramm des Arzneimittels. Ein fairer Preis läge laut den Berechnungen aber bei lediglich 40 Euro. Darin enthalten seien bereits die Forschungs- und Entwicklungskosten sowie eine Rendite von acht Prozent.
Kassen zahlten 2025 mehr als zwei Milliarden
Keytruda ist ein Präparat des US-Herstellers Merck Sharp & Dohme (MSD) und wird häufig als „Gamechanger“ in der Krebstherapie bezeichnet. Allein in Deutschland zahlten die gesetzlichen Krankenkassen 2025 mehr als zwei Milliarden Euro dafür.
MSD begründet den hohen Preis mit Forschungs- und Entwicklungskosten von nach eigenen Angaben 44 Milliarden US-Dollar (rund 37,7 Milliarden Euro) – davon 30 Milliarden für interne Entwicklung und 14 Milliarden für Forschungskooperationen.
Die Schweizer Organisation Public Eye kommt mit ihren Berechnungen nach Angaben von „Spiegel“ und ZDF auf lediglich rund 4,8 Milliarden Dollar, inklusive eines Risikoaufschlags für gescheiterte Projekte. Dem stehe seit der US-Marktzulassung im Jahr 2014 ein kumulierter Umsatz von 163 Milliarden Dollar (rund 139,5 Milliarden Euro) gegenüber.
Was ist Keytruda?
Keytruda enthält den Pembrolizumab, ein zur Immuntherapie eingesetzter monoklonaler Antikörper. Dieses hochwirksames Krebsmedikament des US- Herstellers Merck/MSD gehört zur Gruppe der Immuntherapeutika gehört. Es gilt derzeit als eines der umsatzstärksten Medikamente weltweit.
Im Gegensatz zu einer klassischen Chemotherapie – Behandlung von Krebs mit Zytostatika, die das Wachstum von Krebszellen im gesamten Körper hemmen oder diese abtöten – greift Keytruda die Tumorzellen nicht direkt an. Es ist ein sogenannter Checkpoint-Inhibitor – Arzneistoffe aus der Gruppe der Checkpoint-Modulatoren, die sogenanmnte Immun-Checkpoints hemmen.
Wie wirkt das Medikament?
Krebszellen nutzen oft Signalwege, um das Immunsystem zu umgehen und auszuschalten, um sich so den T-Zellen des Körpers zu verstecken. T-Zellen – sogenannt T-Lymphozyten – sind spezialisierte weiße Blutkörperchen des Immunsystems. Sie erkennen infizierte Körperzellen oder Tumoren und vernichten diese.
Keytruda blockiert diesen Schutzmechanismus, sodass das eigene Immunsystem den Tumor wieder erkennen und bekämpfen kann.
Wofür wird Keytruda angewendet?
Das Medikament ist für eine Vielzahl von Krebsarten zugelassen, oft wenn diese bereits fortgeschritten oder metastasiert sind:
Was kostet die Therapie?
Eine einzelne Durchstechflasche kann über 2500 Euro kosten. Aufgrund der hohen Preise und der breiten Anwendung belastet es die Gesundheitssysteme erheblich. In Deutschland stiegen die Kosten zuletzt auf über zwei Milliarden Euro jährlich.
Wer übernimmt die Kosten?
In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für zugelassene Indikationen. Die Kosten hängen stark von der Dosierung und der Dauer der Behandlung ab:
Der hohe Preis von Keytruda steht regelmäßig in der öffentlichen Kritik, da er Gesundheitssysteme weltweit finanziell stark belastet. Aktuelle Berichte bezeichnen das Medikament aufgrund seiner hohen Umsätze und Kosten sogar als potenziellen „Systemsprenger“ („Spiegel“) für Krankenkassen.