Der Brand auf dem Frachtschiff „Fremantle Highway“ droht zu einem Desaster für BMW zu werden. Elektro-BMW löste den Brand aus.
Im Sommer 2023 geriet der Frachter „Fremantle Highway“ nördlich der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland in Brand.
Von Helmut Hetzel
Der Brand auf dem Frachtschiff „Fremantle Highway“ vor der niederländischen Küste in 2023 zieht immer weitere Kreise. Er droht zu einer BMW-Affäre und zu einem Albtraum für den renommierten Münchner Automobilhersteller zu werden.
Die Stiftung „Free the Fremantle BMWs,“ löste mit ihren Recherchen nun eine Klagewelle gegen BMW aus. Gegründet wurde sie von Rotterdamer Unternehmern, in deren Besitz 260 BMW sind, die ihrer Meinung nach den Brand auf dem Frachter unbeschadet überstanden hatten.
Durch diese Recherchen wurde im vergangenen Monat der geheime Untersuchungsbericht des niederländischen „Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV)“ öffentlich. Daraus geht hervor, dass das Feuer auf der Fremantle Highway in einem elektrischen BMW-7-Modell auf Deck 8 des Schiffes ausgebrochen war. Enthüllt wurde dies von der niederländischen Zeitung „Dagblad van het Noorden.“
Schiffseigner geht gegen BMW vor Gericht
Für den japanischen Schiffseigner der „Freemantle Highway“ war dies Grund genug, BMW für das Unglück haftbar zu machen. Die Reederei forderte am 14. November vor Gericht in Rotterdam 44,1 Millionen Euro Schadensersatz. Die Japaner haben außerdem Rolls-Royce haftbar gemacht, da diese die Motoren für BMW liefern. Nun wollen weitere Parteien BMW verklagen, darunter auch einen Mercedes-Händler in Brunei. Diese Parteien wollen sich an dem Rechtsstreit beteiligen, den der japanisch Schiffseigner bereits gegen BMW angestrengt hat.
Sie wollen als eigene, selbstständige Partei Klage erheben. Falls dies nicht möglich sein sollte, wollen sie sich der Klage der Schiffseigner anschließen. Außerdem beantragten sie Einsicht in alle Prozessunterlagen, die Erstattung ihrer bisherigen Prozesskosten sowie einen Termin, an dem sie ihre Position vor Gericht darlegen könnten.
Erster Prozess um den Frachter geht in Berufung
Das Haager Gericht wies diesen Antrag jedoch ab. Begründung: Die an der Fracht beteiligten Parteien hätten kein direktes, ausreichendes Interesse. Dagegen legten die an der Fracht der „Freemantle Highway“ beteiligten Parteien nun Berufung ein. Sie beantragten beim Berufungsgericht, die bisherige Gerichtsentscheidung aufzuheben. Sie wollten direkt an dem Verfahren teilnehmen. Außerdem verlangen sie, dass BMW und die Schiffseigner ihre Prozesskosten in beiden Instanzen samt gesetzlicher Zinsen tragen.
BMW hat bereis eine Forderung von 44,1 Millionen Euro am Hals, weil das Unternehmen als Verursacher des Brandes auf der „Fremantle Highway“ gesehen wird. Die japanischen Eigentümer und Versicherer des Unglücksschiffes verlangen diesen Betrag von dem deutschen Autobauer in München.
Versicherungen aus den ganzen Welt haben sich der Klage angeschlossen
Die Millionenklage gegen BMW in Deutschland wurde vergangene Woche vor einem Gericht in Rotterdam verhandelt. Der japanische Eigentümer und der Versicherer der „Fremantle Highway“ sind der Ansicht, dass der deutsche Autobauer für die Schäden haftbar ist, die sie durch die Katastrophe erlitten haben. Dieser Klage wollen sich jetzt 13 Versicherungen aus aller Welt anschließen. Sie fordern 31 Mio. Euro Schadensersatz von BMW. Außerdem wollen zwei niederländische Bergungsunternehmen, die die brennende „Freemantle Highway“ löschten und in einen Hafen schleppten, ebenfalls finanzielle Forderungen an BMW stellen.
Die „Freemantle Highway“ fuhr unter der Flagge Panamas. Im Sommer 2023 geriet das Schiff nördlich der niederländischen Wattenmeerinsel Ameland in Brand. Ein Matrose kam dabei ums Leben, Tausende nagelneue Autos verbrannten an Bord oder mussten verschrottet werden. Aber 260 BMW, die auf dem Unterdeck standen, wo der Brand nicht wütete, überstanden den Brand. Sie wurden von Rotterdamer Unternehmern für 5,1 Mio. Euro gekauft. Sie sollen weiter verkauft werden. Das verhindert BMW mit dem Argument, die 260 Autos seien aufgrund des Brandes nicht mehr fahrtauglich. Sie stellten ein Sicherheitsrisiko dar, wenn mit ihnen gefahren würde. BMW fordert daher, sie müssen verschrottet werden. Ein Haager Gericht gab BMW recht.
Einige Experten schätzen die 260 BMW als so gut wie neu ein
Es gibt allerdings Expertisen, darunter ist der Deutsche TÜV, die sagen: Die 260 BMW seien so gut wie neu und unversehrt. Sie sind fahrtauglich. Anstatt diesen Streit mit den Rotterdamer Unternehmern vor Gericht auszufechten, hätte BMW auch anders reagieren und mit den Rotterdamer Unternehmern reden können: „Unabhängige Untersuchungen fanden hätten herausgefunden, dass die Autos fahrtüchtig sind. Unsere Autos sind so gut, dass sie sogar einen solchen schweren Brand überstanden haben.“ Die Rotterdamer Unternehmer hätten dann ihre 260 Freemantle-BMW verkaufen können und BMW wäre eine Klagewelle, wie sie jetzt auf die Münchner zukommt, wohl erspart geblieben.