Hitzeschutz

Klimaanlagen für Krankenhäuser? So ist die Lage im Land

Patientenzimmer bleiben oft ohne klassische Klimaanlage – welche Alternativen kommen zum Einsatz, und wie effektiv sind sie wirklich bei extremer Sommerhitze?

Klimaanlagen für Krankenhäuser? So ist die Lage im Land

Eine dpa-Umfrage unter den Klinikträgern in Baden-Württemberg, die derzeit neue Kliniken bauen oder planen, zeigt: In den Patientenzimmern werden in allen Fällen derzeit keine klassischen Klimaanlagen gebaut oder geplant. Stattdessen setzen die Betreiber auf unterschiedliche Kühlmöglichkeiten.

Die Hitze der vergangenen Wochen hat wohl jedem zu schaffen gemacht. Besonders schlimm war sie aber für Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern. Klimaanlagen sind dort absolute Mangelware – und auch bei Neubauten setzen die Träger nur in bestimmten Bereichen auf direkte Kühlung. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie sind die Planungen bei Klinikneubauten? 

Eine dpa-Umfrage unter den Klinikträgern in Baden-Württemberg, die derzeit neue Kliniken bauen oder planen, zeigt: In den Patientenzimmern werden in allen Fällen derzeit keine klassischen Klimaanlagen gebaut oder geplant. Stattdessen setzen die Betreiber auf unterschiedliche Kühlmöglichkeiten.

Wie sollen die Patientenzimmer gekühlt werden? 

Im Ortenaukreis, wo derzeit die Krankenhausstruktur umgebaut wird, plant das Ortenauklinikum drei neue Krankenhäuser in Offenburg, Achern und Lahr. Für die Neubauten setzt der Betreiber nach eigenen Angaben auf ein Gesamtkonzept, das nicht überall klassische Klimaanlagen vorsieht. Dort sollen die Patientenzimmer etwa durch eine kontrollierte Belüftung, eine Kühlung durch Fußboden- oder Deckenkühlung sowie eine sogenannte Betonkernaktivierung gekühlt werden.

Dabei werden Wasserrohre in Bauteile wie Decken oder Wände verlegt, durch die dann kühles Wasser fließt. „Vereinfacht gesagt, bläst nicht ein einzelnes Gerät kalte Luft in den Raum. Vielmehr tragen große Teile des Gebäudes selbst zur Temperierung bei“, schreibt das Ortenauklinikum auf seiner Internetseite. 

Auf diese Technik setzen auch andere Klinikträger bei ihren Neubauten. So soll die Betonkernaktivierung auch beim Zentralklinikum im Zollernalbkreis eingesetzt werden. Beim Neubau des Flugfeldklinikums zwischen Böblingen und Sindelfingen haben die Betreiber ebenfalls die Technik vorgesehen, genauso wie bei den Neubauten des Klinikums Stuttgart. Das Klinikum Esslingen plant für seinen Teil-Neubau ebenfalls Kühldecken für die Patientenzimmer ein.

Funktioniert das bei wirklich hohen Temperaturen? 

Nur bis zu einem bestimmten Grad, das geben die Betreiber offen zu. Eine Kühlung mit der Betonkernaktivierung sei dann effektiv, wenn mit Hilfe von Verschattung, Dämmung und einer Lüftungsstrategie dafür gesorgt werde, dass nicht zu viel Wärme ins Gebäude gelange, schreibt etwa das Ortenauklinikum.

Ziel sei, die Innenraumtemperaturen während Hitzeperioden deutlich stabiler und verträglicher zu halten als bis jetzt. Das Zollernalbklinikum rechnet damit, dass damit und mit der Lüftungsanlage die Temperaturen im Gebäude etwa sieben bis acht Grad niedriger sein werden als draußen. 

Warum werden nicht einfach Klimaanlagen geplant? 

Das hat mehrere Gründe. „Eine vollständige Klimatisierung aller Bereiche ist aus heutiger Sicht energetisch und wirtschaftlich nicht darstellbar“, schreibt das Zollernalbklinikum. Das Klinikum Esslingen spricht von einem „tragfähigen Kompromiss aus Wirtschaftlichkeit und Hitzeschutz“, und die Betreiber des Flugfeldklinikums erklären, dass Gebäude auch mit Blick auf die Energiekosten wirtschaftlich betrieben werden müssten. Sprich: Die Kosten sind zu hoch. 

Klassische Klimaanlagen seien zudem nicht automatisch die beste Lösung für alle Bereiche einer modernen Klinik. Sie könnten etwa Zugluft erzeugen, benötigten viel Energie und seien mit besonderen hygienischen Anforderungen verbunden. 

Was wird trotzdem besonders gekühlt?

Ausnahmen gibt es in allen angefragten Kliniken, etwa für OP-Säle, Räume mit CT- oder MRT-Geräten oder Labor- und Apotheken-Bereichen. Im Klinikum Esslingen soll etwa auch die gesamte Notaufnahme über eine Lüftungsanlage gekühlt werden. Das Flugfeldklinikum plant Kühldecken für Intensivstationen und Klimaanlagen für Räume, in denen Geräte mit einer hohen Wärmelast stehen. Im Klinikum Stuttgart werden nach eigenen Angaben alle medizinischen Bereiche inklusive der Funktionsräume klimatisiert.

Wie ist die Lage in den bestehenden Krankenhäusern? 

Schlecht, zeigt eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Konkrete Zahlen für Baden-Württemberg liegen nicht vor, bundesweit können demnach aber fast 60 Prozent aller Krankenhäuser kein einziges Patientenzimmer kühlen. Ist eine aktive Kühlung möglich, dann der Umfrage zufolge im Mittel nur für etwa jedes zehnte Patientenzimmer.

Als Hauptgrund für fehlenden Hitzeschutz nennen die Krankenhäuser fehlendes Geld. Kurzfristige Maßnahmen wie den Kauf von einzelnen Klimaanlagen müssen die Krankenhäuser nach Angaben der baden-württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) selbst bezahlen. 

Bei baulichen Maßnahmen ist das Land für die Finanzierung zuständig. Dieses habe die Finanzierung in den vergangenen Jahren auch spürbar aufgestockt, so die BWKG. Es gebe aber nach wie vor eine Lücke zwischen Bedarf und Finanzierung. Allein in Baden-Württemberg gebe es mit Blick auf mehr Hitzeschutz einen zusätzlichen Investitionsbedarf von vier Milliarden Euro.

Was sagt das Land dazu?

Die Hitze der letzten Wochen habe gezeigt, dass es wichtig sei, wirksame Schutzmaßnahmen für Patientinnen und Patienten, Beschäftigte im Gesundheitswesen und besonders gefährdete Menschen voranzubringen, teilte eine Sprecherin von Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne). Gerade in Kliniken sei das Raumklima ein wesentlicher Genesungsfaktor. Die Entscheidungen müssten aber die Klinikträger treffen. Das Land habe für Investitionen rund 554 Millionen Euro für das laufende Jahr bereitgestellt.

Klimaanlagen für Krankenhäuser? So ist die Lage im Land

Als Hauptgrund für fehlenden Hitzeschutz nennen die Krankenhäuser fehlendes Geld. (Symbolfoto)