Überraschende Studie

Können Hunde wirklich unsere Angst riechen?

Hunde haben eine feine Nase. Doch können sie damit auch erkennen, wenn ein Mensch Angst hat? Und wenn ja: Wie gehen sie damit um?

Können Hunde wirklich unsere Angst riechen?

Hund beim Spaziergang: Ein Hund geht mit seinem Halter auf dem Deich am Werdersee spazieren. (Symbolbild)

Von Katrin Jokic

Dass Hunde die Stimmung ihrer Menschen wahrnehmen, dürfte vielen Hundehaltern bekannt vorkommen. Manche Vierbeiner suchen besonders viel Nähe, wenn Herrchen oder Frauchen angespannt sind. Andere wirken selbst unruhig oder verhalten sich plötzlich zurückhaltender. Aber liegt das allein an unserer Körpersprache und Stimme? Oder können Hunde unsere Gefühle tatsächlich riechen?

Dieser Frage gingen Forscherinnen der Veterinärmedizinischen Universität Wien nach. Ihre Ergebnisse wurden im September 2025 in der Fachzeitschrift Frontiers in Veterinary Science veröffentlicht.

Angst hinterlässt offenbar eine Duftspur

Für die Untersuchung sammelten die Wissenschaftlerinnen Schweißproben von Frauen, die entweder einen entspannten Naturfilm oder angstauslösende Horrorfilmszenen angesehen hatten.

Anschließend wurden 61 Hunde in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine Gruppe zwischen neutralem menschlichem Geruch und Angstgeruch wählen konnte, wurden der Kontrollgruppe ausschließlich neutrale Geruchsproben angeboten.

Die Hunde sollten sich auf Kommando einem von zwei Zielen nähern. Dabei beobachteten die Forscherinnen genau, wie sich die Tiere verhielten.

Ein wichtiger Unterschied zu früheren Untersuchungen: Die Versuchsleiterin trug eine Schutzmaske und kaute Minzkaugummi, um möglichst nicht selbst durch die Gerüche beeinflusst zu werden. So sollte sichergestellt werden, dass tatsächlich die Hunde auf die Gerüche reagierten und nicht unbewusst auf das Verhalten eines Menschen.

Hunde reagieren auf Angst – aber nicht alle gleich

Die Ergebnisse waren aufschlussreich: Hunde, die dem menschlichen Angstgeruch ausgesetzt waren, blieben häufiger in der Nähe der Versuchsleiterin und hielten ihre Rute öfter gesenkt. Außerdem näherten sie sich den Zielen tendenziell zögerlicher.

Dieses Verhalten könnte auf Unsicherheit oder leichtes Unbehagen hindeuten.

Besonders überraschend war jedoch eine andere Beobachtung: Die Hunde mieden den Angstgeruch keineswegs grundsätzlich.

Während einige Vierbeiner zögerten, sich der entsprechenden Geruchsprobe zu nähern, liefen andere sogar schneller darauf zu als auf den neutralen Geruch. Eine allgemeine Vorliebe oder Abneigung gegenüber dem Angstgeruch ließ sich nicht feststellen.

Auch das Alter und das Geschlecht der Hunde erklärten diese Unterschiede nicht.

Welche Rolle spielen die Erfahrungen eines Hundes?

Die Wissenschaftlerinnen vermuten, dass die individuellen Erfahrungen eines Hundes sein Verhalten beeinflussen könnten.

Ein Hund, der menschliche Angst bisher mit unangenehmen Erlebnissen verbunden hat, könnte darauf eher zurückhaltend reagieren. Ein anderer hat möglicherweise gelernt, dass ein gestresster Mensch besonders viel Nähe und Zuwendung sucht.

Ob solche Erfahrungen tatsächlich ausschlaggebend sind, muss allerdings erst noch untersucht werden. Auch die Rasse oder die Ausbildung eines Hundes könnten eine Rolle spielen.

Was bedeutet das für Hundehalter?

Die Studie liefert weitere Hinweise darauf, wie sensibel Hunde auf menschliche Emotionen reagieren können. Offenbar nehmen sie nicht nur wahr, was wir sagen oder wie wir uns bewegen, sondern auch chemische Signale, die unser Körper in bestimmten Gefühlszuständen abgibt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Hund automatisch selbst Angst bekommt, sobald sein Mensch ängstlich ist. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass Hunde auf ängstliche Menschen grundsätzlich aggressiv reagieren.

Vielmehr zeigt die Untersuchung, wie unterschiedlich unsere Vierbeiner ihre Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren.

Fest steht: Unsere Hunde bekommen möglicherweise mehr von unserer Gefühlswelt mit, als wir denken. Wie sie diese Informationen einordnen, scheint jedoch eine sehr individuelle Angelegenheit zu sein.