Kommentar: Abkommen mit Schönheitsfehlern

Kommentar: Abkommen mit Schönheitsfehlern

Von Dominik Guggemos

Nein, perfekt ist das Mercosur-Freihandelsabkommen nicht. Im Agrarsektor gibt es vor allem für die europäischen Bauern erkennbare Schönheitsfehler. Aber wenn man mit einem Partner auf Augenhöhe verhandelt, kann man diesem die Bedingungen nicht einfach diktieren. Dann gilt automatisch: Du musst etwas geben, um etwas anderes zu bekommen. Ohne billigeres argentinisches Rindfleisch in der EU fahren in Brasilien keine günstigeren deutschen Autos.

Gerade weil die beiden globalen Supermächte USA und China immer skrupelloser anderen ihre Bedingungen diktieren, ist es unerlässlich für die EU, sich weitere Standbeine und Absatzmärkte aufzubauen. Ohne Freihandel wird der Wohlstand in ganz Europa den Bach hinuntergehen. Liebgewonnene soziale Errungenschaften wären dann nicht mehr finanzierbar, die gesellschaftlichen Folgen des Wohlstandsverlusts verheerend.

Die EU-Kommission rechnet mit knapp 50 Milliarden Euro mehr Export pro Jahr in die Mercosur-Staaten, was 440 000 Arbeitsplätze schaffen soll. Selbst wenn diese Schätzungen optimistisch ist: Europa braucht das Abkommen. Trotz seiner Schönheitsfehler.

Auch der Deutsche Bauernverband war sich offenbar, anders als seine Pendants in Frankreich, dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Er hat das Abkommen zwar kritisiert. Aber die deutschen Bauern haben das Land, anders als vor zwei Jahren, nicht in ein Winterchaos gestürzt.