Kommentar: Das Pulver trocken halten
Von Tobias Heimbach
Wie ein Drache sitzt die Bundesregierung auf einem großen Schatz: Die strategische Ölreserve ermöglicht es, das Land 90 Tage lang mit Benzin, Diesel und Kerosin zu versorgen. Angesichts der steigenden Preise wird diskutiert, auf die Reserve zuzugreifen. Doch genau wie Drachen in der Sage verhält sich die Regierung mit ihren Schätzen: nicht freigiebig. Aus gutem Grund.
Ja, die steigenden Preise für Erdöl sind besorgniserregend, Autofahrer bekommen es dieser Tage an den Zapfsäulen zu spüren. Und ja, es gibt Prognosen über ein Einbrechen der Wirtschaft und ein Anziehen der Inflation. Doch wenn Deutschland seine Speicher öffnen würde, hätte dies gegenwärtig nur einen geringen Effekt. Hierzulande bezieht man keine nennenswerten Mengen an Öl aus der Golfregion. Physisch ist genug Öl da. Auf den hohen Weltmarktpreis, der derzeit das Problem ist, hätte Deutschland allein keinen Einfluss.
Maßnahmen, die Preise abfedern sollen, verlangen nach Vorsicht. Sie sind für den Staat teuer, von zweifelhaftem Nutzen und sollten die absolute Ausnahme bleiben. Zur Wahrheit gehört auch: Wer auf Öl setzt, muss mit den Konsequenzen leben, wenn die Preise steigen. Das ist Teil des marktwirtschaftlichen Prinzips.
Daher ist es derzeit sinnvoller, dass das Öl in den Kavernen bleibt. Denn niemand weiß, wie lange der Iran-Krieg noch dauert. Es ist sinnvoll, das Pulver trocken zu halten.