Kommentar: Die CDU stärkt Friedrich Merz

Kommentar: Die CDU stärkt Friedrich Merz

Von Tobias Peter

Die Tage, an denen sich viele kostümieren, sind vorbei. Und doch mussten Kanzler Friedrich Merz und die CDU sich vor dem Parteitag dieselbe Frage stellen, die an Karneval viele beschäftigt hat: In welche Rolle zu schlüpfen lohnt sich diesmal am meisten?

Merz ist in seiner Rede weniger als Parteivorsitzender und mehr als Kanzler aufgetreten. Klug sprach er über den Epochenbruch in der Außenpolitik. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik hat der CDU-Chef in Stuttgart eine klare Linie für mehr Wettbewerbsfähigkeit vorgegeben, lieferte aber wenig Konkretes. Das wirkt halb fertig – dennoch ist es vernünftig. Den Spielraum für Reformen muss Merz hinter den Kulissen ausloten. Eine Klartext-Ansage an die SPD von der Bühne des CDU-Parteitags aus wäre ein Fehler gewesen.

Die CDU hat sich in Stuttgart für die altbekannte Rolle des Kanzlerwahlvereins entschieden. Das ist nicht negativ gemeint. Dass die Delegierten den Kanzler – trotz mäßiger Stimmung in der Partei – gestärkt haben, ist professionell. Die SPD hat das bei ihrem Parteichef Lars Klingbeil bekanntlich nicht hinbekommen.

Es wird ohnehin schwierig genug, in diesem Jahr mit wichtigen Landtagswahlen in Sachen Reformen voranzukommen. Ob die Stabilisierung der Sozialbeiträge oder die Neuordnung des Sozialstaats: Das verlangt den Wählern von Union und SPD viel ab. Vor Merz liegen gigantische Herausforderungen.