Kommentar: Enttäuschender Start

Kommentar: Enttäuschender Start

Von Reiner Ruf

Das muss noch besser werden: 19 Abgeordnete des grün-schwarzen Bündnisses verweigerten Cem Özdemir bei der Wahl zum Ministerpräsidenten die Zustimmung. Die Zweidrittelmehrheit von Grünen und Christdemokraten im Landtag verführte zahlreiche Abgeordnete zur Liederlichkeit. Anders ist diese Form der Fahnenflucht nicht zu charakterisieren. In der Wahlkabine bei geheimer Wahl Widerspruch zu inszenieren, anschließend dem dennoch Gewählten zu applaudieren, ist keine Heldentat, sondern Ausdruck von Charakterschwäche.

Es mag sein, dass der eine oder die andere Grüne aus Enttäuschung über ein vorenthaltenes Amt Özdemir einen Fußtritt verpassen wollte. Aber das Gros der Verweigerer ist der CDU zuzuordnen, wo manche über die Wahlniederlage nicht hinweggekommen sind. Doch am Ende schadet dies den eigenen Anführern Manuel Hagel (Vize-Ministerpräsident) und Tobias Vogt (Fraktionschef) mehr als dem neuen Ministerpräsidenten. Hatte Hagel doch angekündigt, die CDU werde Özdemir geschlossen wählen. Schade. Hagel hatte zuvor im Landtag souverän die Avancen der AfD zurückgewiesen, ihn zum Ministerpräsidenten zu wählen. Das war ein starker Auftritt. Nun muss sich entscheiden, ob es sich bei dem mageren Ergebnis für Özdemir um ein letztes Zucken aus dem Wahlkampf handelt – oder ob die Koalition unter Instabilitäten leidet. Letzteres wäre Ausdruck von Verantwortungslosigkeit.