Kommentar: Fußfesseln allein hemmen Täter nicht

Kommentar: Fußfesseln allein hemmen Täter nicht

Von Armin Käfer

„Die Scham muss die Seite wechseln.“ Der Satz von Gisèle Pelicot, dem inzwischen wohl prominentesten und mutigsten Opfer häuslicher Gewalt, ist auch ein Auftrag an die Politik. Sie muss alles daran setzen, dass Täter sich nie sicher fühlen dürfen – Opfer aber schon. Dem dient das vom Bundestag beschlossene Gewaltschutzgesetz.

Notorisch übergriffige Männer können künftig dazu verurteilt werden, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Sie soll verhindern, dass solche Schlägertypen an der falschen Stelle die Seite wechseln – etwa dort, wo sie ihren Opfern zu nahe kommen. Das kann man für einen Meilenstein halten im Kampf gegen diese düstere Seite unseres Alltags, wie die CDU es tut. Oder nur für einen Anfang auf dem Weg zu einem umfassenderen Schutz, den die Grünen anmahnen. Der Rechtsstaat stellt sich damit eindeutig auf die Seite der Frauen, die unter den Leidtragenden von häuslicher Gewalt weit überwiegend in der Mehrzahl sind. Die ansteigenden Fallzahlen zeugen auch von ihrem Mut, solche Schandtaten nicht still zu erdulden, sondern strafrechtliche Konsequenzen einzufordern. Wer eine Fußfessel tragen muss, weil er gegenüber Frauen handgreiflich wurde, sollte sich in der Tat auch schämen. Fußfesseln allein werden Schandtaten nicht verhindern. Dazu bedarf es auch eines gesellschaftlichen Umdenkens, einer anderer Erziehung, der Akzeptanz von Gleichberechtigung der Geschlechter in jeglicher Hinsicht.