Kommentar: Lesung absagen? Schlechte Idee!

Kommentar: Lesung absagen? Schlechte Idee!

Von Christina Tilmann

Ja, es sind immer die gleichen Namen. Offenbar fällt Veranstaltern beim Kampf gegen Antisemitismus oft als Erstes Michel Friedman als Redner ein. Das ist, bei aller Originalität, die den wortgewaltigen Journalisten und Autor auszeichnet, Teil eines Mahn- und Gedenkrituals, das alles andere als originell ist. Viel schlimmer jedoch ist, solche Auftritte dann wieder abzusagen. Aus Sicherheitsbedenken, aus finanzieller Klammheit, aus Sorge vor Protesten von rechts und hässlichen Bildern. So geschehen im September 2025 im Literaturhaus in Klütz (Mecklenburg-Vorpommern). So geschehen jetzt auch in Bayreuth, anlässlich des 150. Jubiläums der Wagner-Festspiele.

Das ist Schwäche in einer Zeit, in der Haltung gefragt ist. 8725 antisemitische Vorfälle zählt die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) 2025. Rias-Geschäftsführer Benjamin Steinitz sprach davon, dass Antisemitismus droht, sich zu normalisieren, weil sich die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft an ihn gewöhnt. Und lieber Lesungen absagt als aufzustehen.

Der Schaden ist groß. Für die Veranstaltung. Und für die Öffentlichkeit. Man muss sich als Gastgeber schon vorher überlegen, ob man genügend personelle oder finanzielle Mittel hat, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Friedman selbst sprach von einem „Tod durch Selbstmord“ für die Demokratie und fordert: „Dann sichert diese Veranstaltung. Und spart euch alle Sonntagsreden!“