Kommentar: Macron bietet eine Rückversicherung

Kommentar: Macron bietet eine Rückversicherung

Von Tobias Peter

Es war Barack Obama, der mit seinem Traum von einer Welt ohne Atomwaffen viele Menschen und besonders die Deutschen begeisterte. Die Welt wäre eine bessere ohne Atomwaffen. Doch solange es Atomwaffen gibt, sind diejenigen, die welche haben, sicherer als andere.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat recht, wenn er sagt, dass die regelbasierte Welt in Trümmern liegt. Daher ist es verständlich, dass er die Zahl der Atomsprengköpfe seines Landes erhöhen will. Seine Forderung, die Europäer müssten wieder in der Lage sein, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, ist richtig. Der andere Teil seiner Botschaft war aber ebenso gut hörbar: Die Entscheidung über den Einsatz der Waffen bleibt allein in der Hand des französischen Präsidenten – der Schutz, den Frankreich bietet, ist nicht garantiert.

Der nukleare Schirm der Amerikaner ist für Europa derzeit unverzichtbar. Angesichts der Unberechenbarkeit von US-Präsident Donald Trump fühlt es sich aber an, als könnte sich ein einst als sicher geltendes Los für Europa im Ernstfall als Niete erweisen. Von den Franzosen ein zweites Los zu kaufen, ist da klug. Sicher ist es aber auch nicht. Die Frage, ob der Traum von der Welt ohne Atomwaffen irgendwann eine neue Chance erhält, scheint momentan wie aus einem anderen Universum. Die Welt der Großmachtpolitik ist eine hässliche. Damit müssen Deutschland und Europa nun für lange Zeit leben.