Kommentar: München leuchtet jetzt grün

Kommentar: München leuchtet jetzt grün

Von Jan Sellner

München - „Reiter. München. Passt!“, hatte Amtsinhaber Dieter Reiter im Münchner OB-Wahlkampf selbstbewusst plakatiert. Jetzt zeigt sich: Reiter. München. Passt nicht mehr. Eine veritable Sensation! Noch vor kurzem hätte kaum jemand mit der Abwahl des 67-jährigen SPD-Oberbürgermeisters gerechnet. Und doch hatte er bei der Stichwahl am Sonntag gegenüber seinem jungen Herausforderer von den Grünen, Dominik Krause, klar das Nachsehen: Krause: 56,4 Prozent, Reiter: 43,6 Prozent – das ist deutlich.

Im ersten Wahlgang lag Reiter noch vorn. Dann wurde bekannt, dass er als Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München Vergütungen erhielt, ohne sich dies vom Stadtrat genehmigt haben zu lassen. Reiter fand sich in der Defensive wieder. Das Momentum lag jetzt bei Krause, der nicht einmal besondere Strahlkraft entwickeln musste. So bahnte sich eine Entwicklung an, die in den Sieg des bisherigen zweiten Bürgermeisters mündete. Eine doppelte Premiere: Krause ist der erste grüne OB in München. Zudem hat noch kein Grünen-Politiker eine Stadt dieser Größe in Deutschland regiert.

„Ich hab’s verbockt“, gestand Reiter ein. Er habe zuletzt mehr Fehler gemacht als in den zwölf J ahren zuvor. Damit endet in Bayerns Landeshauptstadt eine 42-jährige SPD-Ära, für die so klangvolle Namen wie Georg „Schorsch“ Kronawitter und Christian Ude stehen. Am Ende bleibt aus SPD-Sicht die bittere Einsicht: Reiter. München. Verbockt!