Vereinten Nationen

Kommission: Gewalt im Sudan deutet auf Völkermord hin

Mit dem Wort Völkermord gehen die Vereinten Nationen äußerst zurückhaltend um. Doch im Fall des Kriegs im Sudan sehen Experten Merkmale des Völkermords. Die Gewalt dort ist ungebrochen.

Kommission: Gewalt im Sudan deutet auf Völkermord hin

Die Gewalttaten der Miliz RSF im Sudan deuten nach Ansicht einer internationalen Untersuchungskommission auf Völkermord hin (Archvifoto).

Von red/dpa

Die Gewalttaten der Miliz RSF im Sudan deuten nach Ansicht einer internationalen Untersuchungskommission auf Völkermord hin. Zu den Merkmalen zählten willkürliche Tötungen einer ethnischen Gruppe, das Verursachen von körperlichem und seelischem Leid sowie das Schaffen von Lebensbedingungen mit dem Ziel der Vernichtung der Menschen, bilanzierte die von den Vereinten Nationen eingesetzte unabhängige Kommission. 

Der Bericht bezieht sich auf die Miliz Rapid Support Forces (RSF) und ihr Vorgehen gegen nicht arabische Bevölkerungsgruppen. Die RSF kämpfen gegen die reguläre Armee. 

Belagerung, Hunger und Vergewaltigungen in Darfur

Die um die Großstadt Al-Faschir in der sudanesischen Region Nord-Darfur begangenen Verbrechen seien keine willkürlichen Kriegsausbrüche gewesen, sagte Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Untersuchungskommission zum Sudan. „Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die Merkmale eines Völkermords aufweist.“ Der Einnahme von Al-Faschir sei eine 18-monatige Belagerung vorausgegangen, die die Bevölkerung systematisch durch Hunger, Entbehrung, Traumatisierung und Gefangenschaft geschwächt habe. 

Die gezielte Vergewaltigung und Verfolgung von Frauen und Mädchen der afrikanischen Volksgruppen Zaghawa und Fur, während Frauen, die als Araberinnen wahrgenommen würden, oft verschont blieben, unterstreiche den diskriminierenden und zerstörerischen Zweck dieser Gewalt, hieß es. 

Zehntausende Tote nach der Einnahme Al-Faschirs befürchtet

Das Humanitarian Research Lab der US-Universität Yale, das mit Hilfe von Satellitenaufnahmen forensische Untersuchungen des Konflikts betreibt, geht davon aus, dass in den Wochen nach der Eroberung Al-Faschirs mindestens 60.000 Menschen getötet worden sein könnten.

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die reguläre Armee und die RSF um die Macht. Auch der sudanesischen Armee werden Kriegsverbrechen vorgeworfen, etwa Bombardements auf zivile Ziele. Die UN bezeichnen die Lage als größte humanitäre Krise der Welt.

Die Region Darfur im Westen des Sudan war bereits 2003 Schauplatz von Massakern an afrikanischen Volksgruppen durch arabische Reitermilizen. Schon vor der Eroberung Al-Faschirs war es in anderen Teilen Darfurs zu Massakern, Folter und sexueller Gewalt durch Kämpfer der RSF gekommen. 

Droht eine Wiederholung der Verbrechen?

Die Äußerungen der Untersuchungskommission kommen zu einer Zeit, in der nach Ansicht von Experten eine Wiederholung der Vorgänge in Al-Faschir drohen könnte. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und RSF haben sich in die zentralsudanesischen Region Kordofan verlagert, wo die RSF die Stadt Kadugli belagert. Auch dort hat sich nach Angaben örtlicher Helfer die Versorgungssituation dramatisch zugespitzt.