Aus Angst vor einer Ausbreitung des Virus verweigern die Behörden das Anlegen – 149 Menschen sitzen an Bord fest. Besteht Pandemie-Gefahr?
MV Hondius vor dem Hafen von Praia (Kap Verde).
Von Michael Maier
Ein dramatischer Zwischenfall überschattet die Expeditionskreuzfahrt der „MV Hondius“: Nach einem mutmaßlichen Ausbruch des Hantavirus an Bord verweigern die Behörden der Kapverden dem Schiff das Anlegen. Aktuell sitzen 149 Passagiere und Besatzungsmitglieder vor der Küste Westafrikas fest.
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Die Reise, die vom argentinischen Ushuaia startete und über den Südatlantik in Richtung Kapverden führte, hat sich zu einem medizinischen Notfall entwickelt. Drei Passagiere – ein niederländisches Ehepaar und ein deutscher Staatsbürger – sind im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Hantavirus-Ausbruch bereits verstorben.
Ein britischer Passagier musste nach Südafrika evakuiert werden und liegt dort in kritischem, aber stabilem Zustand auf der Intensivstation. Zudem zeigen mindestens zwei Crewmitglieder (ein Brite und ein Niederländer) an Bord akute Atemwegssymptome und benötigen dringend medizinische Hilfe.
Hantavirus-Panik auf den Kapverden
Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Virus haben die Gesundheitsbehörden der Kapverden ein striktes Landeverbot verhängt. „Zum Schutz der kapverdischen Bevölkerung“ dürfe niemand das Schiff verlassen, erklärte die Leiterin der nationalen Gesundheitsbehörden. Die „MV Hondius“, die von der niederländischen Reederei Oceanwide Expeditions betrieben wird, liegt nun vor der Hauptstadt Praia vor Anker. An Bord gelten derweil strikte Hygiene- und Isolationsmaßnahmen.
Kreuzfahrtschiff MV Hondius steuert Kanaren an
Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die niederländischen Behörden fieberhaft an einer Lösung für eine medizinische Evakuierung der Erkrankten arbeiten, bleibt die Lage für die übrigen Passagiere ungewiss. Da ein Landgang auf den Kapverden ausgeschlossen ist, wird derzeit geprüft, ob das Schiff auf die Kanarischen Inseln (etwa nach Las Palmas oder Teneriffa) ausweichen kann. Dort könnten die Passagiere von Bord gehen und die Erkrankten in Krankenhäuser verlegt werden.
Pandemie-Gefahr durch das Hantavirus?
Da das Schiff seine Reise im argentinischen Ushuaia (Südamerika) begann, haben sich die Passagiere höchstwahrscheinlich mit einer amerikanischen Variante (wie dem Andes-Virus) infiziert – während europäische Varianten als harmlos gelten. In seiner südamerikanischen Version kann jedoch das Hantavirus-Lungensyndrom (HPS) auslösen, das mit schwerster Atemnot einhergeht und extrem gefährlich ist (Sterblichkeitsrate von über 30 Prozent).
Das Andes-Virus ist zudem der einzige Hantavirus-Stamm, bei dem in seltenen Fällen eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen wurde – was die strengen Quarantänemaßnahmen auf dem Schiff erklärt.