Winfried Kretschmann verlässt nach 182 Sitzungen den Bundesrat – mit langem Applaus und einem letzten Plädoyer für Bürgernähe.
Winfried Kretschmann spricht bei seiner letzten Bundesratsitzung mit Andreas Bovenschulte.
Von red/dpa
Und noch ein Abschied, noch ein letzter und langer Applaus: Nach 182 Plenarsitzungen und mehr als 40 Reden vor dem Bundesrat ist der langjährige baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in Berlin von der Länderkammer verabschiedet worden. Mit anhaltendem Beifall würdigten die Regierungschefs, Ministerinnen und Ressortchefs der Bundesländer die politische Arbeit des 77-Jährigen.
Der amtierende Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte lobte den zuletzt dienstältesten Ministerpräsidenten für seine „enthusiastische und pragmatische Art“. Kretschmann sei „stets und immer ein bekennender Föderalist“ gewesen, sagte der Bremer Bürgermeister.
Seit 2011 Regierungschef in BW
Und Kretschmann? Der Baden-Württemberger appellierte auch bei seinem letzten Auftritt am Rednerpult im Bundesrat engagiert an Bürgernähe und Föderalismus, er pries die Kammer als „Konsensmaschine“, um die Deutschland in anderen Ländern beneidet werde – und verabschiedete sich dann ein letztes Mal.
Kretschmann war seit 2011 Regierungschef in Baden-Württemberg. Der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt ist der erste (und bislang noch einzige) Grünen-Politiker, der dieses Amt in einem Bundesland übernommen hat. In seiner ersten Amtszeit regierte Kretschmann in einer grün-roten Koalition mit der SPD, ab 2016 dann mit der CDU.
Bei der Landtagswahl am 8. März war der 77-Jährige nicht mehr angetreten. Sein Nachfolger und Parteifreund Cem Özdemir soll am 13. Mai im Landtag gewählt werden – und wäre dann der bundesweit erste Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln.