Tragödie

Retter bergen zwei Leichen aus Trümmerhaufen in Görlitz

Mit Händen wühlen die Retter durch den Schuttberg. Trotz des kräftezehrenden Einsatzes an dem eingestürzten Haus in Görlitz schwindet die Hoffnung. Zwei Frauen sind tot, ein Mann wird noch vermisst.

Retter bergen zwei Leichen aus Trümmerhaufen in Görlitz

Zwei Leichen wurden nach dem Hauseinsturz in Görlitz geborgen - ein Mann wird noch vermisst

Von Von André Jahnke und Jasmin Beisiegel, dpa

Görlitz - Nach dem Fund von zwei Leichen in den Trümmern des eingestürzten Hauses in der sächsischen Stadt Görlitz gibt es immer mehr traurige Gewissheit: Die Überlebenschance unter dem riesigen Schuttberg werden verschwindend gering. Fieberhaft suchen die Einsatzkräfte weiter nach einem 48 Jahre alten Mann - aber die Retter scheinen den Wettlauf mit der Zeit zu verlieren.

Zwei Frauenleichen geborgen

Zunächst bergen die Einsatzkräfte in der Nacht zu Donnerstag die Leiche einer vermissten 25 Jahre alten rumänischen Touristin. Wenige Stunden später finden sie auch eine 26-Jährige. Die Leiche wurde demnach im vorderen Teil des eingestürzten Hauses geborgen. "Der Notarzt konnte nur noch den Tod der beiden Frauen feststellen", sagt Polizeisprecher Stefan Heiduck. Die Leichname werden für weitere Untersuchungen in die Rechtsmedizin gebracht. Ergebnisse werden erst in den kommenden Tagen erwartet. 

Um die Angehörigen zu betreuen, waren Notfallseelsorger sowie ein rumänischer Pfarrer aus Dresden und ein rumänisch-ukrainischer Pfarrer aus Zittau vor Ort. Einer der Angehörigen war ein Mann, dessen Verlobte und dessen Cousine in dem Haus waren, als es einstürzte. Die drei wollten in Görlitz Urlaub machen. Das Unglück geschah, als er beim Einkaufen war, wie er erzählte. 

Nach dem dritten Vermissten, einem 48 Jahre alten Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, wird weiter fieberhaft gesucht. Die Retter vermuten den Mann im hinteren Teil des eingestürzten Gebäudes. Dort drangen sie nach Angaben des Technischen Hilfswerkes (THW) bereits bis zu den Kellerbereichen vor.

Kameras für Hohlräume im Einsatz

"Wir sind schon im Bereich des Kellers, haben Kameras eingesetzt, die weit in die Tiefe kommen", erläuterte Susan Schmidt vom THW. Etwa 15 Helfer seien pro Seite aktiv. Sie tragen Masken gegen den Staub und man "merkt, dass es auf die Atemwege geht." Am Nachmittag waren noch etwa 50 Kräfte des THW im Einsatz. Beim Bergen helfen Radlader, Bagger, Kräne und auch ein Saugbagger, der kleine Trümmerteile und Staub entfernen kann. Zudem sind Spürhunde auf dem Trümmerberg.

Das Haus, in dem sich laut Polizei Miet- und Ferienwohnungen befanden, war am Montagabend eingestürzt. Daraufhin wurden zunächst fünf Menschen vermisst. Bei zwei von ihnen war der Aufenthalt bereits nach wenigen Stunden geklärt – die beiden Feriengäste befanden sich noch auf der Anreise.

Zu Beginn des dritten Tages nach dem Einsturz hatten die Rettungskräfte noch Hoffnung, die Vermissten lebend zu finden. Im Laufe des Donnerstags aber läuft ihnen die Zeit davon. "Die sogenannte "goldene Rettungszeit" liegt meist in den ersten 24 bis 72 Stunden – in diesem Zeitraum sind die Überlebenschancen am höchsten", erklärte Andrea Wirth vom THW-Landesverband Sachsen, Thüringen. Die 72 Stunden waren am späten Donnerstagnachmittag abgelaufen.

Ursache weiter unklar

Die genaue Ursache des Unglücks in der Stadt im Osten Sachsens steht nach wie vor nicht fest. "Aber es sieht nach einer Gasexplosion aus", sagte der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU). Wenige Stunden nach dem Zusammensturz des Gründerzeithauses wurde nach Polizeiangaben ein Gasleck gefunden.

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands. Sie liegt in der sächsischen Oberlausitz direkt an der Neiße und hat 57.000 Einwohner. Seit 1998 bildet Görlitz zusammen mit der östlich gelegenen polnischen Nachbarstadt Zgorzelec eine grenzüberschreitende Europastadt. Wegen der historischen unzerstörten Altstadtkulisse ist die Stadt ein gefragter Drehort für internationale Filmproduktionen.

Das eingestürzte Gründerzeithaus stand in der James-von-Moltke-Straße in der Nähe des Görlitzer Bahnhofs. Der Bereich um das Haus wurde nach dem Einsturz weiträumig evakuiert und abgesperrt.

Retter bergen zwei Leichen aus Trümmerhaufen in Görlitz

Seelsorger kümmern sich um die Angehörigen

Retter bergen zwei Leichen aus Trümmerhaufen in Görlitz

Die Helfer suchten in den Trümmern nach den Vermissten.

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Auch in der Nacht wurde am Unglücksort unermüdlich weitergearbeitet.

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Einsatzkräfte machten in der Nacht einen traurigen Fund.