Afrikareise des Papstes

Leo XIV. auf ambitionierter Tour

Leo XIV. besucht vier kulturell und sprachlich völlig unterschiedliche Nationen: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.

Leo XIV. auf ambitionierter Tour

Findet der Papst deutliche Worte gegenüber den Autokraten, die er treffen wird?

Von Dominik Straub

Wenn Papst Leo XIV. an diesem Montag in der algerischen Hauptstadt Algier landen wird, ist das sowohl für das Land als auch für die katholische Kirche eine Premiere: Noch nie zuvor hat ein Papst das nordafrikanische Land – flächenmäßig das größte des Kontinents – besucht. Für Leo XIV. selbst dagegen wird es bereits das dritte Mal sein, dass er Algerien einen Besuch abstattet. Denn in dem weitgehend muslimischen Land liegen die Wurzeln des Augustinerordens, dem der 70-jährige Papst aus den USA angehört und den er viele Jahre lang geleitet hatte. Der heilige Augustinus wurde 354 im heutigen Souk-Ahras geboren und starb 430 in seiner Bischofsstadt Hippo, ebenfalls in Algerien.

Auf den Spuren des Augustinerordens

Es versteht sich von selbst, dass Papst Leo XIV. auf der ersten Station seiner Afrika-Reise auch der archäologischen Stätte von Hippo, dem heutigen Annaba, seine Reverenz erweisen wird. Zuerst wird das Oberhaupt der katholischen Kirche aber in Algier die große Moschee und ein Mahnmal des Bürgerkriegs besuchen. Laut dem Vatikansprecher Matteo Bruni wird sich Leo XIV. in Algerien auch mit der lokalen christlichen Gemeinschaft sowie mit Migranten aus anderen Teilen Afrikas treffen. Ein zentraler Aspekt des Besuchs sei der Dialog mit dem Islam: „Es wird eine Gelegenheit sein, sich in einem Land zwischen Wüste und Mittelmeer an die islamische Welt zu wenden und über das Zusammenleben sowie den Beitrag der Katholiken dazu zu sprechen.“ In der Spätantike war die Region christlich geprägt, bei seiner Reise wird Papst Leo XIV. aber auf wenige Katholiken treffen: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Algeriens beträgt nur 0,2 Prozent.

Nach dem Besuch in Algerien wird der Papst nach Kamerun fliegen. Später folgen noch Angola und Äquatorialguinea. Insgesamt wird Leo XIV. auf seiner Afrikareise zwischen dem 13. und 23. April bei 18 Flügen mehr als 16 000 Kilometer zurücklegen. Das Programm umfasst 25 Ansprachen sowie vier Grußworte in unterschiedlichen Sprachen. Damit würdigt der Papst laut dem Vatikansprecher Bruni die kulturelle Vielfalt und die unterschiedlichen sprachlichen Traditionen des Kontinents. Vorgesehen sind auch Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der besuchten Länder. Dabei werde Leo XIV. die Ausbeutung von Ressourcen, die kriegerischen, sozialen und religiösen Konflikte in den besuchten Ländern, aber auch die Rolle der Frauen ansprechen. Der Besuch sei ein Weg durch die „Vielfalt des Kontinents, zwischen unterschiedlichen Völkern und Welten“. Afrika mit seiner jungen Bevölkerung ist für die katholische Kirche ein Wachstumskontinent: Im Unterschied etwa zu Europa nimmt die Zahl der katholischen Gläubigen zu.

In zwei der von ihm besuchten Länder wird Leo XIV. aber auch mit greisen Autokraten konfrontiert sein, die ihr Land seit Jahrzehnten mit harter Hand regieren. In Kamerun, wo sich seit 1982 der 93-jährige Präsident Paul Biya an der Macht hält, sind die Meinungs- und Pressefreiheit stark eingeschränkt. Noch länger am Ruder, nämlich seit 1979, ist der Staatschef von Äquatorialguinea, Teodoro Obiang Nguema Mbasogo. Er regiert diktatorisch und hat längst auch schon seinen Nachfolger bestimmt: Es wird sein Sohn, der aktuelle Vizepräsident Teodoro Nguema Obiang Mangue, der in Frankreich wegen Geldwäsche und Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt wurde.

Ob und wie pointiert der Papst in den von ihm besuchten afrikanischen Staaten die Einschränkung der Grundrechte kritisieren wird, bleibt abzuwarten. Er weiß natürlich auch, dass viele der bestehenden Missstände letztlich eine Spätfolge der Kolonialzeit darstellen.

Deutliche Botschaft

Sein Vorgänger Franziskus hatte bei seiner letzten apostolischen Reise auf dem afrikanischen Kontinent im Jahr 2023 kein Blatt vor den Mund genommen. Im Kongo geißelte er die Korruption und die Habgier der Eliten. Gleichzeitig rief er die Jungen auf, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Hart ging Franziskus aber auch mit dem „neuen Kolonialismus“ ins Gericht, der Afrika vor allem als Reservoir von Rohstoffen sehe: „Die Erstickung Afrikas muss aufhören: Es ist kein Bergwerk, das ausgebeutet, und kein Boden, der zur Plünderung freigegeben ist. Hände weg von Afrika“, rief der vor einem Jahr verstorbene Franziskus den Menschen damals zu. Sein Nachfolger Leo XIV. dürfte dies ähnlich sehen.