Am Tag von Cem Özdemirs Vereidigung steht auch Flavia Zaka im Rampenlicht. Wer die Frau an der Seite des neuen Ministerpräsidenten ist.
Flavia Zaka und Cem Özdemir beim Landespresseball 2025.
Von Ulrike Bäuerlein
Die Vereidigung ihres Ehemanns verfolgt Flavia Zaka am Mittwoch von der ersten Reihe der Besuchertribüne im Landtag aus. Auch sie wird von den vielen Gästen im Landtag beglückwünscht, umarmt, geherzt, als sie anschließend hinaus auf die Flure geht und sich den Weg hinunter zu den wartenden Kamerateams und Medienvertretern bahnt, um ihren Cem in den Arm zu nehmen. Das Ehepaar Özdemir – er im schwarzen Anzug, silberne Krawatte mit zartgrünem Einschuss, sie im nachtblauen Hosenanzug, spitze cremefarbene High Heels, goldene Handtasche - stellt sich den Fotografen. Auch Özdemirs Tochter samt Freund strahlen in die Kameras. Flavia Zaka nimmt sich noch einen Moment Zeit, um unserer Redaktion einen kurzen Einblick in ihre Gefühlswelt zu geben – und wie sie ihren Rollenwechsel als Frau an der Seite des neuen baden-württembergischen Ministerpräsidenten gerade erlebt.
„Ich war sehr aufgeregt für Cem. Ich bin sehr glücklich für Baden-Württemberg. Und ich bin geehrt, dass ich Teil davon werde“, so die Kanadierin, die fast perfekt Deutsch versteht und spricht. Das Englische nimmt sie in der Antwort nur zu Hilfe, wenn ihr die genauen Worte für eine komplexe Erklärung fehlen. „Und ich bin auch hoffnungsfroh über den Ton, der durch diese neue Regierung gesetzt wurde. Man kann den Willen spüren bei beiden Partnern, die Verantwortung wahrzunehmen, um das Land in gute, bessere Zeiten zu führen.“
Paar lernte sich auf einer Party in Stuttgart kennen
Auf die Frage, ob sie schon in ihrer neuen Rolle angekommen sei, lacht sie. „Die Wahl ist gerade fünf Minuten her. Ich denke, ich werde etwas Zeit dafür brauchen. Und ich möchte mir diese Zeit gerne nehmen. Ich muss mir dessen noch bewusst werden. Und ich hoffe, dass ich der Verantwortung gerecht werden kann, die da auf mich zukommt.“
Dass sie sich überhaupt an Özdemirs Seite wiederfindet, hat Flavia Zaka, die im Alter von zwölf Jahren mit Eltern und Schwester aus Albanien nach Kanada ausgewandert ist, letztlich dem Bodensee zu verdanken: Bei einem einjährigen Auslandsaufenthalt 2008 als Studentin in Konstanz lernte sie eine junge Frau kennen, die zur engen Freundin wurde. 2023 lud diese Freundin Zaka zu einer Geburtstagsparty nach Stuttgart ein. Zaka arbeitete damals in Toronto als Anwältin und Beraterin an der Schnittstelle von Umweltrecht und Menschenrechten für die kanadische Regierung und für NGOs. Gast auf der Stuttgarter Party war auch Cem Özdemir. „Ich kenne Stuttgart länger, als ich Cem kenne. Aber hier haben wir uns kennengelernt“, erzählt Zaka. Seit dem Spätsommer 2025 wohnt das Paar zusammen in der Landeshauptstadt, im Februar 2026 gaben sich die beiden im Tübinger Rathaus das Ja-Wort, getraut von Oberbürgermeister Boris Palmer.
Kontrastprogramm zur Vorgängerin Gerlinde Kretschmann
Seit dem Wahlsieg Özdemirs richteten sich die Scheinwerfer aber erst recht auf die Juristin an seiner Seite. Wird sie im Alltag schon als neue „First Lady“ angesprochen? „Ja, aber das ist keine Veränderung, die ich herausfordernd finde“, berichtet sie. „Die Menschen kommen mit Wärme und Freude auf mich zu. Das gibt mir sehr viel Energie.“
Die polyglotte Literatur-, Kunst- und Ballettfreundin, die täglich Yoga praktiziert und sich mit Haltung und Körperspannung einer Tänzerin bewegt, wird als Ehefrau des Regierungschefs von Auftritt und Generation her ein Kontrastprogramm zu ihrer überaus beliebten Vorgängerin Gerlinde Kretschmann sein. Ob sie wie diese auch ehrenamtlich tätig werden möchte, darauf hat sie sich noch nicht festgelegt.
In einem Interview mit unserer Redaktion im Februar sagte Zaka aber bereits: „Grundsätzlich bin ich ein sehr offener Mensch, nutze gerne Gelegenheiten, um neue Menschen kennenzulernen und noch tiefer einzutauchen in dieses Land, das so viele faszinierende Seiten hat. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass einige meiner intensivsten und prägendsten Erfahrungen der letzten Jahre aus ehrenamtlicher Arbeit stammen.“ In diese sei sie immer mit einem Gefühl der Dankbarkeit hineingegangen, sagte sie damals. „Es ist ein Geschenk, etwas weitergeben zu dürfen, so klein es auch sein mag. Und es kommt so viel zurück.“
Vorerst gilt es für die mehrsprachige Zaka, die deutsche Sprache und vor allem Rilkes Lyrik liebt, auch an ihrem mundartlichen Sprachschatz zu arbeiten. Am Schwäbischen, wie es der neue „Minischderpräsident“ an ihrer Seite pflegt, mag sie besonders den Sprachrhythmus, wie sie sagt. Auf ein Lieblingswort hat sie sich aber noch nicht festgelegt. „Aber als Neu-Stuttgarterin vielleicht ‚Stäffele‘“, sagt sie.
Mit der Stadtbahn in die Villa Reitzenstein
Wenig später nehmen Flavia Zaka und Cem Özdemir aber vom Landtag hinauf ins Staatsministerium weder zu Fuß die Stäffele, wie die vielen langen, steilen Treppenfluchten am Stuttgarter Talkessel genannt werden, noch die Dienstlimousine. Sie fahren mit der Stadtbahn. Winfried Kretschmann, Ministerpräsident a.D., empfängt das Paar am Portal der Villa Reitzenstein, am „schönsten Regierungssitz Deutschlands“, wie Kretschmann sagt. Für Özdemir beginnt kurz darauf mit der ersten Kabinettssitzung am Nachmittag die Regierungsarbeit.