Medaillen und noch viel mehr

Die Paralympics zeigen außer sportlichen Leistungenauch Lebenswege voller Schmerz, Mut und Hoffnung.

Von Eidos Import

Die paralympischen Winterspiele 2026 sind vorbei, nach 79 Medaillenentscheidungen in sechs Sportarten. Was bleibt von den vergangenen zehn Tagen, in denen Athletinnen und Athleten aus 50 Nationen um Medaillen gekämpft, ihre Siege bejubelt, ihr Scheitern beweint, das Dabeisein gefeiert haben?

Vor allem der Respekt vor den gezeigten Leistungen, ganz gleich, ob diese nun aufs Treppchen geführt haben oder nicht. Aber auch der Respekt vor den Lebensleistungen der Sportlerinnen und Sportler mit Behinderung, dem Ehrgeiz, der sie nach oben und in die Lage gebracht hat, sich mit den Besten auf der Welt zu messen.

Zu denen gehören die Parasportler aus Russland und Belarus, die in Mailand und Cortina wieder mitmischten, mit eigener Flagge und Hymne. Vor allem für die Athletinnen und Athleten aus der Ukraine – ein Land, das sich seit mehr als vier Jahren gegen den brutalen russischen Angriffskrieg wehrt – kam das einem Schlag ins Gesicht gleich. Sie dürften sich wie im falschen Film gefühlt haben.

Auch bei anderen Aktiven ist das Go für Russen und Belarussen auf Ablehnung gestoßen. Viele, darunter das deutsche Team, haben aus Solidarität mit den Ukrainern die Teilnahme an der Eröffnungsfeier boykottiert und damit zumindest mal ein Zeichen gesetzt. Der Aggressor aus dem Kreml, Russlands Präsident Wladimir Putin, dürfte sich dennoch als heimlicher Sieger dieser Paralympics fühlen. Bei den olympischen Winterspielen kurz zuvor hatten die Aktiven aus Russland und Belarus lediglich als „neutrale olympische Athletinnen und Athleten“ starten dürfen. Nun sind einige von Putins Sportlerinnen und Sportlern also zurück auf der Weltbühne, während auf Kiew täglich Bomben fallen.

Dass Oksana Masters, der wahrscheinlich größte Star der Para-Sport-Szene, einst im ukrainischen Teil der Sowjetunion geboren wurde, gehört zu den makabren Geschichten dieser Paralympics. Die 36-Jährige kam 1989 im Schatten von Tschernobyl auf die Welt, wo es drei Jahre zuvor den Super-Gau im Atomkraftwerk gegeben hatte. Und mit körperlichen Fehlbildungen, mutmaßlich eine Folge der Strahleneinwirkung. Die kleine Oksana wuchs in einem Waisenhaus auf, in dem sie eigenen Angaben zufolge misshandelt und missbraucht wurde. Mit sieben wurde sie von einer US-Amerikanerin adoptiert. Es war die Rettung, auch wenn ihr in den USA beide Beine amputiert werden mussten. Da war sie gerade mal 9 und 14 .

Heute ist Oksana Masters 36. Mehr als 100 000 Menschen folgen ihr auf Social Media. Auf Instagram und Co. berichtet sie regelmäßig über ihre Aktivitäten, das Training, ihren Sport. Und auch darüber, welche Hindernisse Menschen mit Handicap im täglichen Leben überwinden müssen. Am vergangenen Freitag gewann die Ausnahmeathletin ihre zehnte Goldmedaille bei Paralympischen Spielen für die USA. Chapeau.

Wie Oksana Masters verbinden viele andere Paralympics-Teilnehmende den sportlichen Erfolg mit bewegenden Lebensgeschichten – und dem Willen, davon zu berichten. Dazu gehört Kathrin Marchand, 36. Vor sechs Jahren erlitt die Kölnerin einen Schlaganfall, der ihr Leben radikal änderte. Im Para-Sport fand Marchand, die bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro als Ruderin teilgenommen hatte, Halt.

Das Leben kann grausam sein, aber auch schön und erfüllend. Wer wüsste das besser als Oksana Masters, Kathrin Marchand und die Para-Sportler? Sie haben, wenn man so will, der Fügung die Stirn geboten. Ihr Behauptungswille ist vorbildlich, nicht nur für Menschen mit Beeinträchtigungen.