Audi-Chef Gernot Döllner steht für seinen Auftritt mit US-Präsident Trump in der Kritik. (Archivbild)
Die Menschen in Deutschland sehen den Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump am Wochenende mehrheitlich kritisch. In einer repräsentativen Umfrage von YouGov sagten 39 Prozent der Befragten, dass sie es „überhaupt nicht angemessen“ finden, dass Döllner dort den Bau eines Werks in den USA angekündigt hat. Weitere 18 Prozent finden es „eher nicht angemessen“.
Das sind deutlich mehr als die Befürworter: 7 Prozent finden den Auftritt kurz vor den Zwischenwahlen in den USA „voll und ganz angemessen“, weitere 11 Prozent „eher angemessen“. Allerdings sagen auch 25 Prozent der Befragten, dass sie keine Meinung haben, oder sich nicht äußern wollen. Am 26. Oktober wurden 2.725 Erwachsende ab 18 Jahren dazu befragt. Die Ergebnisse sind laut YouGov repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.
Der Audi-Chef war am Wochenende zusammen mit Donald Trump auf einer Wahlkampfbühne aufgetreten und hatte dort den Bau eines eigenen US-Werks im Bundesstaat Georgia angekündigt. Seither steht er in der Kritik von verschiedenen Seiten, sogar sein Rücktritt wurde bereits gefordert. Audi hat eigentlich interne Richtlinien, die Auftritte im Wahlkampf kurz vor Wahlen verbieten. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an.
Verständnis aus der bayerischen Politik
Döllner hat seinen Auftritt, der auch in der Belegschaft Irritationen ausgelöst hatte, als im Interesse des Unternehmens verteidigt. Im Rahmen der Gespräche zum Werk in Georgia sei man gebeten worden, „unsere Pläne gemeinsam mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika öffentlich vorzustellen“. Er hat bereits am Wochenende klargemacht, dass man eine solche Einladung nicht ablehne. Das gebiete alleine der Respekt vor dem Amt.
Unterstützung bekommt Döllner für diese Sichtweise vom bayerischen Wirtschaftsminister. Er sei „Realist genug, um zu wissen, wie solche Dinge ablaufen“, sagte Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Döllner sei „nicht gut beraten, als Audi-Chef zu sagen, nein, ich gehe nicht auf eine Wahlkampfveranstaltung, wenn er dort eingeladen ist.“ Aiwanger ist vielmehr überzeugt, dass es Döllner für die amerikanischen Absatzzahlen „eben nutzt, dort präsent zu sein“.
Die Entscheidung für das Werk mit rund 4.500 Arbeitsplätzen ist jedenfalls kein Alleingang. Von der Konzernmutter VW heißt es, deren Chef „Oliver Blume war von Anbeginn in alle Planungen eingebunden“. Darüber hatte zuvor die „Wirtschaftswoche“ berichtet.
Audi ist derzeit stark unter Druck. Die Absätze und Erträge sind seit Jahren im Sinkflug, das Unternehmen hat bereits Stellen abgebaut und weiterer Jobabbau steht im Raum. Anders als die Konkurrenten BMW und Mercedes haben die Ingolstädter aber kein eigenes Werk in den USA. Trumps Zölle treffen sie also besonders hart. Das schlägt sich auch in den Absatzzahlen nieder: Im dritten Quartal sackten sie bei Audi nicht nur - wie bei allen deutschen Herstellern - in China ab, sondern auch in den USA.
Wie sich das auf Gewinn und Umsatz ausgewirkt hat, ist noch nicht bekannt. Audi veröffentlicht diese Zahlen erst am Freitag. Es ist aber zu befürchten, dass sich der Abwärtstrend auch hier bemerkbar macht. Im ersten Halbjahr hat Audi auf Ebene des Teilkonzerns, zu dem auch Bentley, Ducati und Maserati gehören, einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro gemacht. Zum Vergleich: bei BMW waren es auf Konzernebene mehr als 4 Milliarden.
In den USA nicht profitabel
Döllner hatte zudem in seiner Erklärung für die Notwendigkeit eines Werks in den USA betont, dass Audi in den USA derzeit nicht profitabel arbeite und ein Werk dort brauche, weil es „von großer strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung“ sei. Das wird allgemein anerkannt.
In den USA will Audi SUVs bauen, unter anderem den neuen besonders großen und damit auf den US-Markt zugeschnittenen Q9.
Unterdessen fordert die IG Metall Zusagen für das von der Schließung bedrohte Werk des Autobauers in Neckarsulm. „Dort (in den USA) werden Investitionen verkündet, während hier Beschäftigte um Arbeitsplätze bangen“, kritisierte IG-Metall-Chefin Christiane Benner im ZDF-„Morgenmagazin“. Sie kündigte an, jetzt massiv darauf zu drängen, „dass wir Perspektiven vom Vorstand bekommen für die Standorte und auch für den Standort Neckarsulm“.
Döllner hatte zuletzt betont, dass die Pläne für das US-Werk „keine Entscheidung gegen Deutschland, sondern ein wichtiger Beitrag zur globalen Wettbewerbsfähigkeit von Audi“ seien. Benner sagte dazu: „Na, wenn das so ist, dass das keine Entscheidung gegen Deutschland ist, dann kann das jetzt ja in Zusagen umgemünzt werden für die Beschäftigten.»
Der Mutterkonzern VW hatte Anfang September 2026 einen Sparplan beschlossen, der dem baden-württembergischen Standort Neckarsulm noch ein Jahr Zeit gibt, ein tragfähiges Konzept vorzulegen, um die Kosten zu senken. Sonst droht dem Werk die Stilllegung. Sollte Audi das Werk dichtmachen, rechnen Wirtschaftsexperten mit dem Verlust von etwa 50.000 Arbeitsplätzen in der Region.
Donald Trump lud Döllner auf die Bühne ein - viele Menschen sehen es kritisch, dass er annahm.
IG-Metall-Chefin Christiane Benner fordert Zusagen für Deutschland. (Archivbild)