Experte Kemal Üres spricht Klartext: Wer glaube, die Bewirtung nur mit Festangestellten stemmen zu können, habe „in seinem Leben noch nie selbst in einem Restaurant gestanden“.
Der gebürtige Konstanzer kämpft auch in Sachen Mehrwertsteuer für die Belange der Gastronomie.
Von Michael Maier
Die Bundesregierung will die Minijob-Regelungen verschärfen und Ausnahmen künftig nur noch für Schülerinnen und Schüler gelten lassen. Selbst Studenten und Rentner sollen außen vor bleiben. Für Kemal Üres, Gastronom, Gründer der Gastro Business School und bekannt aus dem Format „Kemal rettet“, ist das ein Angriff auf das Fundament der Branche.
Kemal Üres, der 1977 in Konstanz geboren wurde und seit 1999 in Hamburg lebt, hat sich von der Pike auf hochgearbeitet – im wahrsten Sinne des Wortes vom Tellerwäscher zum Millionär.
Nach dem Schulabschluss folgte eine Ausbildung im kaufmännischen und gastronomischen Bereich und mit 19 Jahren avancierte er im Hamburger „Park Hyatt“ zum jüngsten Abteilungsleiter weltweit. 2002 übernahm er das Hamburger Restaurant La Paz, 2009 gründete er das Cateringunternehmen „DAILY YOU Group“.
Herr Üres, die Bundesregierung plant eine drastische Einschränkung der Minijobs. Was bedeutet das für die Gastronomie?
„Die geplante Verschärfung der Minijobs ist der nächste Schreibtisch-Beschluss aus Berlin, der in der harten Gastro-Realität fatale Folgen haben wird. Wer glaubt, dass wir das hochflexible Geschäft an den Wochenenden und an Feiertagen künftig nur mit Vollzeitkräften stemmen können, hat in seinem Leben noch nie selbst in einem Restaurant gestanden. Diese Pläne gehen komplett an der betrieblichen Wirklichkeit vorbei!“
Warum sind Minijobber für Gastronomen so unverzichtbar – kann man das nicht durch mehr Festanstellungen auffangen?
„In der Gastronomie sind wir extremen Schwankungen ausgesetzt – wir müssen flexibel auf das Wetter reagieren, auf die Ferien, auf spontane Events. Dafür brauchen wir eine breite Masse an Aushilfen, um funktionierende Dienstpläne zu schreiben. Wenn wir künftig gezwungen werden, nur noch mit Festangestellten zu arbeiten, kollabiert die Gastro, sobald einer krank wird oder im Urlaub ist. Minijobber fangen diese Spitzen ab! Nur mit ihnen können wir eine saubere Verteilung sichern, die am Ende einen guten, schnellen Service für den Gast garantiert. Hier sind wieder reine Theoretiker am Werk, die die Experten aus der Praxis einfach nicht fragen.“
Die Politik suggeriert, viele Arbeitgeber würden ihre Mitarbeiter absichtlich im Minijob-Status halten. Ein fairer Vorwurf?
„Frau Nahles und die Arbeitsmarktexperten tun so, als würden Gastronomen ihre Mitarbeiter absichtlich in Minijobs festhalten. Das ist schlichtweg falsch! Viele unserer Mitarbeiter – ob Rentner, Hausfrauen oder Menschen, die sich in Zeiten der Inflation neben ihrem Hauptberuf etwas dazuverdienen müssen – wollen diese Flexibilität. Nimmt man diesen Anreiz durch volle Sozialabgaben weg, bleiben diese Menschen zu Hause. Wir verlieren damit unsere wichtigsten Stützen im Service, und der ohnehin dramatische Personalmangel eskaliert völlig.“
Und dann schiebt Kemal Üres noch einen Gedanken nach, der ins aktuelle Umfeld passt: „Erst die realitätsferne Debatte der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer, dass die Rückkehr zur 7-Prozent-Mehrwertsteuer in der Gastro nichts bringe, und jetzt soll auch noch eine der wichtigsten Säulen unserer Personalplanung wegbrechen. Das ist der Todesstoß für den gastronomischen Mittelstand!“