Nationalmannschaft

Mit klarer Botschaft – so geht Nagelsmann die WM-Mission an

Der Bundestrainer richtet erste Worte an die Nationalspieler – und entscheidet gleich, ob Manuel Neuer am Sonntag im Testspiel gegen Finnland das Tor hütet.

Mit klarer Botschaft – so geht Nagelsmann die WM-Mission an

Der Bundestrainer Julian Nagelsmann (links) startet mit DFB-Sportdirektor Rudi Völler die heiße WM-Vorbereitung.

Von Carlos Ubina

Die WM-Mission beginnt. Mit ausgesprochen guter Laune. Julian Nagelsmann strahlt positive Energie aus. Endlich macht er wieder, was er in seinem Berufsleben am liebsten tut und auch kann: Fußball vermitteln. Auf dem Platz, mit einer Mannschaft. Die seiner Meinung nach 26 besten Spieler des Landes hat der Bundestrainer dafür ausgewählt, nun um sich versammelt – und Nagelsmanns erste Aufgabe in den nächsten Tagen wird sein, damit loszulegen, aus der Ansammlung von Stars wieder eine Einheit zu bilden. Wie es ihm schon einmal gelungen ist. Zur Heim-EM 2024.

Damals ging die konkrete Turniervorbereitung auch in Herzogenaurach los, das sogenannte Home Ground blieb das geschätzte Teamquartier über die nächsten Wochen und seither kehrt die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) immer wieder gerne auf das Gelände des Noch-Ausrüsters Adidas zurück. Beste Voraussetzungen herrschen in Franken, und für die Nationalspieler ist der ruhige Fleck auf dem großen Areal des Sportartikelriesen zu einer Wohlfühloase mit kurzen Wegen geworden.

Hier, in vertrauter Umgebung, will Nagelsmann sein Titelprojekt weiterentwickeln und verfeinern, ehe es möglichst am 19. Juli in New York enden soll, im WM-Finale. Denn am Ziel hat sich nichts verändert: Weltmeister werden. Diese Aussage hat Nagelsmann nach dem Viertelfinal-Aus bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren getroffen – und der Bundestrainer hält daran fest. Trotz allem. Oder gerade wegen der wachsenden Skepsis und zunehmenden Kritik.

Bei Nagelsmann kann man sich aktuell ja nicht sicher sein, aus welchen Beweggründen er etwas tut. Das betrifft sein Auftreten im Allgemeinen sowie die Mannschaftsführung im Konkreten oder die Torwartfrage im Speziellen. Doch die erste Botschaft des Bundestrainers an die Profis ist klar formuliert und soll die Vorbereitung prägen: „Der nächste Schritt ist entscheidend. Es geht allein um die nächste Aufgabe, das nächste Training, das nächste Spiel. Die Spieler sollen sich im Hier und Jetzt befinden.“

Am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) steht in Mainz das Testspiel gegen Finnland an. Die vorletzte Möglichkeit vor dem Mammutturnier, Abläufe zu festigen und Alternativen zu erproben. Manuel Neuer wird dann allerdings nicht spielen. Der Schlussmann des FC Bayern erhält aufgrund seiner Wadenprobleme noch eine Pause. Um nichts zu riskieren, wie Nagelsmann ausführt. Der Bundestrainer hat diese Entscheidung nach Rücksprache mit dem Münchner getroffen. Sorgen um den Fitnesszustand des 40-Jährigen müsse man sich nicht machen. Dennoch kommt gleich nach der Rückholaktion die zuvor präferierte Lösung zum Tragen: Der Hoffenheimer Oliver Baumann hütet den Kasten.

Der Salto rückwärts zwischen den Pfosten zählt zu den zahlreichen Widersprüchen, die sich in den vergangenen Monaten aufgetan haben, auf und außerhalb des Rasenrechtecks. Denn über ein Jahr lang ließ sich nach der Heim-EM die Geschichte erzählen, dass die DFB-Elf äußerst unglücklich gegen den späteren Europameister Spanien ausgeschieden war. Sich sportlich aber auf Augenhöhe mit dem stärksten Team des Turniers bewegte. Während der Endrunde der Nations League ein Jahr später in München und Stuttgart wurde aber offensichtlich, dass der Abstand zu den Spitzenländern wie Portugal, Frankreich und Spanien beträchtlich ist. Von der Selbstverständlichkeit des Siegens blieb nach zwei Niederlagen nicht viel übrig.

Die wechselhafte WM-Qualifikation bestätigte den Eindruck und warf immer mehr Fragen auf anstatt sie zu beantworten. Wie sieht die Abwehr aus? Wer besetzt das zentrale Mittelfeld? Welche Offensivkräfte passen am besten zusammen? Von einer eingespielten Formation ist das DFB-Team wenige Wochen vor dem ersten WM-Anpfiff am 14. Juni in Houston gegen Curaçao ein gutes Stück entfernt – auch aufgrund von vielen Verletzungen. Aber ebenso aufgrund von Umstellungen und Personalrochaden.

An der Überzeugung, dass Nagelsmann der richtige Mann an der richtigen Stelle ist, lässt der DFB-Sportdirektor Rudi Völler jedoch keinen Zweifel. „Das Wichtigste ist immer, dass die Nominierungen aus rein sportlichen Gründen getroffen werden“, sagt der 66-Jährige, der in Nordamerika seine fünfte WM erleben wird – in der dritten Rolle für den DFB nach Spieler und Teamchef. Völler entpuppt sich dabei nicht nur als Nagelsmann-Fan, sondern er versteht sich vor allem als Schutzschild des Bundestrainers.

„Wenn Gegenwind kommt, bin ich ja auch noch da“, sagt Völler und weiß aus eigener Erfahrung, dass es einen guten Teamgeist braucht, um erfolgreich zu sein. „Der stellt sich aber nicht durch Quatscherei ein“, sagt der frühere Stürmer, der 1994 bei der WM in den USA nicht nur sein letztes Tor im Nationaltrikot erzielte, sondern erlebte, wie eine hervorragend besetzte Elf scheiterte. Weil es in der Nationalmannschaft nicht stimmte. Das soll sich auf der jetzigen Abenteuerreise nicht wiederholen.