Grenzschließung zu Österreich

Nach dem Brenner wird auch der Fernpass gesperrt

Blockaden am Brenner und auch am Fernpass drohen den Sommerreiseverkehr 2026 lahmzulegen. Bürgerinitiativen nehmen gezielt sensible Ferien-Samstage ins Visier.

Nach dem Brenner wird auch der Fernpass gesperrt

Stau schon am Grenztunnel Füssen (Archiv) – an zwei Tagen soll es hier kein Durchkommen geben.

Von Michael U. Maier

Die Hiobsbotschaften für den alpenquerenden Urlaubs- und Transitverkehr reißen nicht ab. Nachdem die angekündigte Großblockade auf der Brennerautobahn (A13) am Samstag, 30. Mai, bereits für erhebliche Unruhe sorg, folgt nun der nächste Paukenschlag: Auch auf der Fernpass-Bundesstraße (B179) wird es zu zeitweisen Vollsperrungen kommen.

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Was sich am Brenner als Protest gegen den internationalen Lkw-Transit formiert, setzt sich auf Tirols wichtigster Bundesstraße als Widerstand gegen die regionale Verkehrspolitik fort. Autofahrer müssen sich auf massive Behinderungen einstellen.

Fernpass-Blockade: Abschnitte und Termine

Die Bürgerinitiative „Gurgltal, Außerfern, Mieminger Plateau“ legt den Verkehr auf der Fernpassstrecke lahm. Die behördlich genehmigten Sperrungen treffen den Reiseverkehr exakt zu sensiblen Zeitpunkten des Sommers:

Betroffene Abschnitte: Die Vollsperrung erfolgt zwischen Reutte/Katzenberg (Außerferner Seite) und Nassereith/Rastland (Imster Seite). Zwei Stunden lang ist der Pass in beide Fahrtrichtungen komplett unpassierbar.

Für Samstag, den 1. August 2026, ist eine weitere Demonstration im selben Zeitfenster angemeldet. Die Behörden wollen die Genehmigung dieses zweiten Termins auf Basis der Erfahrungen des ersten Protesttages noch eingehend prüfen.

Der 27. Juni markiert den offiziellen Sommerferienstart in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Die zweistündige Sperrung liegt somit genau im Hauptreisefenster des Samstagsverkehrs.

Protest gegen Fernpass-Tunnel mit Maut und Schleichverkehr

Während die Proteste am Brenner die allgemeine Überlastung der Transitroute anprangern, richtet sich der Widerstand am Fernpass gegen ein konkretes Infrastrukturprojekt: das sogenannte „Fernpass-Paket“ der Tiroler Landesregierung.

Dieses Paket beinhaltet den Bau eines neuen Fernpasstunnels (geplante Fertigstellung schon ab 2027) sowie die Einführung einer streckenbezogenen Pkw-Maut ab voraussichtlich 2028/2029, die sich nach aktuellen Plänen auf etwa 14 Euro pro Fahrt belaufen soll. Die lokalen Bürgerinitiativen sehen in dem Tunnelprojekt keine Entlastung, sondern befürchten eine Kapazitätserweiterung, die langfristig noch mehr Individualverkehr in die ohnehin belasteten Täler ziehen sollte.

Pförtnerampel und KI-System vor dem Grenztunnel?

Gefordert werden stattdessen ein Ausbau der Schieneninfrastruktur und digitale Dosiersysteme mit Künstlicher Intelligenz an den Grenzen. Das könnte gegebenenfalls schon am Übergang Füssen/Reutte greifen, also vor der Einfahrt in den Grenztunnel auf deutscher Seite.

Da die Fernpass-Bundesstraße an Samstagen an ihrer Kapazitätsgrenze operiert, führt eine zweistündige Komplettsperrung zu einem massiven Rückstau, der sich weit nach Deutschland hinein erstrecken wird. Verkehrsclubs erwarten kilometerlange Rückstaus auf der Bundesautobahn 7 vor dem Grenztunnel Füssen. Die Auflösung dieser Staus wird voraussichtlich bis in den späten Nachmittag andauern.

Fernpass: Landstraßen am 27. Juni und 1. August verboten

Das Umfahren der gesperrten Passage über das niederrangige Straßennetz in den Bezirken Reutte und Imst ist für den reinen Durchgangsverkehr gesetzlich verboten. Die Behörden kontrollieren die Zufahrten zu den Dörfern. De facto läuft das auf eine zweistündige lokale Grenzschließung zwischen Deutschland und Österreich hinaus. Die Verbindung zwischen dem Allgäu und dem Tiroler Bezirk Außerfern ist dann zumindest für den überregionalen Verkehr gekappt.

Die Fahrverbote auf den Ausweichstrecken sind zudem in den europäischen Verkehrsdatenbanken hinterlegt, sodass Navigationssysteme keine Schleichwege durch die Anrainergemeinden anzeigen sollen.

Ausweichrouten für Fernpass und Brenner

Wer am 27. Juni oder am 1. August die Nord-Süd-Achse nutzen muss, sollte den Fernpass weiträumig umfahren. Je nach Start- und Zielort bieten sich Routen über die Schweiz oder die Tauernautobahn an, wobei auch dort mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen ist. Hilfreich ist auch der Reisezeiten-Kalkulator des österreichischen Autobahnbetreibers Asfinag.

Die sicherste Option zur Vermeidung extremer Wartezeiten bleibt die Verschiebung des Reisetages auf den vorausgehenden Freitag oder den folgenden Sonntag.