Der Führerschein soll günstiger werden, sagt die Bundesregierung. Verkehrsminister Schnieder stellt weiterentwickelte Vorschläge vor. Dürfen bald Eltern oder Freunde bei der Ausbildung helfen?
Ein neues Preisschild wollte der Minister nicht nennen.
Von Von Andreas Hoenig, dpa
Berlin - Digitaler, einfacher, schneller - und günstiger: Das sind die Ziele einer umfassenden Führerschein-Reform in Deutschland. Fahrschüler sollen Ausbildungsfahrten auch mit den Eltern machen können. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) konkretisierte nach einer Arbeitsgruppe von Bund und Ländern Vorschläge, die er im vergangenen Oktober gemacht hatte. Kein Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, sagte Schnieder. "Das ist und bleibt die rote Linie."
Kosten sollen runter
"Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer", sagte der Minister in Berlin. Die Kosten für einen Pkw-Führerschein lägen im Durchschnitt bei rund 3.400 Euro. In der Spitze gehe das bis auf 4.000 oder 4.500 Euro in einzelnen Regionen hoch. "Das ist für Jugendliche oder Berufseinsteiger ein ziemlicher Batzen Geld, für manche unbezahlbar." Wenn man an Familien mit zwei oder drei Kindern denke, sehe man das Ausmaß der Kosten. Deshalb solle die Fahrausbildung so reformiert werden, dass die Kosten sinken.
Kernpunkte der Reform
In Deutschland sei über Jahrzehnte ein hochkomplexes Regelwerk entstanden, das weit über das notwendige Mindestmaß hinausgingen, sagte Schnieder mit Blick auf EU-Vorgaben. Das ist konkret geplant:
Laienausbildung
Bereits im Oktober hatte das Ministerium von einer "Experimentierklausel" gesprochen. "Nahestehende Personen" sollten in die Fahrausbildung einbezogen werden können - in der Regel dürften das die Eltern sein. Die Grundidee: Bereits im Rahmen der Fahrausbildung sollen Fahrschülerinnen und Fahrschüler deutlich mehr Fahrpraxis gewinnen - und damit besser auf die Prüfung vorbereitet werden. Das Stichwort: Laienausbildung. In Österreich werde dies erfolgreich gemacht.
In dem nun vorgelegten Papier heißt es, die Regelung solle zeitlich befristet auf fünf Jahre eingeführt werden. Nach einer erfolgreichen theoretischen Prüfung und sechs Fahrstunden in der Fahrschule sollen Fahrschüler in der Laienausbildung 1.000 Kilometer Fahrpraxis in Begleitung sammeln, die per Fahrtenbuch festgehalten werden. Danach soll es wieder in die Fahrschule gehen, bei der dann unter anderem noch die Sonderfahrten gemacht werden. Für Laienausbilder sollen Anforderungen gelten - so müssen sie den Pkw-Führerschein seit mindestens sieben Jahren besitzen und dürfen nicht mehr als einen Punkt in Flensburg haben.
Kein neues Preisschild
Es hänge kein "festes Preisschild" an der Reform, sagte Schnieder. Die Kosten richteten sich auch danach, welche Fahrschule welche Maßnahmen umsetze. Der Minister nannte als Beispiel aber Luxemburg und Belgien - die Länder hätten dieselben EU-Vorgaben. In Luxemburg koste der Führerschein im Durchschnitt 1.500 Euro, in Belgien 2.000 Euro.
Seit den Ankündigungen Schnieders, dass der Führerschein günstiger werden solle, ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Viele potenzielle Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein günstiger wird.
Der Minister hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März. Danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden.
Kostentreiber Wiederholungsprüfung
Viele Fahrschülerinnen und Fahrschüler scheitern in der Theorie- und Praxisprüfung - das treibt die Kosten. Im vergangenen Jahr fielen 44 Prozent durch die Theorieprüfung und 37 Prozent durch die praktische Prüfung. Das zeigt ein aktueller Datenreport des Tüv-Verbands. Die Zahlen beziehen sich auf den Pkw-Führerschein der Klassen B und B17 - B17 steht für begleitetes Fahren ab 17.
Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung für die Betroffenen, sagte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität beim Tüv-Verband. "Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen."
Tüv warnt vor Abstrichen bei der Sicherheit
Kritisch bewertet der Verband Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen zielten – etwa bei der Fahrzeit, Prüfungsdauer und im Fragenkatalog. Es dürfe keine "Fahrprüfung light" geben‘, bei der Effizienz vor Gründlichkeit stehe. Das bisher erreichte Sicherheitsniveau bei der Fahrausbildung könne mit den von Schnieder geplanten Maßnahmen nicht gehalten werden.
Ziel: Die Kosten für den Führerschein senken. (Archivbild)
Theoretische Führerscheinprüfung: 30 Prozent weniger Fragen geplant. (Archivbild)