Fußball-Nationalmannschaft

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Nach der Tor-Party gegen Curaçao reist der DFB-Tross sofort zurück ins WM-Camp. Während des Fluges gewinnt auch die Elfenbeinküste. Wie es nach dem besonderen 7:1-Ergebnis nun weitergeht.

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Da wächst etwas zusammen: Die deutsche Jubeltraube nach dem zweiten Tor.

Von Von Klaus Bergmann, Arne Richter und Jan Mies, dpa

Houston/Winston-Salem - Nach einem WM-Start zum Träumen war Julian Nagelsmann in Geberlaune. Der Bundestrainer mochte nach dem 7:1-Torfest gegen Curaçao, das in der mehr als 8.000 Kilometer von Houston entfernten Heimat die totale Lust auf einen triumphalen Fußballsommer entfachte, zwar nicht von einer "besonderen Belohnung" sprechen. Aber das bedeutete sie natürlich für das Team um die famosen Turnierdebütanten Nathaniel Brown und Felix Nmecha: Nagelsmann belohnte die Spieler mit Freizeit und Familienbesuch.

Der jüngste Turniercoach war nach seinem auch persönlich top gelungenen WM-Einstand als Trainer "sehr, sehr zufrieden". Bevor es eilig in der deutschen Nacht mit dem Charterflieger inklusive einiger Spielerfrauen und auch Kindern an Bord sofort zurück ins Basecamp nach Winston-Salem ging.

"That was great, that was awesome"

Im Teamhotel The Graylyn Estate wurde der DFB-Tross im Dunklen vom Personal bejubelt. Eine Frau rief: "That was great, that was awesome." Großartig und toll war der Auftakt tatsächlich. Auf das nun vorentscheidende Spiel über den Gruppensieg am Samstag (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Toronto gegen die Elfenbeinküste müssen die Spieler trotzdem erst ab Mitte der Woche den Fokus richten. Erstmal heißt es: genießen und relaxen.

Am Tag nach der Rückkehr aus Texas mit dem üblichen Spielersatztraining für die Reservisten und einer Regenerationseinheit "für die Jungs, die gespielt haben", folgt ein komplett freier Dienstag mit Ausgang und Family-Time. "Und danach bereiten wir uns vor auf den nächsten Gegner, die nächste Aufgabe. Und die heißt jetzt Côte d'Ivoire, oder Elfenbeinküste", sagte Nagelsmann.

Das Team aus Afrika um den Leipziger Jungstar Yan Diomande besiegte in Philadelphia Ecuador durch ein Last-Minute-Tor mit 1:0, als Nagelsmann mit dem DFB-Tross im Flugzeug saß. Ein zweiter Sieg und sechs Punkte, das würde einen weiteren Euphorie-Schub auslösen, den Glauben an Großes beflügeln. 

Groß zu denken, dafür ist auch Nagelsmann bekannt. Aber bei seinem zweiten Turnier verordnet der in Kürze 1000-Tage-Bundestrainer sich und seinem Team ein Denken in Etappen. "Wir haben der Mannschaft eingetrichtert, dass wir uns immer nur auf die nächste Aufgabe blicken, um Entwicklungsschritte zu gehen. Die beiden Gegner, die jetzt kommen, sind schon richtig, richtig gut", erklärte Nagelsmann. 

Aber klar: Jetzt, wo das Vorrunden-Trauma von Russland 2018 und Katar 2022 schon nach der ersten von idealerweise acht WM-Partien abgeschüttelt ist, wollen die Spieler um Kapitän Joshua Kimmich - und auch Nagelsmann - mehr.

"Wir werden jetzt nicht die Füße hochlegen"

Viel mehr! "Wir werden jetzt nicht die Füße hochlegen und die anderen zwei Gruppenspiele entspannt angehen", versicherte Nagelsmann. Den zweithöchsten WM-Sieg mochte der 38-Jährige nicht größer reden, als er war. Aber auch nicht kleiner machen, als er ist.

Die WM-Neulinge von der Karibik-Insel waren nicht ansatzweise ein Titelmaßstab. Und trotzdem: "Am Ende musst du auch erstmal sieben Tore schießen", befand Nagelsmann. Ihn freute die Vielfältigkeit der Tore: "Wir haben Tore aus Standards gemacht, Tore aus Ballbesitz, Tore aus Umschaltaktionen nach Ballgewinn."

Und dazu auch der "gute Mix von Torschützen". Drei WM-Debütanten trafen - Nmecha, Brown und Edeljoker Deniz Undav. Dazu drei Akteure, die ihr zweites WM-Turnier spielen - Doppel-Torschütze Kai Havertz, der erstarkende Jamal Musiala und Nico Schlotterbeck. 

Natürlich löste das Ergebnis Erinnerungen aus. 7:1 - da war doch was. "Jetzt weiß Curaçao, wie es ist", schrieb die brasilianische Zeitung "O Globo" und spielte damit natürlich auf den deutschen Jahrhundertsieg auf dem Weg zum WM-Titel 2014 in Belo Horizonte an.

2014-Weltmeister Neuer ordnet das Ergebnis ein

Der beste Experte für die Einordnung des Erfolgs war darum Manuel Neuer nach seinem DFB-Comeback. "So in ein Turnier gestartet zu sein, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt einem Zuversicht und Ruhe. Dennoch wissen wir: Das war kein Halbfinale gegen Brasilien mit dem 7:1", sagte der 40-Jährige, der beim letzten Weltmeister-Titel vor zwölf Jahren auch im Tor stand.

Curaçao war eher ein Sparringspartner wie Saudi-Arabien beim 8:0, dem höchsten deutschen WM-Sieg im Auftaktspiel 2002 in Japan und Südkorea. Da startete Rudi Völlers Mannschaft um Oliver Kahn und Michael Ballack, der auch wenig bis nichts zugetraut wurde, anschließend durch bis in Finale.

Neuer erinnerte an das 4:0 gegen Portugal zum WM-Auftakt 2014. "Man kann Parallelen nicht wirklich ziehen, aber ich glaube, dass wir alle Möglichkeiten haben mit dieser Mannschaft", sagte er nun in Texas. Energie, Zusammenhalt, Charakter - diese drei Erfolgsfaktoren sieht er im aktuellen WM-Kader, dem leider das verletzte Bayern-Duo Serge Gnabry und Lennart Karl fehlt. 

Die zielführenden Entscheidungen des Bundestrainers

Und sie haben einen jungen, manchmal zu forschen Trainer, der nach einigen Kommunikationspannen rund um das Neuer-Comeback oder Undav-Debatten kluge und zielführende Entscheidungen trifft. Der Mut mit dem unerfahrenen Frankfurter Brown links hinten. Oder das lange Warten auf den noch im März am Knie verletzten Dortmunder Nmecha. Oder das Totalvertrauen in Musiala.

Das Vertrauen wächst nach nun zehn Siegen am Stück. Auch wenn es gegen Curaçao eine Mini-Delle im Spiel gab rund um den 1:1-Ausgleich. "War schon spannend zu sehen, wie die Mannschaft damit umgeht", sagte Nagelsmann.

Seine Schlussworte nach dem ersten WM-Step klangen beinahe philosophisch: "Der Schlüssel für mich heute war, dass wir Überzeugung und Vertrauen nach innen entwickeln nach einem guten Spiel. Die ist gewachsen. Wir sind natürlich dafür da, den Fans und Menschen in Deutschland viele emotionale Momente zu bescheren. Aber wir sind in allererster Linie am Anfang hier, uns davon zu überzeugen, dass wir das überhaupt leisten können."

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Mit drei Punkten und sieben Toren im Gepäck zurück in Winston-Salem: Julian Nagelsmann beim Verlassen des DFB-Fliegers.

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7:1 - da war doch mal was?

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Er ist wieder da: Manuel Neuer.

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Ein Stern geht auf in Houston: Nathaniel Brown hebt ab nach seinem ersten Länderspieltor beim WM-Debüt.

Nagelsmanns Belohnung nach einem WM-Turbostart zum Träumen

Die Elfenbeinküste jubelt spät. In Toronto geht's schon um Platz eins.