Fotokunst aus Stuttgart

Prolab-Chef: „Vera Mercer sieht uns als beste Adresse in Europa“

Die neuen Arbeiten der US-Fotokünstlerin Vera Mercer werden in Stuttgart produziert – im Fotofachlabor Prolab. Geschäftsführer Alexander Stöckle erzählt, warum.

Prolab-Chef: „Vera Mercer sieht uns als beste Adresse in Europa“

Prolab-Geschäftsführer Alexander Stöckle

Von Nikolai B. Forstbauer

Der Auftritt der US-amerikanischen Fotokünstlerin Vera Mercer in der Leica-Galerie in Stuttgart und in der Galerie Schlichtenmaier in Schloss Dätzingen in Grafenau verdankt sich auch der Zusammenarbeit von Vera Mercer mit dem Fotofachlabor Prolab in Stuttgart. Wie muss man sich den Dialog vorstellen? Prolab-Geschäftsführer Alexander Stöckle gibt Antworten.

Herr Stöckle, seit wann arbeiten Sie mit Vera Mercer zusammen?

Der erste Kontakt entstand im Jahr 2022 über die Galerie Werkhallen in Kampen auf Sylt. Zu diesem Zeitpunkt hat Frau Mercer Ihre Arbeiten in Omaha, Nebraska noch selbst gedruckt und uns zum Rahmen zu Verfügung gestellt. Frau Mercer hat schnell erkannt, dass wir ein seriöses Unternehmen sind, das hochsensibel mit Kundendaten umgeht und darüber hinaus mit seiner Expertise für Druck- und Weiterverarbeitungstechniken ein idealer Partner für sie im europäischen Raum ist. So entstand ein sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Kunst mit Fotografie ist eine eigene Welt. Sie arbeiten mit Ihrem Unternehmen immer wieder in diesem Bereich. Wie kam es dazu?

Im Jahr 2003 habe ich die Prolab GmbH mit der Intention übernommen, diese gemeinsam mit einem Team von 15 Mitarbeitern, zu einem der führenden Fotofachlaboren für Kunstproduktionen in Deutschland zu entwickeln und aus Überzeugung und der Liebe zur Fotografie sämtliche analoge Techniken solange möglich aufrecht zu erhalten. Heute erwirtschaften wir 70 Prozent unseres Umsatzes mit Kunst- und Austellungsproduktionen. Wir gehören zu einem der wenigen Laboren die von der Beratung über die analoge oder digitale Bildproduktion bis hin zur hochwertigsten Rahmungen und Bildveredelungen mit einem eigen Patent, der Verklebung von Fotografien hinter Museumsglas bis hin zum eigenen Kunsttransport und professionellem Hängeservice.

Und wie ist der Dialog? Wie lange arbeiten Sie im Durchschnitt an einem Kunstwerk, bis es eben als solches durch die Urheberinnen und Urheber „abgenommen“ wird?

Es ist meist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Künstler und seinem Werk. Von der Materialfindung über Bild- und Farbabstimmung bis hin zur einer dem Werk dienenden Präsentationsform kann dieser Prozess bis zu sechs Monaten dauern. Im Regelfall benötigt die Produktion einer neuen Werkserie vier bis acht Wochen.

Die neuen Arbeiten von Vera Mercer sind gerahmt, werden aber nicht durch Glas oder Kunststoff geschützt. Wie geht das?

Wir haben in Abstimmung mit Restauratoren aus dem musealen Bereich eine Papier- und Wachskombination entwickelt, die die Arbeiten vor mechanischen Einflüssen schützt und darüber hinaus einen Schutz vor UV-Strahlung und damit vor dem Ausbleichen bietet. Das hierbei verwendete vollsynthetische Wachs ist frei von Farbveränderung.

Und wie lange dauert dieses „Wachsen“? Wie muss man sich das handwerklich vorstellen?

Das Wachs wird in mehreren Schichten von Hand aufgetragen. Wir kalkulieren mit ungefähr einer Stunde pro Quadratmeter.

Stimmt es, dass Vera Mercer inzwischen sogar ausgesprochen intensiv und direkt mit Ihnen zusammenarbeitet?

Ja, tatsächlich vertraut Sie uns all Ihre Bilddateien mit der Gewissheit an, dass wir damit hochsensibel umgehen. Natürlich hat sie unser Labor auch bereits besichtigt. Und natürlich fühlen wir uns geehrt, dass Vera Mercer uns bei der Ausstellung in der Leica Galerie als die beste Adresse in Europa empfohlen hat.

Sie haben mit Menschen ganz unterschiedlicher Generationen zu tun. Vera Mercer ist 89 und begeistert aktuell viele Menschen auch durch ihre Präsenz. Was nehmen Sie mit aus den Begegnungen mit dieser Frau?

Dass man auch noch im hohen Alter die Begeisterungsfähigkeit und Neugier an Leben, Techniken und jüngeren Generationen, behalten sollte. Hierfür geht Vera Mercer als leuchtendes Beispiel voran. Wie auch Regina Silveira die zeitlebens als Künstlerin in Brasilien gearbeitet hat, alle Genres der Kunst genutzt hat um Ihrer Arbeit Ausdruck zu verleihen und sich auch im hohen Alter mit komplexen digitalen Technik auseinandersetzt. Trotz Ihrer Erfolge sind beide Künstlerinnen nahbar, hochsympathisch und suchen mit Neugier den Kontakt zu Menschen jeglichen Alters und Couleur.

Wo ist Vera Mercers Kunst zu sehen?

Galerie SchlichtenmaierDie Ausstellung „Vera Mercer – Die Bühne der Dinge“ ist am Stammsitz der Galerie Schlichtenmaier in Schloss Dätzingen (Grafenau) zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch bis Freitag von 11 Uhr bis 18.30 Uhr, an Samstagen von 11 bis 16 Uhr. Leica-GalerieDie Ausstellung „Vera Mercer | Still. Leben“ ist vom 7. Februar bis 18. April 2026 in der Leica Galerie Stuttgart, Königsstraße 28, 70173 Stuttgart, zu sehen. Die Galerie ist von Montag bis Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung befindet sich im Untergeschoss.

Leica-GalerieDie Ausstellung „Vera Mercer | Still. Leben“ ist vom 7. Februar bis 18. April 2026 in der Leica Galerie Stuttgart, Königsstraße 28, 70173 Stuttgart, zu sehen. Die Galerie ist von Montag bis Samstag von 10 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung befindet sich im Untergeschoss.