Zum Dokumentationsfilm-Festival am 18. und 19. Juni in Stuttgart kommen auch Wim Wenders, Boris Palmer, Günter Oettinger und Joachim Gauck.
Von Julia Bosch
Stuttgart - Wenn es heutzutage noch angesagt wäre, Autogramme zu sammeln, wäre es wohl klug, am 18. und 19. Juni im Stuttgarter Hospitalhof herumzulungern. Denn an diesen beiden Tagen kommen unter anderem der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger, Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer und der Regisseur Wim Wenders in die Landeshauptstadt. Auch mehrere Journalistinnen (Stephan Lamby, Katharina Willinger, Paul Ronzheimer und Düzen Tekkal), Musiker, Produzenten sowie weitere Politiker werden bei dem Dokumentationsfilm-Festival namens Dokville an der Büchsenstraße 33 erwartet.
Hohes Interesse dürfte das Gespräch mit Wim Wenders am Donnerstag, 18. Juni, um 17 Uhr, wecken. Der Regisseur war zuletzt vermehrt in die Schlagzeilen geraten. In seinem Film „Falsche Bewegung“ (1975) arbeitete er mit der Schauspielerin Nastassja Kinski zusammen. Sie war damals 13 Jahre alt und wurde in einer Szene mit nacktem Oberkörper gezeigt. Der Film werde aus allen aktuellen Auswertungsformen zurückgezogen, teilte die Wim Wenders Stiftung mit.
Bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises vor wenigen Tagen sagte Wim Wenders dazu, dass er das so heute nicht mehr drehen würde, sich ihm aber auch eine größere Frage stelle: Wie gehe man mit Filmen um, die in einer anderen Zeit entstanden sind? Moderiert wird das Gespräch beim Dokville mit Wenders von Eric Friedler, selbst Dokumentarfilmer und Geschäftsführer des Hauses des Dokumentarfilms in Stuttgart.
Das Thema des diesjährigen Dokville-Festivals lautet: „Demokratie unter Druck – Ist unsere Zivilgesellschaft am Ende?“ Es gibt mehrere Diskussionsrunden, Kurzvorträge und Experimente. Außerdem wird erstmals im Rahmen des Dokville der mit 15.000 Euro dotierte europäische Dokumentarfilmpreis verliehen.
Die Veranstaltung sei allerdings kein „reines Branchentreffen“, betont Eric Friedler. Jeder könne kommen, da schließlich auch ganz grundsätzliche Themen diskutiert würden. Zudem wird bereits am Mittwochabend, 17. Juni, im Haus der Geschichte (Konrad-Adenauer-Straße 16) der 90-minütige Film „Der Helsinki-Effekt“ gezeigt mit anschließendem Gespräch. Der Eintritt ist frei, allerdings ist eine Anmeldung vorab nötig an die Mailadresse veranstaltungen@hdgbw.de.
Tickets für die Dokville-Veranstaltungen vor Ort können bis 16. Juni gekauft werden. Die Teilnahme kostet zwischen zehn Euro (Online-Zugang für einen Tag) und 50 Euro (Eintritt für beide Tage sowie Online-Zugang). Es gibt auch die Möglichkeit, ausschließlich digital per Livestream an einzelnen Programmpunkten teilzunehmen, dafür ist die Anmeldung bis 19. Juni möglich.