Der Turm ist zerstört, die Fassade verbrannt. Das Rathaus von Limoges am Tag nach den Krawallen.
Von Christian Gottschalk
Guillaume Guérin gehört am Sonntag zu den am häufigsten interviewten Menschen in Frankreich. Egal ob lokale Fernsehstation oder großer Sender aus der Hauptstadt, alle wollen sie den Bürgermeister von Limoges sehen, wollen wissen, wie er sich fühlt, nachdem sein historisches Rathaus in der Nacht den Flammen der Gewalt zum Opfer gefallen ist. Guérin zeigt sich erschüttert, betroffen, und immer mehr wütend. Es sei doch ein Haus für die Menschen gewesen, das da von maskierten Krawallmachern zerstört worden ist, sagt er ein ums andere Mal.
Das Rathaus ist keine Bastille
Das ist der große Unterschied zum 14. Juli 1789. Damals stürmten die Massen die Bastille in Paris, eine große Festung und ein Kerker gleichermaßen. Das Gebäude wurde zerstört, weil es für viele Menschen ein Symbol der Unterdrückung durch den König war. In der Bastille konnten Menschen auf Befehl von Ludwig XVI. ohne Gerichtsverfahren eingesperrt werden. Ein Zeichen der Willkürherrschaft, und letztendlich ein Sieg für die Französische Revolution.
Aber jetzt: ein Rathaus. Das sei doch das gemeinsame Eigentum der rund 120 000, so Bürgermeister Guérin immer wieder. Die Nachrichtenagentur AFP befragte Bewohner der Stadt, und die zeigten sich erschüttert. Ein Rentner sagte, dass seine Kinder in dem Gebäude geheiratet hatten: „Der Brand tut mir im Herzen weh.“ Eine Studentin zeigte sich vor den Ruinen fassungslos und fragte, wie es so weit kommen konnte. Andere Anwohner äußerten Angst und Empörung darüber, dass Menschen hätten sterben können.
Präfekt: „Rathaus ist zum großen Teil verloren“
Am Sonntagmorgen teilten die Behörden mit, dass das Feuer unter Kontrolle sei. Das Rathaus sei „zum großen Teil verloren“, sagte der zuständige Präfekt Maurice Barate. Er machte eine „wilde Horde“ für den Brand verantwortlich. Das im Stil der Neorenaissance entworfene Gebäude wurde am 14. Juli 1883 offiziell eröffnet und hatte eine bewegte Geschichte. Während des Zweiten Weltkrieges war es Sitz der belgischen Exilregierung und entwickelte sich rasch zu einem Zentrum des lokalen Widerstands im nicht von Deutschland besetzten Teil Frankreichs.
Premierminister Sébastian Lecornu sicherte der Stadt und dem Bürgermeister am Sonntag persönlich die Unterstützung der Regierung zu. Er kündigte an, dass der Staat beim Wiederaufbau helfen werde und das Rathaus wieder aufgebaut werden solle. Das Gebäude sei Symbol einer Nation, die sich nicht einschüchtern lasse.