Ronaldo überrascht die Teamkollegen

Der fünfmalige Weltfußballer beeindruckt Mitspieler wie Trainer bei der portugiesischen Nationalmannschaft mit seinem Fitnesszustand – und ist nicht der einzige ambitionierte Altstar bei der WM-Endrunde in Amerika.

Ronaldo überrascht die Teamkollegen

Immer noch fit – auch mit solzen 41 Jahren kann bei Cristiano Ronaldo von Abschied noch keine Rede sein.

Von David Scheu

Houston - Als Cristiano Ronaldo 2006 seine ersten WM-Spiele absolvierte, war die Fußball-Welt noch eine andere. Im deutschen Tor stand Jens Lehmann, im Endspiel Zinedine Zidane, am Ende streckte Italiens Kapitän Fabio Cannavaro den Pokal in die Höhe. Inzwischen, 20 Jahre später, haben sie alle ihre Karrieren längst beendet. Ronaldo aber spielt und spielt und spielt. Der 41-Jährige steht vor seiner sechsten Weltmeisterschaft, bei der er seine eigenen Bestmarken weiter in die Höhe schrauben wird.

Schon jetzt hat Portugals Superstar die meisten Länderspiele für eine Herren-Nationalmannschaft absolviert (228) und dabei auch die meisten Tore geschossen (143). Zudem gelang es ihm als einzigem Spieler, in fünf WM-Endrunden jeweils mindestens ein Tor zu erzielen. Und die sechste soll dazu kommen, wenn Ronaldo mit seiner Mannschaft an diesem Mittwoch (19 Uhr) in Houston gegen die Demokratische Republik Kongo ins Turnier startet.

Nun stellt sich im fraglos fortgeschrittenen Profifußball-Alter von 41 Jahren und vier Monaten für viele die Frage nach der Leistungsfähigkeit Ronaldos, der mittlerweile in Saudi-Arabien bei Al-Nassr seine Tore schießt. Fast schon brüskiert reagierte der exzentrische Star vor dem Abflug in die USA mit einer Gegenfrage in Richtung der Reporterschar: „Meine Fitness ist bestens. Habt ihr meine Spiele nicht gesehen? Es läuft alles sehr gut.“

Für Aufsehen sorgten zuletzt tatsächlich interne Checks der Portugiesen, bei denen eine Mannschaftsärztin bei Ronaldo fast identische Fitnesswerte wie bei seinem Nationalelf-Debüt 2003 attestierte. Und auch Teamkollege Vitinha räumte zuletzt mit Blick auf Ronaldos Physis schmunzelnd mit Gerüchten auf: „Ich kann Ihnen garantieren, dass das kein Photoshop ist. So sieht er wirklich aus. Es ist unglaublich, dass er mit 41 Jahren immer noch in dieser Verfassung ist. Ich bin 26 und sehe nicht so aus.“ Das zeige, so der Mittelfeld-Star von Paris Saint-Germain, dass sich Disziplin und Achtsamkeit mit Blick auf den eigenen Körper auszahlten.

Das wiederum gilt für mehrere prominente Teilnehmer bei dieser WM. Selten nahmen an einer Endrunde so viele Altstars teil – und alle sind sie nicht zu Imagezwecken dabei, sondern sollen tragende Rollen übernehmen. Lionel Messi (38) bei Titelverteidiger Argentinien, Luka Modric (40) bei den stets ambitionierten Kroaten, Manuel Neuer (40) nach seinem Comeback im Tor für Deutschland. Und eben Ronaldo (41), der bei den beiden 2:1-Siegen in den letzten WM-Tests gegen Chile und Nigeria jeweils im Sturmzentrum in der Anfangsformation gestanden hatte.

Dass Portugal zum Kreis der Mitfavoriten zählt, liegt aber längst nicht mehr alleine an Ronaldo. Der erwähnte Vitinha gewann auf Vereinsebene mit seinem Mittelfeld-Nebenmann Joao Neves (21) mit Paris Saint-Germain die Champions League, auch etwas offensiver ist das portugiesische Team mit Bernardo Silva (Manchester City) und Bruno Fernandes (Manchester United) stark besetzt.

„Wir fahren mit jeder Menge Hoffnung zu dieser WM. Diese Generation wird Portugal eine Menge großartiger Dinge bescheren“, sagt Ronaldo, „das Wichtigste ist, gut zu starten und dann die Gruppe als Erster zu beenden.“ Das soll nur ein erster Schritt sein auf dem Weg zum Titelgewinn. Es wäre der erste für Portugal und folglich auch der erste für den fünfmaligen Weltfußballer Ronaldo, der ansonsten praktisch jeden relevanten Titel gewonnen hat.

Dass es nun in Amerika die letzte Chance sein könnte, liegt beim Blick auf die biologische Uhr auf der Hand. Portugals Trainer Roberto Martinez ist sich da aber gar nicht so sicher: „Ich habe mit vielen Spielern gearbeitet, die die Champions League oder den Ballon d‘Or gewonnen und am nächsten Tag ihren Ehrgeiz verloren haben. Ronaldo verkörpert eine ganz andere Mentalität. Ich kann mir auch vorstellen, dass er 2030 mit 45 Jahren seine siebte WM spielt. Er hätte es sich verdient.“ Dieses Szenario ist aber noch weit entfernt – im Gegensatz zur WM 2026, bei der Cristiano Ronaldo auch seine persönliche Erfolgsgeschichte um ein weiteres Kapitel fortschreiben will.