Hasen aus Schokolade sind zu Ostern beliebt. Die erneut gestiegenen Preise dürften vielen Kunden jedoch bitter aufstoßen. Wie reagieren sie darauf?
Wer liebt keine Schocki-Osterhasen? Doch dieses Jahr sind die Leckereien so teuer, dass mancher bei der verzehrten Menge sparen muss.
Von Markus Brauer/dpa
Es gibt Inhaltsstoffe in Schokolade, die nachweislich eine positive Wirkung auf unser Gemüt haben – etwa Koffein und Theobromin. Hinzu kommen die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin, die Stress reduzieren und entspannend wirken.
Die Mengen an stimmungsaufhellenden Substanzen sind allerdings gering, so dass der Glückseffekt eher kurzfristig ist und nicht als langfristiges Antidepressivum dient.
Aber es geht bei Schokoladen-Produkten ja nicht nur um Genuss und Glücksgefühle, sondern auch um den Preis. Und der kennt seit langem nur eine Richtung: nach oben.
Wenige Tage vor Ostern (am 5. April) stehen Verbraucher im Supermarkt vor einem Rätsel. Schokolade ist zuletzt teilweise wieder etwas billiger geworden, die Preise für Osterhasen sind allerdings kräftig gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle. Verglichen wurden Produkte der großen Marken Lindt, Milka, Kinderschokolade und Ferrero. Sonderangebote und Eigenmarken wurden nicht berücksichtigt. Das Ergebnis:
Die Preise liegen je nach Größe und Marke 7 bis 29 Prozent höher als vor einem Jahr.
Auch der wohl bekannteste Schokohase der Nation von Lindt kostet mehr. Die 100-Gramm-Version legt im Vergleich zum Vorjahresmonat um 70 Cent (+16 Prozent) zu, die mit 50 Gramm um 50 Cent (+18 Prozent). Für ein Kilo Schokolade sind beim sogenannten Goldhasen hochgerechnet nun bis zu 65 Euro fällig.
Die Produkte der bekannten Markenhersteller waren bereits im vergangenen Jahr teurer geworden.
Warum steigen die Preise?
Die Rohkakao-Preise an den Börsen sind zuletzt wieder deutlich gesunken, weil in Westafrika mehr Kakao geerntet wurde. Der von der internationalen Kakao-Organisation (ICCO) ermittelte Tagespreis lag Anfang März bei knapp 2600 Euro pro Tonne – also etwa auf Vorkrisenniveau von 2023.
Experten begründen dies auch mit der schwachen Nachfrage und rechnen sogar mit einem Überangebot. Supermärkte und Discounter haben kürzlich die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte reduziert. Warum wurden die Schoko-Osterhasen jetzt trotzdem teurer?
„Sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen“
Der Hersteller Lindt & Sprüngli teilt auf Nachfrage mit, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. „Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden.“
Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass andere Kosten, etwa für Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen, weiterhin hoch seien. Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, seien „sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen“ nötig.
Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie wirken sich Rohpreis-Entwicklungen oft erst nach mehreren Monaten im Handel aus. Trotz sinkender Preise an der Börse zahlten viele Unternehmen „weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden“. Eine Anfrage an Milka-Hersteller Mondelez blieb unbeantwortet.
Tafel 70 Prozent teurer als 2020
In den vergangenen Jahren hat sich Schokolade stark verteuert. Wegen befürchteter Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter stieg der ICCO-Tagespreis 2024 zeitweise auf deutlich mehr als 10.000 Euro pro Tonne.
Hersteller und Händler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im Januar 70 Prozent teurer als 2020, Riegel und andere Schokoladenerzeugnisse 75 Prozent.
Die höheren Preise schrecken Verbraucher ab, sie griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Laut einer YouGov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur fünf Prozent mehr.
Saisonales Geschäft leidet besonders
Laut dem Marktforscher NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade hingegen um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft – erheblich mehr als im Vorjahr.
Im Frühjahr 2025 reagierten Verbraucher ebenfalls spürbar auf die Preissteigerungen. Im Ostergeschäft brach der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten laut NIQ im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.
Die Hersteller spüren die Kaufzurückhaltung. Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums rote Zahlen. Auch Lindt & Sprüngli steigerte seine Erlöse dank höherer Preise und verkaufte weniger Schokolade. Dennoch machte das Unternehmen mehr Gewinn als im Vorjahr.
Wie viel darf Schokolade kosten?
„Marken können hohe Preise verlangen“, erklärt Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch. Kortum sieht einen zunehmenden Wettbewerb der Luxusgüter. „Premium funktioniert, solange der wahrgenommene Mehrwert klar höher ist als bei Alternativen.“
Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, betont: „Marken wie Lindt haben eine enorme Zugkraft. Der Kunde verlangt sie im Supermarkt. Gleichzeitig ist die Preissensibilität weiterhin hoch.“ Es werde spannend, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mitmachten.
Ostern und der Hase
Was hat der Hase mit Ostern zu tun? Georg Franck von Franckenau war der Erste, der 1682 in seiner Abhandlung „De Ovis Paschalibus“ („Von Oster-Eyern“) von dem Brauch berichtete, gefärbte Eier im Gras und Gebüsch zu verstecken und es Meister Lampe in die Schuhe zu schieben. Der Heidelberger Medizinprofessor nannte dies eine „Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet“. Noch weiter zurück geht die christliche Deutung des Hasen als Auferstehungssymbol, die auf den Kirchenvater und Mailänder Bischof Ambrosius (339 bis 397 n. Chr. ) zurückgeht. Für Kinder seien die Flunkergeschichten vom Osterhasen pädagogisch sinnvoll, meinen Psychologen, weil sie die kindliche Fantasie anregten und die geistige Entwicklung förderten.
Wann werden die Ostereier versteckt? Ein weit verbreiteter Osterbrauch ist das Verstecken von Eiern. In der Frühe des Ostersonntags, so lautet eine alte Tradition, hat der Osterhase sein Werk verrichtet und überall Eier und kleine Süßigkeiten versteckt. Wer sie findet, darf sie behalten. Kein Wunder, dass vor allem die Kleinen mit großem Eifer bei der Sache sind. Bei schönem Wetter kann die Eiersuche im Garten stattfinden und bei schlechtem Wetter finden sich gewiss auch in der Wohnung Verstecke in ausreichender Zahl.
Wann werden Ostereier gesucht? Wann nach den versteckten Eier gesucht werden darf, ist traditionell abhängig von den Zeiten für den Gottesdienst am Ostersonntag. Nach der katholischen Messfeier bzw. der evangelischen Andacht geht die ganze Familie in die Natur (oder in die Wohnung), wo die Kinder nach versteckten Ostereiern und Süßigkeiten suchen.