Bereits seit Ende vergangener Woche demonstrieren Schülerinnen und Schüler für mehr Geld. Sie beklagen marode Schulgebäude, überfüllte Schulklassen und zu wenig Lehrkräfte. Teils bezog sich der Ärger an Gymnasien auch auf die Plattform, über die Zulassungen für Universitäten erfolgen.
Von Markus Brauer
Bei den außer Kontrolle geratenen Schülerprotesten in Frankreich sind bisher 1949 Menschen festgenommen worden. Den meisten werde Gewalt - etwa gegen Einsatzkräfte - vorgeworfen, heißt es aus dem Innenministerium in Paris. 305 Polizisten und Gendarmen sind demnach verletzt worden.
An diesem Freitag (2. Oktober) sollen wegen des Protests gut 400 Schulen geschlossen bleiben und nur Fernunterricht anbieten, berichtet Bildungsminister Édouard Geffray. Ihm zufolge wurden seit Beginn der Proteste 170 Schüler und 65 Menschen aus dem Bildungswesen verletzt.
Die Gewalt nimmt weiter zu. Ein Überblick:
Krisensitzung in Paris
„Wir protestieren gegen überfüllte Klassen und gegen die Regierung, die Millionen für das Wegsperren von Mobiltelefonen ausgibt, aber nicht für Heizungen, Klimaanlagen und Lehrergehälter“, sagt die 16 Jahre alte Maëlle aus Caen. Auch Studenten schlossen sich dem Protest an. Landesweit wurden nach Angaben einer Studierendengewerkschaft rund 30 Universitäten blockiert, darunter in Paris und Marseille.
Premierminister Sébastien Lecornu rief seine Minister nach Informationen aus seinem Umfeld dazu auf, in den kommenden Tagen auf Dienstreisen zu verzichten. Er berief für den Nachmittag eine Krisensitzung ein.
Proteste sind bereits Wahlkampfthema
Protest gegen Missstände an Schulen und Universitäten
Auslöser der in der vergangenen Woche begonnenen Proteste waren Forderungen, zahlreiche Missstände an den weiterführenden Schulen Frankreichs zu beenden. Dazu zählen baufällige Schulgebäude, Lehrermangel, fehlende Materialien und zu lange Schultage. Zudem brechen sich ein allgemeiner Unmut und eine Politikverdrossenheit Bahn.
Die Proteste sind auch bereits ein Wahlkampfthema: Mehrere Politiker der linkspopulistischen Partei La France Insoumise (LFI, Unbeugsames Frankreich) zeigten sich vor blockierten Schulen und machten sich die Forderungen von Schülern zu eigen.
Der Bürgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko, verteidigte seine Anwesenheit am Ort der Ausschreitungen. Dies zähle zu seinen Pflichten als Bürgermeister. Er forderte von den Behörden, „zur Ruhe aufzurufen“. Dazu zähle es auch, der Polizei „klare Anweisungen“ zu geben, erklärte Bagayoko. LFI-Parteichef Jean-Luc Mélenchon hatte der Regierung mit Blick auf das Vorgehen der Sicherheitskräfte „Repression“ vorgeworfen.
Haushaltentwurf heizt Proteste weiter an
Allein am Mittwoch (30. September) waren 625 Menschen festgenommen worden, 83 Polizisten und Gendarmen wurden verletzt. Seit Beginn der Proteste wurden nach Angaben des Bildungsministeriums bislang auch 119 Schülerinnen, Schüler, Lehr- und Aufsichtskräfte verletzt.
Die Polizei nahm interne Ermittlungen in drei Fällen auf, in denen Schüler verletzt wurden. Ein junger Mann war in der Stadt Tour mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht worden, die auf ein Hartgummigeschoss hindeutete. Innenminister Laurent Nuñez warnte vor einem „unverhältnismäßigen Gebrauch von Einsatzmitteln“ wie Tränengas.
Die Unruhen könnten weiter angeheizt werden durch den Haushaltsentwurf, der am Donnerstag im Kabinett vorgestellt worden war. Er sieht unter anderem Gebühren für bestimmte Abschlüsse und Ausbildungswege vor. CGT-Gewerkschaftschefin Sophie Binet spricht von einer „Provokation“ und wirft der Regierung vor, die Proteste auf diese Weise weiter anzuheizen. (mit dpa-/AFP-Agenturmaterial)
Eine Studentin agiert am Place de la Republique in Paris.
Brennende Mülltonnen in Paris nahe der Diderot vocational High School.
Schüler und Studenten protestieren in Marseille gegen geplante Kürzungen im Bildungsbudget.
Ein Polizist in Nouvelle Aquitaine.
In Marseille ist die Lage besonders angespannt.
Die Proteste hinterlassen buchstäblich verbrannte Mülltonnen - wie hier in Paris.
Hunderte Schüler und Studenten stellen sich in Marseille der Polizei entgegen.
Die "Staatsmacht" demonstriert in Marseille Stärke.
Protestierende haben in der Stadt Albi ein Feuer gelegt.