Die Jubiläumsrunde mit langjährigen geehrten Mitgliedern (von links): Vorsitzende Melanie Tritschler, Emma Schmidt-Lawrenz, Brigitte Wilz, stellvertretende Vorsitzende Sibylle Strobel, Gudrun Gruber, Anita Hofmann und Rosely Schweizer. Foto: Elisabeth Klaper
Von Elisabeth Klaper
Murrhardt. „Unser Ziel war es, Kindern in Not zu helfen, die aus Familien kamen, die sich keine Ausflüge leisten konnten, und eine Anlaufstelle für Familien in schwierigen Situationen zu schaffen“, erzählt Rosely Schweizer. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied im Kinderschutzbund Ortsverband Murrhardt. Dessen Gründungsversammlung fand Ende April 1975 in der Sonne-Post statt, wobei die Landesvorsitzende Eva Lenke unterstützend mitwirkte. Treibende Kraft und langjährige Vorsitzende war Mina Götz, Gattin des damaligen Bürgermeisters Helmut Götz. Unter dem Motto „Es gibt so viel zu tun“ motivierte sie etliche Frauen, sich ehrenamtlich im Kinderschutzbund zu engagieren. Hauptaufgaben waren und sind konkrete Hilfeleistungen für Kinder, ebenso die vorbeugende Arbeit durch Aufklärung, Information, Bildung und Unterstützung der Eltern. Dazu galt es, ein Betreuungsangebot zu schaffen sowie Ausflüge und Freizeiten zu organisieren. 1992 übernahm Jugendgerichtshelfer Emil Fechter den Vorsitz, 2004 Marion Großberger, 2009 Sibylle Strobel und 2023 Melanie Tritschler.
Persönliche Hilfe bei Erziehungsfragen oder auch bei Problemen in der Familie
Bei der Jubiläumsfeier im Café am Oberen Tor in Murrhardt gab Tritschler einen Überblick zur Entwicklung des Vereins und zu dessen durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzierten Aktivitäten. „Damals war es den Frauen unseres Vereins noch möglich, persönlich direkt vor Ort in Familien zu gehen, um zu helfen, ob bei der Kindererziehung, beim Kochen oder bei häuslicher Gewalt. Es wurde nicht darüber geredet, sondern man hat es einfach gemacht“, sagte sie. Im Zentrum der Arbeit steht seit 1977 die Kinderstube: Anfangs konnten Eltern Kinder jeden Alters donnerstagnachmittags in die Pfarrscheuer bringen und das Betreuungsprogramm durch erfahrene ehrenamtliche Kräfte nutzen.
1985 zog die Spielstube in die ehemalige Hausmeisterwohnung der Walterichschule um. Seit 1993 werden Kleinkinder im Alter von bis zu drei Jahren in einer Krabbelgruppe an zwei Vormittagen pro Woche betreut, wofür der Ortsverband zwei Honorarkräfte anstellte. 2002 kam die Kinderstube (spätere Bezeichnung) in Räume des städtischen Kindergartens Elsas-Haus, seither zahlen Eltern eine kleine Betreuungsgebühr. Seit 2017 ist die Kinderstube in renovierten Räumen im Obergeschoss der Stadthalle untergebracht sowie dienstags und donnerstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet. „Was die Betreuerinnen Anita Hofmann und Anja Reinhart da leisten, ist fast nicht in Worte zu fassen“, denn sie seien auch Schnittstellen zwischen Eltern und Kindern, so die Vorsitzende. Attraktionen waren Ausflüge und mehrtägige Freizeiten in den Ferien, die zunächst Mina Götz leitete, später Gudrun Gruber und Hans Quayzin. Weiter gab es Familienfreizeiten in einem Ferienheim in Distelhausen mit vielseitigem Programm für die Kinder, damit sich die Mütter oder Eltern erholen konnten, erinnert sich Rosely Schweizer. Der Kinderschutzbund organisierte Babysitterkurse, finanzierte Freibadeintrittskarten, Klassenfahrten und Schullandheimaufenthalte für bedürftige Familien. Er veranstaltete Kinderkleiderbörsen und Flohmärkte, wirkte beim Weihnachtsmarkt des Hausfrauenbunds mit und organisierte Schulungen für Eltern, Vorträge und Kurse in Kooperation mit der Volkshochschule.
Der Kinderschutzbund unterstützt die Schulsozialarbeit und das Murrhardter Jugendhilfeprojekt Arche der Paulinenpflege Winnenden, leistet Einzelfallhilfen und Betreuung für Familien, finanziert Hausaufgabenhilfe, eine Zeit lang half der Ortsverein auch beim Schulmaterial für bedürftige Kinder. Einige Jahre stand in der Innenstadt ein „Kummerkasten“ für „Kümmernisse“ der Kinder und Jugendlichen, erinnert sich Zeitzeugin Gudrun Gruber. In Kooperation mit dem Kreisjugendamt gab es „Alltag mit Kind“-Cafétreffs für Eltern mit Kindern unter drei Jahren. „Wir handeln schnell, unbürokratisch und unkompliziert auf Vertrauensbasis“, um Kinder und Eltern zu unterstützen, unterstrich Tritschler.
In einer Zeit, als es noch kaum Kinder- und Jugendhilfestrukturen gab, setzte sich ein Kreis von Frauen um Mina Götz mit großem ehrenamtlichem Engagement für Kinder, Jugendliche und Familien ein, hob Bürgermeister Armin Mößner hervor. Die Stadt unterstützt den Kinderschutzbund, der mit der Kinderstube das Betreuungsangebot bereichert, stellt dafür Räume zur Verfügung und setzte dessen Initiative für rauchfreie Kinderspielplätze und den rauchfreien Kinderbereich im Freibad um. Mößner überreichte der Vorsitzenden zum Dank an die gesamte Kinderschutzbundfamilie die Jubiläumsgabe der Stadt, einen symbolischen Scheck über 500 Euro. Melanie Tritschler und ihre Stellvertreterin Sibylle Strobel ehrten im Anschluss langjährige Mitglieder. Sie zeichneten Rosely Schweizer und Emma Schmidt-Lawrenz für 50 Jahre ehrenamtlichen Einsatz aus, Gudrun Gruber für 49 Jahre, Brigitte Wilz für 40 Jahre und Anita Hofmann für 27 Jahre.
Mina Götz, die Frau des ehemaligen Bürgermeisters Helmut Götz (Sechste von links), war lange treibende Kraft. Auf der Aufnahme von 1995 ist Vorsitzender Emil Fechter (rechts) zu sehen, der den Verein ebenfalls tatkräftig und finanziell unterstützt hat. Archivfoto: Hans Quayzin
Anja Reinhart kümmert sich um Sofia (links) und Anni in der Kinderstube: eine wichtige Einrichtung des Vereins. Archivfoto: Jörg Fiedler