Eine Starlink-Antenne auf einem Zug. Die modernen Satelliten des Internetanbieters sind für die Ukraine besonders wichtig.
Von Christian Gottschalk
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski erhebt schwere Vorwürfe gegenüber den USA. Im Gespräch mit dem britischen Moderator Piers Morgan sagte Selenski, er fühle sich durch den Dieseldeal Trumps mit Russland und andere Schritte Washingtons „verraten“. Er erklärte, dass die Satellitenkommunikation mit Starlink während der massiven russischen Angriffe auf die Ukraine absichtlich eingeschränkt worden sei. Die offizielle Erklärung, es handele sich um technische Probleme, bezweifelt Selenski.
Kein Schutz für die Bevölkerung
In dem Interview sagte Selenskyj, die Beschränkungen untergrüben die Fähigkeit der Ukraine, russische Drohnen abzufangen, ihre Energieinfrastruktur zu verteidigen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Die Störungen hätten gegen 1 Uhr morgens begonnen, als Russland eine Welle von Raketen und Drohnen gegen die Ukraine gestartet habe. „Ich bin mir sicher, dass sie wussten, was sie taten“, sagte Selenski, als Morgan fragte, ob die Einschränkungen absichtlich erfolgt seien. „Wir sind Profis. Wir wissen, was los ist. Wenn die Starlink-Geschwindigkeit nachlässt, verstehen wir, woran das liegt. Deshalb haben sie die Verbindung abgeschaltet. Das ist ihre Entscheidung“, fügte er hinzu. Die „Kiew Post“ berichtet, dass ukrainische Spezialisten Geschwindigkeitsbegrenzungen für die militärische Kommunikation bestätigten.
US-Abgeordnete beider Parteien verurteilten die Störung und warnten, dass sie ukrainische Zivilisten gefährden und Russland nützen könnte. Selenski sagte, die ukrainischen Streitkräfte hätten nach Feststellung der nächtlichen Störungen umgehend Kontakt zu SpaceX, amerikanischen Militärkommandeuren und anderen US-Partnern aufgenommen. Die amerikanische Seite hätten die Probleme beim Nachrichtenaustausch auf technische Schwierigkeiten zurückgeführt.
Tempolimit bei Starlink löst Probleme aus
Seit Kriegsbeginn setzt die ukrainische Armee das von Starlink bereitgestellte Satelliteninternet für die Kommunikation im Frontgebiet ein. Bei zerstörter Infrastruktur und fehlendem Mobilfunknetz ist auf diese Weise Hochgeschwindigkeitsinternet auch im Feld verfügbar. Starlink ist ein von dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betriebenes Satellitennetzwerk.
Ukrainischen Medienberichten zufolge wurde in der Nacht zum Mittwoch ohne Vorwarnung von SpaceX ein Tempolimit für Starlink-Terminals eingeführt. Demnach verlieren Flugobjekte ihre Verbindung, wenn sie sich schneller als 160 Kilometer pro Stunde bewegen. Anderen Berichten zufolge gehe die Verbindung bereits bei geringeren Geschwindigkeiten verloren.
Praktisch bedeutet das, dass weitreichende ukrainische Drohnen, die zum Teil mit bis zu 300 Kilometer pro Stunde fliegen, bei Überschreitungen der Geschwindigkeitsbegrenzung im Blindflug unterwegs sind. Sie können nicht mehr aus der Ferne gesteuert werden und verfehlen ihr Ziel. Zudem kann nicht mehr vor russischen Raketen im Anflug auf die Ukraine rechtzeitig gewarnt werden.