Die Ermittlungen gegen Ex-Prinz Andrew sind komplex und umfassen mehrere Ansätze. Die Polizei prüft derzeit auch Berichte zu Vorwürfen einer Frau aus dem Jahr 2010.
Im Fokus der Ermittler: Ex-Prinz Andrew
Von red/dpa
Die Polizei geht in ihren langwierigen Ermittlungen gegen den früheren Prinzen Andrew mehreren Ansätzen nach. Das geht aus einer Mitteilung der Thames Valley Police hervor. Dabei nehmen die Ermittler auch mögliches sexuelles Fehlverhalten in den Blick. Der jüngere Bruder von König Charles III. (77) war im Februar im Zuge des Skandals um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zwischenzeitlich festgenommen worden.
Zusätzlich zu den Ermittlungen prüfen die Ermittler derzeit den Angaben nach Berichte, wonach „eine Frau im Jahr 2010 zu sexuellen Zwecken zu einer Adresse in Windsor gebracht worden sein soll“, heißt es in der Mitteilung. Die Polizei habe Kontakt mit der rechtlichen Vertretung der Frau aufgenommen, um klarzustellen, dass eine mögliche Anzeige mit Sorgfalt und Sensibilität behandelt werden würde.
Gab Andrew sensible Informationen an Epstein weiter?
Andrew steht unter Verdacht, in seiner früheren Rolle als Handelsbeauftragter der britischen Regierung sensible Informationen an Epstein weitergegeben zu haben. Der 66-Jährige wurde aus seiner offiziellen Rolle in der Königsfamilie verbannt, ihm wurden alle Titel und Ehren aberkannt.
Der Straftatbestand des Fehlverhaltens im öffentlichen Amt könne jedoch „verschiedene Formen annehmen“, sagte Assistant Chief Constable Oliver Wright der Mitteilung zufolge. Der Bestand umfasst britischen Medien zufolge demnach auch mögliches sexuelles Fehlverhalten.
Die Polizei spricht derzeit mit einer Reihe an Zeugen und durchforstet „eine große Menge an Informationen“, sagte Wright. „Wir sind entschlossen, alle plausiblen Ermittlungsansätze gründlich zu verfolgen, wohin auch immer sie führen mögen.“
Sorge unter Ermittlern
Die Ermittler sollen nach Berichten britischer Medien besorgt darüber sein, dass die Öffentlichkeit den Eindruck gewinne, die Ermittlungen konzentrieren sich nur auf die Vorwürfe, Andrew habe während seiner Zeit als Handelsbeauftragter sensible Informationen weitergegeben. Der rechtliche Tatbestand sei jedoch weitaus umfassender.
Mountbatten-Windsor war eng mit Sexualstraftäter Epstein befreundet. Der 2019 in Haft gestorbene Multimillionär betrieb jahrelang einen pädophilen Missbrauchsring, dem zahlreiche Menschen zum Opfer fielen.
Eines der Opfer, die inzwischen verstorbene Virginia Giuffre, warf Andrew vor, sie mehrfach missbraucht zu haben, zum Teil als sie noch minderjährig war. Der Ex-Prinz bestreitet die Vorwürfe, doch eine Zivilklage Giuffres in den USA endete Berichten zufolge in einem millionenschweren Vergleich.