Manche Kandidaten haben bei der Landtagswahl ihr Parteiergebnis übertroffen. Andere sind durchgefallen. Einer von ihnen trägt den Namen Nopper.
Nicht im Landtag, aber immerhin ein respektables Ergebnis: Florian Wahl (SPD)
Von Jan Georg Plavec und Chiara Sterk
Dass vielleicht nicht die Grünen, auf jeden Fall aber Cem Özdemir die Landtagswahl gewonnen hat, ist nach dem Wahlsonntag klar. Der Grünen-Spitzenkandidat war für viele das entscheidende Argument, Grün zu wählen. Entsprechend haben die Grünen in fast allen Wahlkreisen mehr Zweit- als Erststimmen geholt. Die Ausnahme, mal wieder: Cem Özdemir im Wahlkreis Stuttgart II.
Der Spitzenkandidat ist der einzige Grüne, der das Zweitstimmenergebnis seiner Partei im eigenen Wahlkreis übertrifft. Bei der CDU ist es gerade andersherum. Hier heißt der große Verlierer Klaus Nopper: Der Stuttgarter Stadtrat und Bruder von Oberbürgermeister Frank Nopper hatte gegen Özdemir keine Chance. 25 Prozent der Erststimmen stehen 28,1 der Zweitstimmen im Filderwahlkreis Stuttgart II gegenüber.
CDUler sind Überperformer – bis auf einen
Im folgenden Schaubild steht jeder Punkt für einen Kandidaten. Wer unter der diagonalen Linie liegt, hat in seinem Wahlkreis weniger Erststimmen erhalten, als Zweitstimmen an die eigene Partei gingen. Über der Linie ist es genau umgekehrt – zum Beispiel bei Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), deren Erststimmenergebnis mehr als neun Prozentpunkte über dem Zweitstimmenwert in ihrem Wahlkreis liegt. Genau auf der Linie liegt Regina Dvorak-Vucetic (CDU). Sie hat Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) im Wahlkreis Böblingen das Direktmandat abgenommen.
Kandidaten mussten also nicht zwingend über der Linie liegen, um direkt in den Landtag einzuziehen. Klaus Nopper dagegen liegt zu weit darunter. Ihm half auch der Haustürwahlkampf mit Besuchen bei 3500 Haushalten nichts. Özdemir holte beinahe doppelt so viele Erststimmen.
Interessant ist die gleiche Betrachtung auch für die anderen Parteien mit mehr als vier Prozent Stimmenanteil. Hier fallen insbesondere die AfD und die SPD auf.
Die blau markierten AfD-Kandidaten liegen fast alle ziemlich genau auf der Linie. Sie haben also fast durchweg genau so viele Erststimmen bekommen wie ihre Partei Zweitstimmen. AfD-Wähler haben zumindest bei dieser Landtagswahl kein Stimmensplitting betrieben.
Bei der SPD sticht dagegen Spitzenkandidat Andreas Stoch heraus. Er holte in seinem Wahlkreis 15,9 Prozent der Stimmen und damit einen fast doppelt so hohen Stimmenanteil wie seine Partei. Auch die Ergebnisse von Florian Wahl (Wahlkreis Böblingen), Christian Holzer (Wahlkreis Bruchsal), Patrick Haag (Wahlkreis Neckar-Odenwald) und Stefan Fulst-Blei im umkämpften Wahlkreis Mannheim I können sich gegenüber dem schwachen Parteiwert sehen lassen. Über die Landesliste ziehen allerdings nur Andreas Stoch und Stefan Fulst-Blei in den Landtag ein.
Über die Parteien hinweg übertrafen 198 Kandidaten sowohl das Zweitstimmenergebnis ihrer Partei im Wahlkreis als auch das Landesergebnis ihrer Partei. Davon sind 64 bei der SPD, 55 bei der CDU und 32 bei der FDP. In der AfD sind es 22, bei den Grünen wie schon gezeigt lediglich Cem Özdemir. Vergleicht man die individuellen Werte nur mit dem Wahlkreisergebnis, gibt es noch etwas mehr „überperformende“ Kandidierende.
Weitere Kandidaten, die es nicht in den Landtags geschafft haben, deren Namen man sich aber merken könnte:
Die vollständige Liste der am Sonntag gewählten Landtagsabgeordneten finden Sie hier. Die Ergebnisse aller Wahlkreise, Gemeinden und Stuttgarter Stadtbezirke ordnen wir im Vergleich zum Landesergebnis ein – dieser Text bringt Sie zu den Daten aus Ihrem Ort.