Beim SPD-Landesparteitag wird Aufbruchstimmung beschworen. Auf den langjährigen Landeschef Andreas Stoch kommen zwar in der Partei keine großen neuen Aufgaben zu – dafür aber privat.
Andreas Stoch beim Landesparteitag der Sozialdemokraten in Ulm: Seine letzte Rede als Landeschef berührte die Genossinnen und Genossen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Von Sascha Maier
Mit einer teilweise emotionalen Rede hat der bisherige SPD-Chef Andreas Stoch am Freitag in Ulm ein Kapitel der Sozialdemokraten in Baden-Württemberg geschlossen. „Es war mir eine Ehre“, sagte Stoch am Ende seiner Rede auf dem Landesparteitag. Seit 2018 war er Landeschef der Sozialdemokraten. Dass damit Schluss sein wird, hatte er bereits nach dem desaströsen Landtagswahlergebnis der SPD (5,5 Prozent) gesagt.
„Das, was ihr mir in den letzten Wochen gegeben habt, war Kraft, das hilft ungemein“, sagte Stoch in Ulm. Gut dürften vielen hier der Donauhalle noch die Bilder in Erinnerung sein, als Parteichef Lars Klingbeil in Berlin einem sichtlich niedergeschlagenen Stoch einen Blumenstrauß in die Hand gedrückt hatte. Der neue Stoch wirkte: Aufgeweckt, kampfeslustig, wie ein Sozialdemokrat im besten Sinne.
Sichtbare Vorfreude beim künftigen Opa Andreas Stoch
Womöglich gibt es aber auch einen anderen guten Grund als die sozialdemokratische Nestwärme, die Stoch beflügelt hat: „In wenigen Tagen“ werde er Großvater so Stoch. Ein Gedanke, der ihn zwar noch leicht befremde. Aber sein Lächeln konnte die Vorfreude nicht verhehlen.
Stoch schwor die neue Generation, die sein Erbe in Baden-Württemberg antreten soll, auf die kommende Zeit ein: „Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, dass es nicht mehr um Enten-Leberwurst, nicht um rehbraune Augen geht, sondern endlich wieder um Wohnraum und Arbeitsplätze geht.“
SPD-Politiker Andreas Stoch räumte auch Fehler ein
Dennoch räumte der SPD-Politiker auch Fehler ein. Nach so langer Zeit in der Politik in ein Fettnäpfchen wie die „Entenpastete“ zu treten – das tue weh; Stoch hatte kurz vor der Landtagswahl in einem SWR-Beitrag seinen Fahrer kurz nach einem Tafel-Besuch dazu angehalten, im benachbarten Frankreich bei einem Metzger Entenpastete einzukaufen. Die Szene brachte ihm viel Kritik ein.
Am vergangenen Freitagabend haben die Delegierten auf dem Parteitag in Ulm den neuen Landesvorsitz der Sozialdemokraten gewählt. Die Mannheimer Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori und der ehemalige Bundestagsabgeordnete Robin Mesarosch aus Sigmaringen stellen die neue Doppelspitze der SPD in Baden-Württemberg. Es galt auch zuvor als ausgemacht, dass das Duo Cademartori und Mesarosch an die Spitze der Landespartei gewählt wird. Sie hatten bei einer Mitgliederbefragung zuvor die absolute Mehrheit erreicht, müssen aber auf dem Landesparteitag noch offiziell bestätigt werden.