Umweltskandal

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Treibhausgas-Leck

Das Treibhausgas-Leck bei der Firma Solvay beschäftigt nun auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Ermittlungen aufgenommen – aber noch keinen Tatverdächtigen im Blick.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Treibhausgas-Leck

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat wegen der Treibhausgas-Emissionen <a href="inhalt.treibhausgasleck-bei-solvay-nabu-notfalls-der-firma-die-genehmigung-entziehen.89b3acdb-7e82-482f-8ae9-2b5ee28164c4.html" target="_blank">beim Chemiekonzern Solvay</a> Ermittlungen aufgenommen.

Von Annika Grah

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat wegen der Treibhausgas-Emissionen beim Chemiekonzern Solvay Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte einen Bericht des „Spiegels“. Es werde ein Anfangsverdacht wegen Luftverunreinigung und wegen Aufsichtspflichtverletzung gegen Unbekannt geprüft, teilte sie mit. Das Verfahren sei von der Staatsanwaltschaft Heilbronn übernommen worden. Es gehe um mögliche Aufsichtspflichtverletzungen im Betrieb. Die Deutsche Umwelthilfe hatte im Dezember Strafanzeige gegen verantwortliche Vertreter des Chemiekonzerns gestellt.

Treibhausgasleck seit Dezember öffentlich

Im Dezember war bekannt geworden, dass der Chemiekonzern wohl in den vergangenen Jahren deutlich mehr vom Treibhausgas Schwefelhexafluorid (SF6) emittiert hatte, als gemeldet. Während der Konzern für das Jahr 2023 insgesamt 56 Kilogramm SF6 gemeldet hat, kamen die Forscher im Schnitt der Jahre 2020 bis 2023 auf rund 30 Tonnen jährlich für die Region. SF6 ist als Treibhausgas 24 000 Mal wirksamer als CO2. Solvay ist europaweit der einzige Hersteller des Gases, das unter anderem in der Elektroindustrie als Isoliermittel eingesetzt wird.

Der Konzern hat sich inzwischen mit dem Land auf einen Testbetrieb geeinigt, in dem klar geregelt ist, wie oft die Anlage an- und abgefahren werden darf. Zudem soll es wöchentliche Messungen geben, die dem Regierungspräsidium vorgelegt werden. Eine Klage, die der Konzern gegen die Behörden eingereicht hat, wurde zunächst ruhend gestellt worden.

Thema im Umweltausschuss

Der Vorgang wird am Dienstag auch politisch aufgearbeitet. Der Umweltausschuss im Landtag beschäftigt sich mit der Frage, ob die Umweltministerin und das Regierungspräsidium ausreichend informiert haben. Dem Umweltministerium waren die Ergebnisse der Wissenschaftler nach eigenen Angaben im Frühjahr 2024 vorgestellt worden.